[Home]
Willkommen im Globalen Dorf / 68 Mura Calling /
Erster Sendungsentwurf


Home
Neues
TestSeite
DorfTratsch

Suchen
Teilnehmer
Projekte

GartenPlan
DorfWiki
OrdnerProjekte_alt
Dörfer
NeueArbeit
VideoBridge
VillageInnovationTalk


AlleOrdner
AlleSeiten
Hilfe

Einstellungen

SeiteÄndern







Veränderung (zum vorhergehenden Autor) (Änderung, Korrektur, Normalansicht)

Verändert: 1c1,822
Beschreibe hier die neue Seite.
== MURA CALLING =

=== Wie aus einem kleinen Projekt ein Lernraum für eine ganze Bioregion entstehen kann =

====Eine Sendung aus der Reihe „Willkommen im Globalen Dorf“ – Folge 68

[[toc]]
---

=== Prolog – Der Ruf des Flusses =

Es gibt Landschaften, die sind so selbstverständlich um uns, dass wir aufgehört haben, sie zu sehen.

Wir gehen an ihnen vorbei, wir überqueren sie auf Brücken, wir fahren mit dem Auto an ihnen entlang. Wir betrachten sie als Kulisse unseres Lebens – aber nicht mehr als etwas, das mit uns spricht.

Vielleicht ist genau das die größte Herausforderung unserer Zeit.

Der Mensch hat eine technische Macht entwickelt, die größer ist als je zuvor in der Geschichte. Gleichzeitig aber hat er vielerorts die Fähigkeit verloren, sich als Teil jener lebendigen Systeme zu verstehen, die sein eigenes Überleben ermöglichen.

Ein Fluss ist dafür ein besonderes Beispiel.

Ein Fluss ist nicht einfach eine Wasserlinie auf einer Landkarte. Er ist eine Lebensader. Er verbindet Quellen und Mündungen, Berge und Ebenen, Tiere und Pflanzen, Dörfer und Städte. Er trägt Geschichten, Erinnerungen und Kulturen.

Die Mur ist ein solcher Fluss.

Über Jahrhunderte war sie eine Verbindung zwischen Menschen und Regionen. Doch die politische Geschichte Europas machte aus vielen Flüssen Grenzen. Was früher ein gemeinsamer Lebensraum war, wurde durch Verwaltungsgrenzen, Sprachen und nationale Erzählungen getrennt.

Und doch blieb unter der Oberfläche etwas erhalten.

Die Landschaft selbst kennt keine Grenze.

Die Vögel fragen nicht nach Pässen. Die Fische kennen keine Staatszugehörigkeit. Das Wasser fließt weiter.

Diese einfache Erkenntnis war eine der Grundlagen für eine der großen europäischen Naturschutzideen unserer Zeit: die Entstehung des UNESCO-Biosphärenreservates Mur-Drau-Donau.

Es ist kein Zufall, dass dieser Raum oft als „Europäischer Amazonas“ bezeichnet wird. Auf fast 700 Kilometern verbindet dieses Flusssystem fünf Länder – Österreich, Slowenien, Ungarn, Kroatien und Serbien – in einer einzigartigen Landschaft aus Auwäldern, Nebenarmen und außergewöhnlicher biologischer Vielfalt.

Doch ein Biosphärenreservat ist mehr als ein Schutzgebiet.

Zumindest sollte es das sein.

Die UNESCO-Idee der Biosphäre verbindet Naturschutz mit menschlicher Entwicklung. Sie stellt eine entscheidende Frage:

Wie können Menschen nicht gegen die Natur, sondern als bewusster Teil der Natur leben und wirtschaften?

Diese Frage beschäftigte in unserer Region viele Menschen lange bevor das Projekt Mura Calling entstand.

Einer der großen Vordenker dieser Entwicklung war der Bürgermeister von Bad Radkersburg, Heinrich Schmidlechner. Er gehörte zu jenen Menschen, die verstanden haben, dass die Mur nicht nur ein Fluss ist, sondern ein gemeinsames Erbe und eine gemeinsame Verantwortung.

Es ist auch seiner Beharrlichkeit und jener vieler anderer Menschen zu verdanken, dass die Idee einer grenzüberschreitenden Biosphäre Wirklichkeit wurde.

*******************
Erster Block mit Heinrich
*******************

Heute verfügt Österreich als bisher einziges Land im Mura-Drava-Dunava-Raum über ein institutionell verankertes Biosphärenparkmanagement, das unter der Leitung von Andreas Schuster eine wichtige Rolle dabei spielt, Naturerhaltung, Bildung und regionale Entwicklung miteinander zu verbinden.

Aber trotz aller Erfolge blieb eine große Frage offen:

Wie erreichen wir die nächste Generation?

Wie sorgen wir dafür, dass Kinder und Jugendliche die Biosphäre nicht nur als Begriff in einem Schulbuch kennenlernen, sondern als etwas, das sie selbst erleben, erforschen und eines Tages mitgestalten?

Genau hier beginnt die Geschichte von Mura Calling.

---

=== Kapitel 1 – Ein kleines Projekt mit einer großen Frage =

Es gibt eine interessante Entwicklung in der europäischen Förderlandschaft.

Lange Zeit waren große Institutionen – Verwaltungen, Universitäten oder große Organisationen – die hauptsächlichen Träger grenzüberschreitender Projekte.

Doch gerade im Rahmen des Interreg-Programms Slowenien–Österreich entstand eine neue Möglichkeit: Kleine Projekte, die ausdrücklich von zivilgesellschaftlichen Organisationen getragen werden.

Vielleicht ist das ein unscheinbarer Schritt. Aber er ist von großer Bedeutung.

Denn die Zivilgesellschaft ist oft jener Bereich der Gesellschaft, in dem neue Ideen entstehen können. Vereine, engagierte Bürgerinnen und Bürger, lokale Initiativen – sie können experimentieren, Brücken schlagen und Themen aufgreifen, die in großen Strukturen manchmal keinen Platz finden.

Auf der slowenischen Seite war es der Verein Mura Rafting. Auf österreichischer Seite die DorfUni.

Zwei sehr unterschiedliche Organisationen, die aber eine gemeinsame Überzeugung verband:

Die Mur soll nicht länger nur eine Grenze sein.

Sie soll wieder ein Ort der Begegnung werden.

Der Name des Projekts war deshalb fast selbstverständlich:

Mura Calling.

Die Mur ruft.

Aber was bedeutet dieser Ruf?

Ist es ein Ruf zurück in eine romantische Vergangenheit?

Ganz im Gegenteil.

Es geht nicht darum, in eine alte Welt zurückzukehren. Es geht darum, eine neue Beziehung zwischen modernen Menschen und ihrer Landschaft zu entwickeln.

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

umformulieren

(es geht nicht klar hervor wieso greensteps hier so prominent reinkommt, das muss erklärt werden!)



Eine Beziehung, die digitale Werkzeuge nicht als Gegensatz zur Natur begreift, sondern als Hilfsmittel, um diese Natur wieder bewusster wahrzunehmen.

Daraus entstand die Idee, die Methoden des Place-Based Learning samt dafüßr geschaffenen digitalen Plattformen wie der ARK-App und der Greensteps-Methode zu verbinden.

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Der Ort selbst wird zum Lehrbuch.

Der Spaziergang wird zur Entdeckungsreise.

Die Landschaft wird zu einem Netzwerk von Geschichten, Fragen und Erkenntnissen.

Doch jede gute Idee muss irgendwann den ersten Schritt aus dem Papier hinaus machen.

Und dieser erste Schritt fand am 10. Oktober auf der Mur statt.

---

===Kapitel 2: „Die Fahrt zur Liebesinsel – als Mura Calling erstmals Wirklichkeit wurde“ =

Am 10. Oktober 2025 wurde die Idee von Mura Calling zum ersten Mal sichtbar und erfahrbar.

Der Ort dafür hätte kaum besser gewählt sein können.

Nicht ein Konferenzsaal, nicht ein Klassenraum, nicht eine <n>PowerPoint?-Präsentation</n> – sondern der Fluss selbst.

Auf der slowenischen Seite der Mur, organisiert von unseren Partnern von Mura Rafting, trafen sich Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Franca Miklošič aus Ljutomer und des BORG Bad Radkersburg zu ihrer ersten gemeinsamen Exkursion.

Viele von ihnen lebten nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Und doch hatte die Grenze ihre eigenen Wirkungen hinterlassen. Man kennt einander nicht automatisch, nur weil man nahe beieinander wohnt.

Vielleicht ist das eine der großen Paradoxien Europas: Wir haben politische Grenzen geöffnet, aber die inneren Landkarten in unseren Köpfen brauchen oft länger, um sich zu verändern.

Es ist der 10. Oktober, 8 Uhr morgens, auf der slowenischen Murseite. Die Boote mit den österreichischen Schülerinnen und Schülern, begleitet von ihren Lehrkräften, legten ab.

Langsam bewegten sie sich auf der Mur flussabwärts. Das Wasser, die Ufer, die Auwälder – all das wurde nicht mehr aus der Distanz betrachtet, sondern unmittelbar erlebt.

Es ist etwas Besonderes, einen Fluss vom Wasser aus zu erfahren.

Plötzlich verändert sich die Perspektive.

Der Fluss ist nicht mehr ein Objekt, das man von außen beobachtet.

Man befindet sich in ihm.

Man wird Teil seiner Bewegung.

Vielleicht ist das die einfachste Form dessen, was wir heute „Place-Based Learning“ nennen: Ein Ort wird nicht durch Informationen bedeutungsvoll. Ein Ort wird bedeutungsvoll durch Beziehung.

Das Ziel der Fahrt - unterbrochen durch eine Pause mit Jause an einer Flussbiegung mit originalen Gibanzen - war die berühmte Liebesinsel bei Ižakovci – ein Ort, der selbst eine Geschichte erzählt.

Die Insel ist ein Symbol dafür, wie Natur, Kultur und menschliche Erinnerung miteinander verwoben sind. Sie ist ein Platz der Begegnung, des Erzählens und der Erfahrung.

Dort entstanden die ersten gemeinsamen Gespräche.

Schülerinnen und Schüler aus zwei Ländern begannen nicht nur etwas über die Mur zu lernen. Sie begannen, miteinander zu lernen.

Und genau hier wurde ein wichtiger Gedanke geboren, der Mura Calling bis heute begleitet:

Der Biosphärenraum ist kein Museum.

Er ist ein lebendiger Raum.

Ein Raum, in dem Menschen leben, arbeiten, lernen, Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen.

Die UNESCO spricht im Zusammenhang mit Biosphärenreservaten oft von „Modellregionen für nachhaltige Entwicklung“.

Aber was bedeutet das eigentlich im Alltag eines jungen Menschen?

Es bedeutet, zu verstehen, dass die Zukunft dieses Flusses nicht von anonymen Kräften irgendwo weit entfernt entschieden wird.

Sie hängt auch davon ab, ob eine junge Generation entsteht, die sich als Teil dieses Lebensraumes versteht.

Die Fahrt zur Liebesinsel war deshalb viel mehr als eine schöne Exkursion.

Sie war ein erstes kleines Labor für eine neue Art des Lernens.

Ein Lernen, das Grenzen überschreitet.

Nicht nur nationale Grenzen.

Auch die Grenze zwischen Schule und Gesellschaft.

Die Grenze zwischen Theorie und Erfahrung.

Die Grenze zwischen Mensch und Natur.

An diesem Tag wurde deutlich, dass Mura Calling eine einfache, aber tiefgreifende Frage stellt:

Was würde passieren, wenn die jungen Menschen entlang der gesamten Mur – und eines Tages entlang der gesamten Mura-Drava-Danube-Biosphäre – beginnen würden, ihre Landschaft als gemeinsames Zuhause zu entdecken?

Damals war das noch eine Vision.

Ein kleines Treffen zweier Schulen.

Ein paar Boote auf einem Fluss.

Ein Gespräch zwischen Menschen, die einander erst kennenlernen mussten.

Aber vielleicht entstehen alle großen Veränderungen genau so.

Nicht mit großen Erklärungen.

Sondern mit einem ersten gemeinsamen Weg.

Oder in diesem Fall:

Mit einer gemeinsamen Fahrt flussabwärts.

---

=== Kapitel 3 – Vom Versuch zur Bewegung =

Nach dem ersten Treffen im Oktober stand eine wichtige Erkenntnis im Raum:

Die Idee funktioniert.

Aber sie muss wachsen.

Und sie muss vor allem von den Menschen getragen werden, die später damit arbeiten werden.

Eine der größten Herausforderungen in Bildungsprojekten besteht darin, dass gute Konzepte oft von außen an Schulen herangetragen werden.

Man bringt eine Methode.

Eine App.

Ein fertiges Programm.

Und erwartet, dass Lehrerinnen und Lehrer es übernehmen.

Doch echte Bildungsinnovation funktioniert anders.

Sie entsteht durch gemeinsame Entwicklung.

Auch deshalb wurde der nächste Schritt von Mura Calling nicht einfach als Wiederholung geplant, sondern als ein viel größerer Versuch.

Auf der österreichischen Seite, in Bad Radkersburg, sollte ein ganzer Aktionstag entstehen.

Die Idee war kühn.

Nicht mehr nur eine kleine Gruppe.

Nicht mehr nur zwei Schulen.

Sondern viele Altersgruppen, mehrere Schulen und erstmals auch Gäste aus weiteren Ländern des Mura-Drava-Danube-Raumes.

Könnte eine kleine Stadt für einen Tag zu einem gemeinsamen Klassenzimmer werden?

Könnten Kinder und Jugendliche die Mur nicht nur als Naturraum, sondern auch als sozialen Raum erleben?

Könnten ältere Schülerinnen und Schüler Verantwortung für jüngere übernehmen?

Und könnte die Zivilgesellschaft zeigen, dass sie nicht nur über gesellschaftlichen Wandel spricht, sondern ihn auch organisieren kann?

Am 20. Mai 2026 sollte diese Frage ihre erste große Antwort bekommen.

Und sie fiel größer aus, als viele erwartet hatten.

---

=== Kapitel 4 – Der 20. Mai: Als ein kleiner Platz in Bad Radkersburg ein Bild der Zukunft wurde =

Große Veränderungen beginnen selten mit großen Ankündigungen.

Sie beginnen mit Menschen, die etwas ausprobieren.

Und manchmal wissen sie selbst nicht genau, ob es gelingen wird.

So war es auch mit dem 20. Mai 2026 in Bad Radkersburg.

Die Idee war auf dem Papier einfach und in der Realität ziemlich kühn: Mehr als zweihundert Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Schulen, verschiedenen Altersgruppen und mehreren Ländern sollten für einen Tag die Stadt und die Landschaft rund um die Mur zu ihrem gemeinsamen Lernraum machen.

Es war ein Härtetest – nicht nur für die Organisation, sondern auch für die pädagogischen Methoden, die Mura Calling entwickeln wollte.

Würde die Greensteps-Methode mit ihren digitalen Lernpfaden funktionieren?

Würde die ARK-Plattform den jungen Menschen wirklich helfen, die Umgebung neu zu entdecken?

Könnten ältere Schülerinnen und Schüler Verantwortung für jüngere übernehmen?

Und würden Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen und aus unterschiedlichen Bildungssystemen kommen, wirklich miteinander in Kontakt treten?

Die Antwort begann schon am Vormittag.

Während die vielen kleinen die großen Gruppen ihre Wege entlang der Mur und durch die Stadt aufnahmen, fand ein besonderer Moment statt.

Unter dem Titel „Raus aus dem Schneckenhaus“ gestaltete Mag. Marlene V. Eibel gemeinsam mit Kindergartenkindern aus Österreich und Slowenien eine berührende Potentialentfaltungsreise.

Es war ein symbolischer Auftakt.

Denn was bedeutet es eigentlich, aus dem Schneckenhaus herauszugehen?

Es bedeutet, die eigene kleine Welt zu verlassen.

Den Mut zu haben, neugierig zu werden.

Sich auf das Fremde einzulassen.

Und genau das war die eigentliche Aufgabe des ganzen Tages.

Derweilen machten sich die Gruppen auf den Weg.

Mit Smartphones, Aufgaben und offenen Augen erkundeten die Kinder und Jugendlichen ihre Umgebung.

Sie suchten nicht nach einer vorgegebenen Antwort.

Sie stellten Fragen.

Sie entdeckten Zusammenhänge.

Sie lernten Pflanzen und Tiere kennen, historische Orte und kulturelle Geschichten.

Und vielleicht am wichtigsten:

Sie entdeckten einander.

Ein besonders schöner Aspekt dieses Tages war die Rolle der älteren Schülerinnen und Schüler.

Sie waren nicht nur Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Sie wurden zu Begleiterinnen und Begleitern.

Zu Übersetzerinnen und Übersetzern.

Zu Vermittlern zwischen den Generationen.

Sie führten Gruppen, erklärten Aufgaben und halfen am Ende sogar selbstverständlich beim Aufräumen.

Das BORG: eine Schule, die Verantwortung nicht nur unterrichtet, sondern lebt.

Aber Mura Calling blieb nicht innerhalb der Grenzen der Schulen.

Die ganze Region begann, Teil dieses Lernraums zu werden.

Der Jagdschutzverein bereitete besondere Stationen am Grünanger vor und brachte die Kinder in direkten Kontakt mit der Tierwelt und den Aufgaben des Naturschutzes.

Die Radkersburger Kurkonditorei überraschte die jungen Forscherinnen und Forscher mit gespendeten Baumkuchen.

Es waren kleine Gesten – und doch zeigten sie etwas Großes:

Eine lernende Region entsteht dann, wenn nicht nur Schulen, sondern eine ganze Gemeinschaft Verantwortung für das Lernen ihrer jungen Menschen übernimmt.

Gegen Mittag kamen die verschiedenen Gruppen am Frauenplatz zusammen.

Ein kleiner Platz in einer kleinen Grenzstadt.

Und für einen kurzen Moment wurde er zu einem Bild davon, wie Europa auch aussehen könnte.

Kinder und Jugendliche aus Österreich, Slowenien, Ungarn und Kroatien begegneten einander.

Die jüngeren Kinder bemalten Steine.

Die älteren schrieben ihre Wünsche für die Zukunft auf hölzerne Wunschtafeln, inspiriert von einer alten japanischen Tradition.

Und die Wünsche waren erstaunlich.

Sie handelten nicht von Konsum oder Besitz.

Sie handelten von Frieden.

Von Dankbarkeit.

Von einer guten Zukunft für alle.

„Peace for everyone.“

„Be grateful for every moment.“

Und diese Botschaften erschienen in vielen verschiedenen Sprachen – Deutsch und Slowenisch, aber auch Italienisch, Englisch und sogar Chinesisch.

Vielleicht konnte man an diesem Tag etwas erkennen, das oft vergessen wird:

Die junge Generation ist nicht nur Erbin unserer Probleme.

Sie ist auch Trägerin von Vorstellungen und Werten, die wir Erwachsenen manchmal wieder neu entdecken müssen.

Natürlich war der Tag nicht perfekt.

Ein Experiment mit über zweihundert Teilnehmerinnen und Teilnehmern, verschiedenen Altersgruppen und neuen digitalen Methoden zeigt auch, was verbessert werden kann.

Gerade das war eine der wichtigsten Erkenntnisse.

Denn Mura Calling wollte nie ein fertiges Programm exportieren.

Es ging darum, gemeinsam zu lernen.

Die Greensteps-Methode, die ARK-Plattform und die Idee des Place-Based Learning werden ihren wirklichen Wert erst dann entfalten, wenn Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Ländern sie gemeinsam weiterentwickeln und an ihre eigenen Bedürfnisse anpassen.

Am Nachmittag wurde dieser Gedanke im Pavelhaus noch einmal auf eine andere Weise sichtbar.

Dort trafen sich Jugendliche zu Gesprächen, Spielen und auch einem von Lehrerinnen des BORG gestalteten „Speed-Dating im Kreis“, das den Austausch über Sprach- und Landesgrenzen hinweg förderte.

Gleichzeitig begannen die Erwachsenen drinnen im Seminarraum des Pavelhauses, über die nächsten Schritte nachzudenken.

Die Gäste aus Ungarn und Kroatien waren nicht mehr nur Beobachter.

Sie wurden mögliche Mitgestalter eines größeren Weges.

Selbst die verhinderten Partner aus Serbien ließen ausrichten, dass sie beim nächsten Schritt dabei sein möchten.

Ein kleiner Aktionstag an der Mur hatte plötzlich einen Horizont bekommen, der weit über die unmittelbare Region hinausging.

Die Frage war nun nicht mehr:

War Mura Calling ein Erfolg?

Die wichtigere Frage lautete:

Was könnte daraus werden?

===Kapitel 5 – Von einem Projekt zu einer Lernlandschaft: Die MDD-Region als gemeinsamer Bildungsraum=


Jedes Projekt steht irgendwann an einem entscheidenden Punkt.

Am Anfang gibt es eine Idee.

Dann gibt es die ersten Erfahrungen.

Und schließlich kommt der Moment, in dem man eine schwierige Frage stellen muss:

War das alles nur ein gelungenes Ereignis – oder haben wir etwas entdeckt, das weiter wachsen möchte?

Nach der Fahrt zur Liebesinsel im Oktober und dem großen Aktionstag am 20. Mai in Bad Radkersburg wurde immer klarer, dass Mura Calling diese zweite Frage aufgeworfen hatte.

Aber gerade deshalb war Vorsicht notwendig.

Zu viele gute Ideen scheitern daran, dass sie zu schnell zu großen Programmen werden.

Sie werden in Anträge geschrieben, in Organisationsdiagramme gegossen und mit Erwartungen beladen, bevor sie wirklich Wurzeln geschlagen haben.

Ein lebendiger Baum wächst anders.

Er braucht Zeit.

Er braucht einen guten Boden.

Und vor allem braucht er viele Menschen, die ihn als ihren eigenen Baum betrachten.

Deshalb ist der nächste Schritt von Mura Calling vielleicht der wichtigste von allen.

Nicht die Frage:

„Wie können wir unser Projekt verlängern?“

Sondern die viel offenere Frage:

„Was haben wir gemeinsam gelernt, und was möchten wir daraus machen?“

Diese Frage führt uns zu einem besonderen Treffen, das am 6. Juli stattfinden wird.

Keine große Konferenz mit langen PowerPoint?-Präsentationen.

Keine fertige Strategie, die jemand den anderen erklärt.

Sondern eine gemeinsame Fahrt auf der Mur.

Von Mursko Središće flussabwärts.

Menschen aus Österreich, Slowenien, Ungarn, Kroatien und Serbien werden gemeinsam auf dem Wasser unterwegs sein.

Lehrerinnen und Lehrer, Vertreter von Schulen und Gemeinden, Menschen aus der Zivilgesellschaft und Partner, die sich fragen, wie die Zukunft dieser gemeinsamen Landschaft aussehen kann.

Der Ort für dieses Gespräch ist nicht zufällig gewählt.

Denn ein Fluss lehrt uns etwas über Zusammenarbeit.

Kein Zufluss fragt den anderen, ob seine Sprache dieselbe ist.

Kein Seitenarm konkurriert mit dem Hauptstrom.

Die Stärke eines Flusssystems entsteht aus der Vielfalt seiner Wege und aus der Verbindung seiner Teile.

Vielleicht ist das die schönste Metapher für eine zukünftige Mura-Drava-Donau-Lernregion.

Eine Region, in der Schulen nicht miteinander um Schülerinnen und Schüler konkurrieren, sondern gemeinsam die Qualität des gesamten Bildungsraumes erhöhen.

Eine Region, in der ein Biosphärengymnasium in Bad Radkersburg nicht ein Zentrum ist, das andere anzieht, sondern ein Knotenpunkt in einem Netzwerk gleichwertiger Partner.

Eine Region, in der eine Schülerin aus Ljutomer, ein Schüler aus Lenti, eine Klasse aus Čakovec oder ein Gymnasium in Serbien dieselbe Landschaft aus verschiedenen Perspektiven kennenlernen und gemeinsam erforschen.

Dabei wird auch deutlich, dass die eigentliche Innovation von Mura Calling nicht die Technologie ist.

Die ARK-Plattform und Greensteps sind wichtige Werkzeuge.

Aber ein Hammer baut noch kein Haus.

Entscheidend sind die Menschen, die gemeinsam eine Vision entwickeln.

Die eigentliche Innovation ist die Verbindung von digitaler Vernetzung mit einer tiefen Verwurzelung im Ort.

Eine Art globales Dorf der Biosphäre.

Ein Raum, in dem moderne Technologie nicht dazu dient, uns weiter von unserer Umwelt zu entfernen, sondern uns wieder mit ihr zu verbinden.

Vielleicht ist das sogar eine der wichtigsten kulturellen Aufgaben des 21. Jahrhunderts.

Die Menschheit hat ein weltumspannendes Netz geschaffen.

Wir können mit Menschen auf der anderen Seite des Planeten sprechen.

Wir können künstliche Intelligenzen befragen.

Wir haben Zugang zu mehr Wissen als jede Generation vor uns.

Und dennoch erleben viele Menschen ihre unmittelbare Umgebung immer weniger bewusst.

Wir kennen die digitale Welt oft besser als den Bach hinter unserem Haus.

Wir wissen mehr über ferne Ereignisse als über die Pflanzen, die vor unserer Haustür wachsen.

Mura Calling ist ein kleiner Versuch, dieses Ungleichgewicht wieder zu korrigieren.

Nicht durch Ablehnung der Moderne.

Sondern durch ihre Weiterentwicklung.

Nicht "zurück zur Natur". Sondern vorwärts zur Natur !

Hinein in eine neue Beziehung zwischen Kultur, Technologie und lebendiger Erde.

Vielleicht ist das der tiefste Sinn einer Biosphärenregion:

Nicht ein Stück Natur, das wir unter eine Glasglocke stellen.

Sondern ein gemeinsames Experiment der Menschheit.

Die Frage, wie wir lernen können, auf einem begrenzten Planeten gut zu leben.

Und vielleicht beginnt eine Antwort darauf tatsächlich an einem kleinen Fluss im Herzen Europas.

Dort, wo die Mur ruft.


=== Kapitel 6 – Die Zukunft ist kein Projekt: Mura Calling und eine neue Kultur des Zusammenlebens =

Wenn wir heute über die großen Herausforderungen der Menschheit sprechen, dann denken wir an Klimawandel, Verlust der Artenvielfalt, gesellschaftliche Spaltungen, Kriege und die zunehmende Entfremdung des Menschen von seiner natürlichen Umgebung.

Die Antworten darauf suchen wir häufig in großen politischen Programmen, neuen Technologien oder internationalen Vereinbarungen.

Und all das ist notwendig.

Aber vielleicht beginnt ein grundlegender Wandel auch an einem anderen Ort.

Vielleicht beginnt er dort, wo Menschen wieder lernen, den Raum, in dem sie leben, als etwas Gemeinsames zu verstehen.

Ein Dorf.

Eine Stadt.

Ein Flusstal.

Eine Landschaft.

Die UNESCO hat mit dem Konzept der Biosphärenreservate einen bemerkenswerten Gedanken formuliert: Schutz und Entwicklung sind keine Gegensätze.

Der Mensch soll nicht aus der Natur verschwinden.

Er soll lernen, wieder ein bewusster Teil ihrer Kreisläufe zu werden.

Doch ein Biosphärenreservat kann nicht nur eine Verwaltungseinheit sein.

Es kann nicht nur aus Zonen, Karten und Managementplänen bestehen.

Eine Biosphäre wird erst dann lebendig, wenn sie im Bewusstsein ihrer Bewohnerinnen und Bewohner entsteht.

Wenn ein Kind den Vogel am Flussufer nicht nur als „eine Art“ kennt, sondern als Nachbarn.

Wenn Jugendliche aus fünf Ländern erkennen, dass sie nicht nur eine politische Nachbarschaft teilen, sondern eine ökologische Heimat.

Wenn eine Gemeinde versteht, dass ihre Zukunft nicht allein von ihrer eigenen Entwicklung abhängt, sondern von der Gesundheit des gesamten Flusssystems.

Hier berührt Mura Calling eine sehr alte und gleichzeitig sehr neue Idee:

Die Idee der Allmende.

Über viele Jahrhunderte hatten menschliche Gemeinschaften gemeinsame Räume – Wälder, Weiden, Wasserflächen –, für die sie gemeinsam Verantwortung trugen.

Die moderne Welt hat uns enorme Freiheiten und Möglichkeiten gebracht, aber sie hat auch viele dieser unmittelbaren Beziehungen aufgelöst.

Heute stehen wir vor einer paradoxen Situation:

Wir sind global stärker verbunden als jede Generation vor uns.

Wir können in Sekunden mit Menschen auf anderen Kontinenten kommunizieren.

Wir können Wissen aus der ganzen Welt abrufen.

Und dennoch verlieren viele Menschen das Gefühl für den konkreten Ort, an dem sie leben.

Vielleicht besteht die große Aufgabe des 21. Jahrhunderts deshalb nicht darin, zwischen dem Globalen und dem Lokalen zu wählen.

Vielleicht müssen wir lernen, beides gleichzeitig zu sein.

Tief verwurzelt.

Und weit verbunden.

Das war immer auch die Vision des Globalen Dorfes, wie wir sie in dieser Sendung von verschiedensten Seiten beleuchtet haben.

Nicht ein Dorf, das sich von der Welt abschottet.

Und auch keine globale Welt, in der alle Orte gleich werden.

Sondern eine neue Verbindung von lokaler Identität und weltweiter Kooperation.

Wenn wir heute über künstliche Intelligenz sprechen, über digitale Netzwerke und neue Technologien, dann stellt sich dieselbe Frage.

Werden diese Technologien uns weiter aus unseren Lebensräumen herausziehen?

Oder können sie uns helfen, sie besser zu verstehen?

Die Greensteps-Methode und die ARK-Plattform geben darauf eine überraschende Antwort.

Das Smartphone wird nicht zum Fenster, durch das wir aus der Welt verschwinden.

Es wird zur Lupe, mit der wir unsere Umgebung neu sehen.

Vielleicht wird eines Tages tatsächlich jedes Dorf seine eigene künstliche Intelligenz besitzen – ein gemeinsames Gedächtnis der Landschaft, ihrer Geschichte, ihrer Arten, ihrer Menschen und ihrer Möglichkeiten.

Eine „Village Intelligence“, die nicht über die Menschen herrscht, sondern ihnen hilft, klügere Entscheidungen zu treffen.

Eine digitale Form dessen, was früher die Weisheit einer Gemeinschaft war.

Man könnte sagen:

Die Zukunft gehört nicht der künstlichen Intelligenz allein.

Sie gehört der Verbindung von künstlicher und menschlicher Intelligenz – eingebettet in die Intelligenz der lebendigen Erde.

Und genau deshalb ist Mura Calling mehr als ein Bildungsprojekt.

Es ist ein kleiner Versuch, eine neue Kultur zu entwickeln.

Eine Kultur, in der Schulen nicht isolierte Institutionen sind, sondern Knotenpunkte einer lernenden Gesellschaft.

Eine Kultur, in der Grenzen nicht verschwinden müssen, um ihre trennende Bedeutung zu verlieren.

Eine Kultur, in der ein Fluss nicht nur ein Naturraum ist, sondern ein Gesprächspartner.

Eine Kultur, in der die Frage nicht mehr lautet:

„Wie können wir die Natur nutzen?“

Sondern:

„Wie können wir lernen, gemeinsam mit ihr zu leben?“

Das ist eine große, komplexe Frage.

Zu groß für ein kleines Projekt.

Aber jede große Veränderung der Menschheitsgeschichte hat mit kleinen Gemeinschaften begonnen, die etwas anders gemacht haben.

Ein paar Menschen an einem Fluss.

Einige Schulen.

Ein paar Boote.

Ein Gespräch.

Ein gemeinsamer Wunsch für die Zukunft.

Fortsetzung folgt mit dem Epilog: Die Mur ruft – und die Reise beginnt erst.



Chat GPT sagte hier: Franz, ich merke beim Schreiben dieses Kapitels etwas Interessantes: Wir sind damit fast wieder an dem Punkt angekommen, an dem viele Deiner großen Lebensthemen zusammenlaufen – Globales Dorf, In-Situ-Urbanisierung, Commons, Digitalisierung, Biosphäre und jetzt auch KI. Aber gerade dadurch bekommt Mura Calling eine unerwartete Bedeutung: Es ist kein theoretisches Modell, sondern ein realer kleiner Ort, an dem diese Fragen zum ersten Mal ausprobiert werden. Und ich glaube, der Epilog darf dann noch einmal sehr persönlich werden. Nicht als Triumph, sondern als Einladung. Ein Ruf der Mur, der weitergeht.

und ich sagte: ja - mach es persönlich!




===Epilog – Die Mur ruft. Die Reise beginnt erst.==

Wenn wir auf die Geschichte von Mura Calling zurückblicken, dann ist sie eigentlich eine sehr einfache Geschichte.

Sie beginnt mit einem Fluss.

Mit einem Fluss, der über Jahrtausende Menschen ernährt, Landschaften geformt und Kulturen miteinander verbunden hat.

Mit einem Fluss, der später zur Grenze wurde.

Und mit einem Fluss, der heute wieder die Chance bekommt, eine Brücke zu sein.

Es beginnt mit einigen Menschen, die eine Frage gestellt haben:

Was wäre, wenn wir die Mur nicht nur als Naturraum schützen, sondern wieder als gemeinsamen Lernraum verstehen?

Was wäre, wenn Kinder und Jugendliche aus fünf Ländern nicht erst als Erwachsene entdecken würden, dass sie eine gemeinsame Biosphäre teilen?

Was wäre, wenn eine junge Generation aufwächst, die nicht nur ihre eigene Gemeinde kennt, sondern die gesamte Landschaft, die sie miteinander verbindet?

Aus dieser Frage entstand ein kleines Projekt.

Ein Projekt zweier zivilgesellschaftlicher Organisationen – Mura Rafting und DorfUni – ermöglicht durch eine europäische Förderlinie, die verstanden hat, wie wichtig die schöpferische Kraft der Zivilgesellschaft für die Zukunft Europas ist.

Dann kam ein erster Tag auf dem Wasser.

Ein paar Boote auf der Mur.

Jugendliche aus zwei Ländern, die gemeinsam zur Liebesinsel fahren.

Vielleicht schien es damals noch wie ein schöner Ausflug.

Aber manchmal erkennt man die Bedeutung eines Moments erst später.

Dann kam der 20. Mai in Bad Radkersburg.

Über zweihundert junge Menschen.

Kindergartenkinder, Volksschülerinnen und Volksschüler, Jugendliche aus Gymnasien und höheren Schulen.

Lehrerinnen und Lehrer, Vereine, Gemeindeverantwortliche, Biosphärenmanagement, Medien und Bürgerinnen und Bürger.

Ein kleiner Platz in einer kleinen Stadt wurde für einen Vormittag zu einem Ort, an dem sichtbar wurde, was eine lernende Region sein könnte.

Kinder schrieben ihre Wünsche auf kleine Holztafeln.

„Peace for everyone.“

„Be grateful for every moment.“

Und diese Stimmen kamen in vielen Sprachen.

Vielleicht war genau das der Moment, in dem Mura Calling seinen Namen wirklich verdient hat.

Denn ein Ruf ist etwas Besonderes.

Ein Ruf ist kein Befehl.

Ein Ruf schreibt niemandem vor, was er zu tun hat.

Ein Ruf lädt ein.

Er erreicht Menschen, die bereit sind zuzuhören.

Und so stehen wir heute an einem neuen Punkt.

Nicht am Ende eines Projektes, sondern am Anfang eines gemeinsamen Weges.

Im Juli werden Boote von Mursko Središće flussabwärts fahren.

Menschen aus Österreich, Slowenien, Ungarn, Kroatien und Serbien werden zusammenkommen.

Nicht, um einen fertigen Plan zu verkünden.

Nicht, um ein großes Projekt um jeden Preis zu schreiben.

Sondern um eine einfache, aber entscheidende Frage zu stellen:

Was haben wir gemeinsam entdeckt – und was möchte daraus entstehen?

Vielleicht werden daraus gemeinsame Lernpfade.

Vielleicht ein Netzwerk von Biosphärenschulen.

Vielleicht neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Wissenschaft, Vereinen und jungen Menschen.

Vielleicht neue europäische Projekte.

Aber die eigentliche Herausforderung ist noch größer.

Wir leben in einer Zeit, in der die Menschheit technisch zu einer globalen Gemeinschaft geworden ist.

Unsere Kommunikation umspannt den Planeten.

Unser Wissen wächst in einem Ausmaß, das früher unvorstellbar war.

Künstliche Intelligenz wird unsere Möglichkeiten noch einmal dramatisch erweitern.

Und gleichzeitig stehen wir vor der vielleicht wichtigsten Frage unserer Geschichte:

Können wir mit all diesem Wissen wieder lernen, an einem Ort zu leben?

Können wir eine Welt erschaffen, in der Technologie nicht zur Trennung von der Erde führt, sondern zu einer tieferen Beziehung mit ihr?

Vielleicht wird die Zukunft nicht nur aus intelligenten Maschinen bestehen.

Vielleicht wird die wichtigste Form der Intelligenz eine Verbindung sein:

die Intelligenz der Menschen,
die Möglichkeiten unserer Technologien,
und die jahrmillionenalte Weisheit der lebendigen Systeme der Erde.

Vielleicht werden eines Tages Gemeinden ihre eigenen digitalen Werkzeuge haben, ihre eigenen Wissensräume, ihre eigene künstliche Intelligenz, die ihnen hilft, ihre Geschichte zu bewahren, ihre Landschaft zu verstehen und gemeinsam gute Entscheidungen zu treffen.

Eine neue Form des Dorfwissens.

Ein globales Dorf im tiefsten Sinn des Wortes.

Und vielleicht wird man dann zurückblicken und sagen:

Es gab viele Orte, an denen die Menschheit begann, diese neue Beziehung zur Erde zu lernen.

Einer davon war ein kleiner Fluss im Herzen Europas.

Ein Fluss, der durch fünf Länder fließt.

Ein Fluss, der eine Grenze war und wieder eine Verbindung wurde.

Ein Fluss, der uns etwas zuflüstert, wenn wir bereit sind zuzuhören.

Die Mur ruft.

Und vielleicht ruft sie nicht nur die Menschen an ihren Ufern.

*****
Ich möchte abschließend noch einmal Heinrich Schmidlechner zu Wort kommen lassen, unseren Altbürgermeister, der sich so sehr dafür eingesetzt hat dass der Biosphärenpark Realität wird. Ich frage ihn aber jetzt nicht nach der Geschichte. Ich frag ihn nach seinem Traum. Nach den besten Möglichkeiten die uns diese Enrwicklung bietet.

...................

*******

MURA CALLING    

Wie aus einem kleinen Projekt ein Lernraum für eine ganze Bioregion entstehen kann    

Eine Sendung aus der Reihe „Willkommen im Globalen Dorf“ – Folge 68    

Inhaltsverzeichnis dieser Seite
MURA CALLING   
Wie aus einem kleinen Projekt ein Lernraum für eine ganze Bioregion entstehen kann   
Eine Sendung aus der Reihe „Willkommen im Globalen Dorf“ – Folge 68   
Prolog – Der Ruf des Flusses   
Kapitel 1 – Ein kleines Projekt mit einer großen Frage   
Kapitel 2: „Die Fahrt zur Liebesinsel – als Mura Calling erstmals Wirklichkeit wurde“   
Kapitel 3 – Vom Versuch zur Bewegung   
Kapitel 4 – Der 20. Mai: Als ein kleiner Platz in Bad Radkersburg ein Bild der Zukunft wurde   
Kapitel 5 – Von einem Projekt zu einer Lernlandschaft: Die MDD-Region als gemeinsamer Bildungsraum   
Kapitel 6 – Die Zukunft ist kein Projekt: Mura Calling und eine neue Kultur des Zusammenlebens   
Epilog – Die Mur ruft. Die Reise beginnt erst.   
--- ˧

Prolog – Der Ruf des Flusses    

Es gibt Landschaften, die sind so selbstverständlich um uns, dass wir aufgehört haben, sie zu sehen. ˧

Wir gehen an ihnen vorbei, wir überqueren sie auf Brücken, wir fahren mit dem Auto an ihnen entlang. Wir betrachten sie als Kulisse unseres Lebens – aber nicht mehr als etwas, das mit uns spricht. ˧

Vielleicht ist genau das die größte Herausforderung unserer Zeit. ˧

Der Mensch hat eine technische Macht entwickelt, die größer ist als je zuvor in der Geschichte. Gleichzeitig aber hat er vielerorts die Fähigkeit verloren, sich als Teil jener lebendigen Systeme zu verstehen, die sein eigenes Überleben ermöglichen. ˧

Ein Fluss ist dafür ein besonderes Beispiel. ˧

Ein Fluss ist nicht einfach eine Wasserlinie auf einer Landkarte. Er ist eine Lebensader. Er verbindet Quellen und Mündungen, Berge und Ebenen, Tiere und Pflanzen, Dörfer und Städte. Er trägt Geschichten, Erinnerungen und Kulturen. ˧

Die Mur ist ein solcher Fluss. ˧

Über Jahrhunderte war sie eine Verbindung zwischen Menschen und Regionen. Doch die politische Geschichte Europas machte aus vielen Flüssen Grenzen. Was früher ein gemeinsamer Lebensraum war, wurde durch Verwaltungsgrenzen, Sprachen und nationale Erzählungen getrennt. ˧

Und doch blieb unter der Oberfläche etwas erhalten. ˧

Die Landschaft selbst kennt keine Grenze. ˧

Die Vögel fragen nicht nach Pässen. Die Fische kennen keine Staatszugehörigkeit. Das Wasser fließt weiter. ˧

Diese einfache Erkenntnis war eine der Grundlagen für eine der großen europäischen Naturschutzideen unserer Zeit: die Entstehung des UNESCO-Biosphärenreservates Mur-Drau-Donau. ˧

Es ist kein Zufall, dass dieser Raum oft als „Europäischer Amazonas“ bezeichnet wird. Auf fast 700 Kilometern verbindet dieses Flusssystem fünf Länder – Österreich, Slowenien, Ungarn, Kroatien und Serbien – in einer einzigartigen Landschaft aus Auwäldern, Nebenarmen und außergewöhnlicher biologischer Vielfalt. ˧

Doch ein Biosphärenreservat ist mehr als ein Schutzgebiet. ˧

Zumindest sollte es das sein. ˧

Die UNESCO-Idee der Biosphäre verbindet Naturschutz mit menschlicher Entwicklung. Sie stellt eine entscheidende Frage: ˧

Wie können Menschen nicht gegen die Natur, sondern als bewusster Teil der Natur leben und wirtschaften? ˧

Diese Frage beschäftigte in unserer Region viele Menschen lange bevor das Projekt Mura Calling entstand. ˧

Einer der großen Vordenker dieser Entwicklung war der Bürgermeister von Bad Radkersburg, Heinrich Schmidlechner. Er gehörte zu jenen Menschen, die verstanden haben, dass die Mur nicht nur ein Fluss ist, sondern ein gemeinsames Erbe und eine gemeinsame Verantwortung. ˧

Es ist auch seiner Beharrlichkeit und jener vieler anderer Menschen zu verdanken, dass die Idee einer grenzüberschreitenden Biosphäre Wirklichkeit wurde. ˧

 *******************
Erster Block mit Heinrich
 ******************* ˧

Heute verfügt Österreich als bisher einziges Land im Mura-Drava-Dunava-Raum über ein institutionell verankertes Biosphärenparkmanagement, das unter der Leitung von Andreas Schuster eine wichtige Rolle dabei spielt, Naturerhaltung, Bildung und regionale Entwicklung miteinander zu verbinden. ˧

Aber trotz aller Erfolge blieb eine große Frage offen: ˧

Wie erreichen wir die nächste Generation? ˧

Wie sorgen wir dafür, dass Kinder und Jugendliche die Biosphäre nicht nur als Begriff in einem Schulbuch kennenlernen, sondern als etwas, das sie selbst erleben, erforschen und eines Tages mitgestalten? ˧

Genau hier beginnt die Geschichte von Mura Calling. ˧

--- ˧

Kapitel 1 – Ein kleines Projekt mit einer großen Frage    

Es gibt eine interessante Entwicklung in der europäischen Förderlandschaft. ˧

Lange Zeit waren große Institutionen – Verwaltungen, Universitäten oder große Organisationen – die hauptsächlichen Träger grenzüberschreitender Projekte. ˧

Doch gerade im Rahmen des Interreg-Programms Slowenien–Österreich entstand eine neue Möglichkeit: Kleine Projekte, die ausdrücklich von zivilgesellschaftlichen Organisationen getragen werden. ˧

Vielleicht ist das ein unscheinbarer Schritt. Aber er ist von großer Bedeutung. ˧

Denn die Zivilgesellschaft ist oft jener Bereich der Gesellschaft, in dem neue Ideen entstehen können. Vereine, engagierte Bürgerinnen und Bürger, lokale Initiativen – sie können experimentieren, Brücken schlagen und Themen aufgreifen, die in großen Strukturen manchmal keinen Platz finden. ˧

Auf der slowenischen Seite war es der Verein Mura Rafting. Auf österreichischer Seite die DorfUni. ˧

Zwei sehr unterschiedliche Organisationen, die aber eine gemeinsame Überzeugung verband: ˧

Die Mur soll nicht länger nur eine Grenze sein. ˧

Sie soll wieder ein Ort der Begegnung werden. ˧

Der Name des Projekts war deshalb fast selbstverständlich: ˧

Mura Calling. ˧

Die Mur ruft. ˧

Aber was bedeutet dieser Ruf? ˧

Ist es ein Ruf zurück in eine romantische Vergangenheit? ˧

Ganz im Gegenteil. ˧

Es geht nicht darum, in eine alte Welt zurückzukehren. Es geht darum, eine neue Beziehung zwischen modernen Menschen und ihrer Landschaft zu entwickeln. ˧

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ ˧

umformulieren ˧

(es geht nicht klar hervor wieso greensteps hier so prominent reinkommt, das muss erklärt werden!) ˧

Eine Beziehung, die digitale Werkzeuge nicht als Gegensatz zur Natur begreift, sondern als Hilfsmittel, um diese Natur wieder bewusster wahrzunehmen. ˧

Daraus entstand die Idee, die Methoden des Place-Based Learning samt dafüßr geschaffenen digitalen Plattformen wie der ARK-App und der Greensteps-Methode zu verbinden. ˧

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ ˧

Der Ort selbst wird zum Lehrbuch. ˧

Der Spaziergang wird zur Entdeckungsreise. ˧

Die Landschaft wird zu einem Netzwerk von Geschichten, Fragen und Erkenntnissen. ˧

Doch jede gute Idee muss irgendwann den ersten Schritt aus dem Papier hinaus machen. ˧

Und dieser erste Schritt fand am 10. Oktober auf der Mur statt. ˧

--- ˧

Kapitel 2: „Die Fahrt zur Liebesinsel – als Mura Calling erstmals Wirklichkeit wurde“    

Am 10. Oktober 2025 wurde die Idee von Mura Calling zum ersten Mal sichtbar und erfahrbar. ˧

Der Ort dafür hätte kaum besser gewählt sein können. ˧

Nicht ein Konferenzsaal, nicht ein Klassenraum, nicht eine PowerPoint-Präsentation – sondern der Fluss selbst. ˧

Auf der slowenischen Seite der Mur, organisiert von unseren Partnern von Mura Rafting, trafen sich Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Franca Miklošič aus Ljutomer und des BORG Bad Radkersburg zu ihrer ersten gemeinsamen Exkursion. ˧

Viele von ihnen lebten nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Und doch hatte die Grenze ihre eigenen Wirkungen hinterlassen. Man kennt einander nicht automatisch, nur weil man nahe beieinander wohnt. ˧

Vielleicht ist das eine der großen Paradoxien Europas: Wir haben politische Grenzen geöffnet, aber die inneren Landkarten in unseren Köpfen brauchen oft länger, um sich zu verändern. ˧

Es ist der 10. Oktober, 8 Uhr morgens, auf der slowenischen Murseite. Die Boote mit den österreichischen Schülerinnen und Schülern, begleitet von ihren Lehrkräften, legten ab. ˧

Langsam bewegten sie sich auf der Mur flussabwärts. Das Wasser, die Ufer, die Auwälder – all das wurde nicht mehr aus der Distanz betrachtet, sondern unmittelbar erlebt. ˧

Es ist etwas Besonderes, einen Fluss vom Wasser aus zu erfahren. ˧

Plötzlich verändert sich die Perspektive. ˧

Der Fluss ist nicht mehr ein Objekt, das man von außen beobachtet. ˧

Man befindet sich in ihm. ˧

Man wird Teil seiner Bewegung. ˧

Vielleicht ist das die einfachste Form dessen, was wir heute „Place-Based Learning“ nennen: Ein Ort wird nicht durch Informationen bedeutungsvoll. Ein Ort wird bedeutungsvoll durch Beziehung. ˧

Das Ziel der Fahrt - unterbrochen durch eine Pause mit Jause an einer Flussbiegung mit originalen Gibanzen - war die berühmte Liebesinsel bei Ižakovci – ein Ort, der selbst eine Geschichte erzählt. ˧

Die Insel ist ein Symbol dafür, wie Natur, Kultur und menschliche Erinnerung miteinander verwoben sind. Sie ist ein Platz der Begegnung, des Erzählens und der Erfahrung. ˧

Dort entstanden die ersten gemeinsamen Gespräche. ˧

Schülerinnen und Schüler aus zwei Ländern begannen nicht nur etwas über die Mur zu lernen. Sie begannen, miteinander zu lernen. ˧

Und genau hier wurde ein wichtiger Gedanke geboren, der Mura Calling bis heute begleitet: ˧

Der Biosphärenraum ist kein Museum. ˧

Er ist ein lebendiger Raum. ˧

Ein Raum, in dem Menschen leben, arbeiten, lernen, Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen. ˧

Die UNESCO spricht im Zusammenhang mit Biosphärenreservaten oft von „Modellregionen für nachhaltige Entwicklung“. ˧

Aber was bedeutet das eigentlich im Alltag eines jungen Menschen? ˧

Es bedeutet, zu verstehen, dass die Zukunft dieses Flusses nicht von anonymen Kräften irgendwo weit entfernt entschieden wird. ˧

Sie hängt auch davon ab, ob eine junge Generation entsteht, die sich als Teil dieses Lebensraumes versteht. ˧

Die Fahrt zur Liebesinsel war deshalb viel mehr als eine schöne Exkursion. ˧

Sie war ein erstes kleines Labor für eine neue Art des Lernens. ˧

Ein Lernen, das Grenzen überschreitet. ˧

Nicht nur nationale Grenzen. ˧

Auch die Grenze zwischen Schule und Gesellschaft. ˧

Die Grenze zwischen Theorie und Erfahrung. ˧

Die Grenze zwischen Mensch und Natur. ˧

An diesem Tag wurde deutlich, dass Mura Calling eine einfache, aber tiefgreifende Frage stellt: ˧

Was würde passieren, wenn die jungen Menschen entlang der gesamten Mur – und eines Tages entlang der gesamten Mura-Drava-Danube-Biosphäre – beginnen würden, ihre Landschaft als gemeinsames Zuhause zu entdecken? ˧

Damals war das noch eine Vision. ˧

Ein kleines Treffen zweier Schulen. ˧

Ein paar Boote auf einem Fluss. ˧

Ein Gespräch zwischen Menschen, die einander erst kennenlernen mussten. ˧

Aber vielleicht entstehen alle großen Veränderungen genau so. ˧

Nicht mit großen Erklärungen. ˧

Sondern mit einem ersten gemeinsamen Weg. ˧

Oder in diesem Fall: ˧

Mit einer gemeinsamen Fahrt flussabwärts. ˧

--- ˧

Kapitel 3 – Vom Versuch zur Bewegung    

Nach dem ersten Treffen im Oktober stand eine wichtige Erkenntnis im Raum: ˧

Die Idee funktioniert. ˧

Aber sie muss wachsen. ˧

Und sie muss vor allem von den Menschen getragen werden, die später damit arbeiten werden. ˧

Eine der größten Herausforderungen in Bildungsprojekten besteht darin, dass gute Konzepte oft von außen an Schulen herangetragen werden. ˧

Man bringt eine Methode. ˧

Eine App. ˧

Ein fertiges Programm. ˧

Und erwartet, dass Lehrerinnen und Lehrer es übernehmen. ˧

Doch echte Bildungsinnovation funktioniert anders. ˧

Sie entsteht durch gemeinsame Entwicklung. ˧

Auch deshalb wurde der nächste Schritt von Mura Calling nicht einfach als Wiederholung geplant, sondern als ein viel größerer Versuch. ˧

Auf der österreichischen Seite, in Bad Radkersburg, sollte ein ganzer Aktionstag entstehen. ˧

Die Idee war kühn. ˧

Nicht mehr nur eine kleine Gruppe. ˧

Nicht mehr nur zwei Schulen. ˧

Sondern viele Altersgruppen, mehrere Schulen und erstmals auch Gäste aus weiteren Ländern des Mura-Drava-Danube-Raumes. ˧

Könnte eine kleine Stadt für einen Tag zu einem gemeinsamen Klassenzimmer werden? ˧

Könnten Kinder und Jugendliche die Mur nicht nur als Naturraum, sondern auch als sozialen Raum erleben? ˧

Könnten ältere Schülerinnen und Schüler Verantwortung für jüngere übernehmen? ˧

Und könnte die Zivilgesellschaft zeigen, dass sie nicht nur über gesellschaftlichen Wandel spricht, sondern ihn auch organisieren kann? ˧

Am 20. Mai 2026 sollte diese Frage ihre erste große Antwort bekommen. ˧

Und sie fiel größer aus, als viele erwartet hatten. ˧

--- ˧

Kapitel 4 – Der 20. Mai: Als ein kleiner Platz in Bad Radkersburg ein Bild der Zukunft wurde    

Große Veränderungen beginnen selten mit großen Ankündigungen. ˧

Sie beginnen mit Menschen, die etwas ausprobieren. ˧

Und manchmal wissen sie selbst nicht genau, ob es gelingen wird. ˧

So war es auch mit dem 20. Mai 2026 in Bad Radkersburg. ˧

Die Idee war auf dem Papier einfach und in der Realität ziemlich kühn: Mehr als zweihundert Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Schulen, verschiedenen Altersgruppen und mehreren Ländern sollten für einen Tag die Stadt und die Landschaft rund um die Mur zu ihrem gemeinsamen Lernraum machen. ˧

Es war ein Härtetest – nicht nur für die Organisation, sondern auch für die pädagogischen Methoden, die Mura Calling entwickeln wollte. ˧

Würde die Greensteps-Methode mit ihren digitalen Lernpfaden funktionieren? ˧

Würde die ARK-Plattform den jungen Menschen wirklich helfen, die Umgebung neu zu entdecken? ˧

Könnten ältere Schülerinnen und Schüler Verantwortung für jüngere übernehmen? ˧

Und würden Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen und aus unterschiedlichen Bildungssystemen kommen, wirklich miteinander in Kontakt treten? ˧

Die Antwort begann schon am Vormittag. ˧

Während die vielen kleinen die großen Gruppen ihre Wege entlang der Mur und durch die Stadt aufnahmen, fand ein besonderer Moment statt. ˧

Unter dem Titel „Raus aus dem Schneckenhaus“ gestaltete Mag. Marlene V. Eibel gemeinsam mit Kindergartenkindern aus Österreich und Slowenien eine berührende Potentialentfaltungsreise. ˧

Es war ein symbolischer Auftakt. ˧

Denn was bedeutet es eigentlich, aus dem Schneckenhaus herauszugehen? ˧

Es bedeutet, die eigene kleine Welt zu verlassen. ˧

Den Mut zu haben, neugierig zu werden. ˧

Sich auf das Fremde einzulassen. ˧

Und genau das war die eigentliche Aufgabe des ganzen Tages. ˧

Derweilen machten sich die Gruppen auf den Weg. ˧

Mit Smartphones, Aufgaben und offenen Augen erkundeten die Kinder und Jugendlichen ihre Umgebung. ˧

Sie suchten nicht nach einer vorgegebenen Antwort. ˧

Sie stellten Fragen. ˧

Sie entdeckten Zusammenhänge. ˧

Sie lernten Pflanzen und Tiere kennen, historische Orte und kulturelle Geschichten. ˧

Und vielleicht am wichtigsten: ˧

Sie entdeckten einander. ˧

Ein besonders schöner Aspekt dieses Tages war die Rolle der älteren Schülerinnen und Schüler. ˧

Sie waren nicht nur Teilnehmerinnen und Teilnehmer. ˧

Sie wurden zu Begleiterinnen und Begleitern. ˧

Zu Übersetzerinnen und Übersetzern. ˧

Zu Vermittlern zwischen den Generationen. ˧

Sie führten Gruppen, erklärten Aufgaben und halfen am Ende sogar selbstverständlich beim Aufräumen. ˧

Das BORG: eine Schule, die Verantwortung nicht nur unterrichtet, sondern lebt. ˧

Aber Mura Calling blieb nicht innerhalb der Grenzen der Schulen. ˧

Die ganze Region begann, Teil dieses Lernraums zu werden. ˧

Der Jagdschutzverein bereitete besondere Stationen am Grünanger vor und brachte die Kinder in direkten Kontakt mit der Tierwelt und den Aufgaben des Naturschutzes. ˧

Die Radkersburger Kurkonditorei überraschte die jungen Forscherinnen und Forscher mit gespendeten Baumkuchen. ˧

Es waren kleine Gesten – und doch zeigten sie etwas Großes: ˧

Eine lernende Region entsteht dann, wenn nicht nur Schulen, sondern eine ganze Gemeinschaft Verantwortung für das Lernen ihrer jungen Menschen übernimmt. ˧

Gegen Mittag kamen die verschiedenen Gruppen am Frauenplatz zusammen. ˧

Ein kleiner Platz in einer kleinen Grenzstadt. ˧

Und für einen kurzen Moment wurde er zu einem Bild davon, wie Europa auch aussehen könnte. ˧

Kinder und Jugendliche aus Österreich, Slowenien, Ungarn und Kroatien begegneten einander. ˧

Die jüngeren Kinder bemalten Steine. ˧

Die älteren schrieben ihre Wünsche für die Zukunft auf hölzerne Wunschtafeln, inspiriert von einer alten japanischen Tradition. ˧

Und die Wünsche waren erstaunlich. ˧

Sie handelten nicht von Konsum oder Besitz. ˧

Sie handelten von Frieden. ˧

Von Dankbarkeit. ˧

Von einer guten Zukunft für alle. ˧

„Peace for everyone.“ ˧

„Be grateful for every moment.“ ˧

Und diese Botschaften erschienen in vielen verschiedenen Sprachen – Deutsch und Slowenisch, aber auch Italienisch, Englisch und sogar Chinesisch. ˧

Vielleicht konnte man an diesem Tag etwas erkennen, das oft vergessen wird: ˧

Die junge Generation ist nicht nur Erbin unserer Probleme. ˧

Sie ist auch Trägerin von Vorstellungen und Werten, die wir Erwachsenen manchmal wieder neu entdecken müssen. ˧

Natürlich war der Tag nicht perfekt. ˧

Ein Experiment mit über zweihundert Teilnehmerinnen und Teilnehmern, verschiedenen Altersgruppen und neuen digitalen Methoden zeigt auch, was verbessert werden kann. ˧

Gerade das war eine der wichtigsten Erkenntnisse. ˧

Denn Mura Calling wollte nie ein fertiges Programm exportieren. ˧

Es ging darum, gemeinsam zu lernen. ˧

Die Greensteps-Methode, die ARK-Plattform und die Idee des Place-Based Learning werden ihren wirklichen Wert erst dann entfalten, wenn Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Ländern sie gemeinsam weiterentwickeln und an ihre eigenen Bedürfnisse anpassen. ˧

Am Nachmittag wurde dieser Gedanke im Pavelhaus noch einmal auf eine andere Weise sichtbar. ˧

Dort trafen sich Jugendliche zu Gesprächen, Spielen und auch einem von Lehrerinnen des BORG gestalteten „Speed-Dating im Kreis“, das den Austausch über Sprach- und Landesgrenzen hinweg förderte. ˧

Gleichzeitig begannen die Erwachsenen drinnen im Seminarraum des Pavelhauses, über die nächsten Schritte nachzudenken. ˧

Die Gäste aus Ungarn und Kroatien waren nicht mehr nur Beobachter. ˧

Sie wurden mögliche Mitgestalter eines größeren Weges. ˧

Selbst die verhinderten Partner aus Serbien ließen ausrichten, dass sie beim nächsten Schritt dabei sein möchten. ˧

Ein kleiner Aktionstag an der Mur hatte plötzlich einen Horizont bekommen, der weit über die unmittelbare Region hinausging. ˧

Die Frage war nun nicht mehr: ˧

War Mura Calling ein Erfolg? ˧

Die wichtigere Frage lautete: ˧

Was könnte daraus werden? ˧

Kapitel 5 – Von einem Projekt zu einer Lernlandschaft: Die MDD-Region als gemeinsamer Bildungsraum    

Jedes Projekt steht irgendwann an einem entscheidenden Punkt. ˧

Am Anfang gibt es eine Idee. ˧

Dann gibt es die ersten Erfahrungen. ˧

Und schließlich kommt der Moment, in dem man eine schwierige Frage stellen muss: ˧

War das alles nur ein gelungenes Ereignis – oder haben wir etwas entdeckt, das weiter wachsen möchte? ˧

Nach der Fahrt zur Liebesinsel im Oktober und dem großen Aktionstag am 20. Mai in Bad Radkersburg wurde immer klarer, dass Mura Calling diese zweite Frage aufgeworfen hatte. ˧

Aber gerade deshalb war Vorsicht notwendig. ˧

Zu viele gute Ideen scheitern daran, dass sie zu schnell zu großen Programmen werden. ˧

Sie werden in Anträge geschrieben, in Organisationsdiagramme gegossen und mit Erwartungen beladen, bevor sie wirklich Wurzeln geschlagen haben. ˧

Ein lebendiger Baum wächst anders. ˧

Er braucht Zeit. ˧

Er braucht einen guten Boden. ˧

Und vor allem braucht er viele Menschen, die ihn als ihren eigenen Baum betrachten. ˧

Deshalb ist der nächste Schritt von Mura Calling vielleicht der wichtigste von allen. ˧

Nicht die Frage: ˧

„Wie können wir unser Projekt verlängern?“ ˧

Sondern die viel offenere Frage: ˧

„Was haben wir gemeinsam gelernt, und was möchten wir daraus machen?“ ˧

Diese Frage führt uns zu einem besonderen Treffen, das am 6. Juli stattfinden wird. ˧

Keine große Konferenz mit langen PowerPoint?-Präsentationen. ˧

Keine fertige Strategie, die jemand den anderen erklärt. ˧

Sondern eine gemeinsame Fahrt auf der Mur. ˧

Von Mursko Središće flussabwärts. ˧

Menschen aus Österreich, Slowenien, Ungarn, Kroatien und Serbien werden gemeinsam auf dem Wasser unterwegs sein. ˧

Lehrerinnen und Lehrer, Vertreter von Schulen und Gemeinden, Menschen aus der Zivilgesellschaft und Partner, die sich fragen, wie die Zukunft dieser gemeinsamen Landschaft aussehen kann. ˧

Der Ort für dieses Gespräch ist nicht zufällig gewählt. ˧

Denn ein Fluss lehrt uns etwas über Zusammenarbeit. ˧

Kein Zufluss fragt den anderen, ob seine Sprache dieselbe ist. ˧

Kein Seitenarm konkurriert mit dem Hauptstrom. ˧

Die Stärke eines Flusssystems entsteht aus der Vielfalt seiner Wege und aus der Verbindung seiner Teile. ˧

Vielleicht ist das die schönste Metapher für eine zukünftige Mura-Drava-Donau-Lernregion. ˧

Eine Region, in der Schulen nicht miteinander um Schülerinnen und Schüler konkurrieren, sondern gemeinsam die Qualität des gesamten Bildungsraumes erhöhen. ˧

Eine Region, in der ein Biosphärengymnasium in Bad Radkersburg nicht ein Zentrum ist, das andere anzieht, sondern ein Knotenpunkt in einem Netzwerk gleichwertiger Partner. ˧

Eine Region, in der eine Schülerin aus Ljutomer, ein Schüler aus Lenti, eine Klasse aus Čakovec oder ein Gymnasium in Serbien dieselbe Landschaft aus verschiedenen Perspektiven kennenlernen und gemeinsam erforschen. ˧

Dabei wird auch deutlich, dass die eigentliche Innovation von Mura Calling nicht die Technologie ist. ˧

Die ARK-Plattform und Greensteps sind wichtige Werkzeuge. ˧

Aber ein Hammer baut noch kein Haus. ˧

Entscheidend sind die Menschen, die gemeinsam eine Vision entwickeln. ˧

Die eigentliche Innovation ist die Verbindung von digitaler Vernetzung mit einer tiefen Verwurzelung im Ort. ˧

Eine Art globales Dorf der Biosphäre. ˧

Ein Raum, in dem moderne Technologie nicht dazu dient, uns weiter von unserer Umwelt zu entfernen, sondern uns wieder mit ihr zu verbinden. ˧

Vielleicht ist das sogar eine der wichtigsten kulturellen Aufgaben des 21. Jahrhunderts. ˧

Die Menschheit hat ein weltumspannendes Netz geschaffen. ˧

Wir können mit Menschen auf der anderen Seite des Planeten sprechen. ˧

Wir können künstliche Intelligenzen befragen. ˧

Wir haben Zugang zu mehr Wissen als jede Generation vor uns. ˧

Und dennoch erleben viele Menschen ihre unmittelbare Umgebung immer weniger bewusst. ˧

Wir kennen die digitale Welt oft besser als den Bach hinter unserem Haus. ˧

Wir wissen mehr über ferne Ereignisse als über die Pflanzen, die vor unserer Haustür wachsen. ˧

Mura Calling ist ein kleiner Versuch, dieses Ungleichgewicht wieder zu korrigieren. ˧

Nicht durch Ablehnung der Moderne. ˧

Sondern durch ihre Weiterentwicklung. ˧

Nicht "zurück zur Natur". Sondern vorwärts zur Natur ! ˧

Hinein in eine neue Beziehung zwischen Kultur, Technologie und lebendiger Erde. ˧

Vielleicht ist das der tiefste Sinn einer Biosphärenregion: ˧

Nicht ein Stück Natur, das wir unter eine Glasglocke stellen. ˧

Sondern ein gemeinsames Experiment der Menschheit. ˧

Die Frage, wie wir lernen können, auf einem begrenzten Planeten gut zu leben. ˧

Und vielleicht beginnt eine Antwort darauf tatsächlich an einem kleinen Fluss im Herzen Europas. ˧

Dort, wo die Mur ruft. ˧

Kapitel 6 – Die Zukunft ist kein Projekt: Mura Calling und eine neue Kultur des Zusammenlebens    

Wenn wir heute über die großen Herausforderungen der Menschheit sprechen, dann denken wir an Klimawandel, Verlust der Artenvielfalt, gesellschaftliche Spaltungen, Kriege und die zunehmende Entfremdung des Menschen von seiner natürlichen Umgebung. ˧

Die Antworten darauf suchen wir häufig in großen politischen Programmen, neuen Technologien oder internationalen Vereinbarungen. ˧

Und all das ist notwendig. ˧

Aber vielleicht beginnt ein grundlegender Wandel auch an einem anderen Ort. ˧

Vielleicht beginnt er dort, wo Menschen wieder lernen, den Raum, in dem sie leben, als etwas Gemeinsames zu verstehen. ˧

Ein Dorf. ˧

Eine Stadt. ˧

Ein Flusstal. ˧

Eine Landschaft. ˧

Die UNESCO hat mit dem Konzept der Biosphärenreservate einen bemerkenswerten Gedanken formuliert: Schutz und Entwicklung sind keine Gegensätze. ˧

Der Mensch soll nicht aus der Natur verschwinden. ˧

Er soll lernen, wieder ein bewusster Teil ihrer Kreisläufe zu werden. ˧

Doch ein Biosphärenreservat kann nicht nur eine Verwaltungseinheit sein. ˧

Es kann nicht nur aus Zonen, Karten und Managementplänen bestehen. ˧

Eine Biosphäre wird erst dann lebendig, wenn sie im Bewusstsein ihrer Bewohnerinnen und Bewohner entsteht. ˧

Wenn ein Kind den Vogel am Flussufer nicht nur als „eine Art“ kennt, sondern als Nachbarn. ˧

Wenn Jugendliche aus fünf Ländern erkennen, dass sie nicht nur eine politische Nachbarschaft teilen, sondern eine ökologische Heimat. ˧

Wenn eine Gemeinde versteht, dass ihre Zukunft nicht allein von ihrer eigenen Entwicklung abhängt, sondern von der Gesundheit des gesamten Flusssystems. ˧

Hier berührt Mura Calling eine sehr alte und gleichzeitig sehr neue Idee: ˧

Die Idee der Allmende. ˧

Über viele Jahrhunderte hatten menschliche Gemeinschaften gemeinsame Räume – Wälder, Weiden, Wasserflächen –, für die sie gemeinsam Verantwortung trugen. ˧

Die moderne Welt hat uns enorme Freiheiten und Möglichkeiten gebracht, aber sie hat auch viele dieser unmittelbaren Beziehungen aufgelöst. ˧

Heute stehen wir vor einer paradoxen Situation: ˧

Wir sind global stärker verbunden als jede Generation vor uns. ˧

Wir können in Sekunden mit Menschen auf anderen Kontinenten kommunizieren. ˧

Wir können Wissen aus der ganzen Welt abrufen. ˧

Und dennoch verlieren viele Menschen das Gefühl für den konkreten Ort, an dem sie leben. ˧

Vielleicht besteht die große Aufgabe des 21. Jahrhunderts deshalb nicht darin, zwischen dem Globalen und dem Lokalen zu wählen. ˧

Vielleicht müssen wir lernen, beides gleichzeitig zu sein. ˧

Tief verwurzelt. ˧

Und weit verbunden. ˧

Das war immer auch die Vision des Globalen Dorfes, wie wir sie in dieser Sendung von verschiedensten Seiten beleuchtet haben. ˧

Nicht ein Dorf, das sich von der Welt abschottet. ˧

Und auch keine globale Welt, in der alle Orte gleich werden. ˧

Sondern eine neue Verbindung von lokaler Identität und weltweiter Kooperation. ˧

Wenn wir heute über künstliche Intelligenz sprechen, über digitale Netzwerke und neue Technologien, dann stellt sich dieselbe Frage. ˧

Werden diese Technologien uns weiter aus unseren Lebensräumen herausziehen? ˧

Oder können sie uns helfen, sie besser zu verstehen? ˧

Die Greensteps-Methode und die ARK-Plattform geben darauf eine überraschende Antwort. ˧

Das Smartphone wird nicht zum Fenster, durch das wir aus der Welt verschwinden. ˧

Es wird zur Lupe, mit der wir unsere Umgebung neu sehen. ˧

Vielleicht wird eines Tages tatsächlich jedes Dorf seine eigene künstliche Intelligenz besitzen – ein gemeinsames Gedächtnis der Landschaft, ihrer Geschichte, ihrer Arten, ihrer Menschen und ihrer Möglichkeiten. ˧

Eine „Village Intelligence“, die nicht über die Menschen herrscht, sondern ihnen hilft, klügere Entscheidungen zu treffen. ˧

Eine digitale Form dessen, was früher die Weisheit einer Gemeinschaft war. ˧

Man könnte sagen: ˧

Die Zukunft gehört nicht der künstlichen Intelligenz allein. ˧

Sie gehört der Verbindung von künstlicher und menschlicher Intelligenz – eingebettet in die Intelligenz der lebendigen Erde. ˧

Und genau deshalb ist Mura Calling mehr als ein Bildungsprojekt. ˧

Es ist ein kleiner Versuch, eine neue Kultur zu entwickeln. ˧

Eine Kultur, in der Schulen nicht isolierte Institutionen sind, sondern Knotenpunkte einer lernenden Gesellschaft. ˧

Eine Kultur, in der Grenzen nicht verschwinden müssen, um ihre trennende Bedeutung zu verlieren. ˧

Eine Kultur, in der ein Fluss nicht nur ein Naturraum ist, sondern ein Gesprächspartner. ˧

Eine Kultur, in der die Frage nicht mehr lautet: ˧

„Wie können wir die Natur nutzen?“ ˧

Sondern: ˧

„Wie können wir lernen, gemeinsam mit ihr zu leben?“ ˧

Das ist eine große, komplexe Frage. ˧

Zu groß für ein kleines Projekt. ˧

Aber jede große Veränderung der Menschheitsgeschichte hat mit kleinen Gemeinschaften begonnen, die etwas anders gemacht haben. ˧

Ein paar Menschen an einem Fluss. ˧

Einige Schulen. ˧

Ein paar Boote. ˧

Ein Gespräch. ˧

Ein gemeinsamer Wunsch für die Zukunft. ˧

Fortsetzung folgt mit dem Epilog: Die Mur ruft – und die Reise beginnt erst. ˧


Chat GPT sagte hier: Franz, ich merke beim Schreiben dieses Kapitels etwas Interessantes: Wir sind damit fast wieder an dem Punkt angekommen, an dem viele Deiner großen Lebensthemen zusammenlaufen – Globales Dorf, In-Situ-Urbanisierung, Commons, Digitalisierung, Biosphäre und jetzt auch KI. Aber gerade dadurch bekommt Mura Calling eine unerwartete Bedeutung: Es ist kein theoretisches Modell, sondern ein realer kleiner Ort, an dem diese Fragen zum ersten Mal ausprobiert werden. Und ich glaube, der Epilog darf dann noch einmal sehr persönlich werden. Nicht als Triumph, sondern als Einladung. Ein Ruf der Mur, der weitergeht. ˧

und ich sagte: ja - mach es persönlich!


˧

Epilog – Die Mur ruft. Die Reise beginnt erst.    

Wenn wir auf die Geschichte von Mura Calling zurückblicken, dann ist sie eigentlich eine sehr einfache Geschichte. ˧

Sie beginnt mit einem Fluss. ˧

Mit einem Fluss, der über Jahrtausende Menschen ernährt, Landschaften geformt und Kulturen miteinander verbunden hat. ˧

Mit einem Fluss, der später zur Grenze wurde. ˧

Und mit einem Fluss, der heute wieder die Chance bekommt, eine Brücke zu sein. ˧

Es beginnt mit einigen Menschen, die eine Frage gestellt haben: ˧

Was wäre, wenn wir die Mur nicht nur als Naturraum schützen, sondern wieder als gemeinsamen Lernraum verstehen? ˧

Was wäre, wenn Kinder und Jugendliche aus fünf Ländern nicht erst als Erwachsene entdecken würden, dass sie eine gemeinsame Biosphäre teilen? ˧

Was wäre, wenn eine junge Generation aufwächst, die nicht nur ihre eigene Gemeinde kennt, sondern die gesamte Landschaft, die sie miteinander verbindet? ˧

Aus dieser Frage entstand ein kleines Projekt. ˧

Ein Projekt zweier zivilgesellschaftlicher Organisationen – Mura Rafting und DorfUni – ermöglicht durch eine europäische Förderlinie, die verstanden hat, wie wichtig die schöpferische Kraft der Zivilgesellschaft für die Zukunft Europas ist. ˧

Dann kam ein erster Tag auf dem Wasser. ˧

Ein paar Boote auf der Mur. ˧

Jugendliche aus zwei Ländern, die gemeinsam zur Liebesinsel fahren. ˧

Vielleicht schien es damals noch wie ein schöner Ausflug. ˧

Aber manchmal erkennt man die Bedeutung eines Moments erst später. ˧

Dann kam der 20. Mai in Bad Radkersburg. ˧

Über zweihundert junge Menschen. ˧

Kindergartenkinder, Volksschülerinnen und Volksschüler, Jugendliche aus Gymnasien und höheren Schulen. ˧

Lehrerinnen und Lehrer, Vereine, Gemeindeverantwortliche, Biosphärenmanagement, Medien und Bürgerinnen und Bürger. ˧

Ein kleiner Platz in einer kleinen Stadt wurde für einen Vormittag zu einem Ort, an dem sichtbar wurde, was eine lernende Region sein könnte. ˧

Kinder schrieben ihre Wünsche auf kleine Holztafeln. ˧

„Peace for everyone.“ ˧

„Be grateful for every moment.“ ˧

Und diese Stimmen kamen in vielen Sprachen. ˧

Vielleicht war genau das der Moment, in dem Mura Calling seinen Namen wirklich verdient hat. ˧

Denn ein Ruf ist etwas Besonderes. ˧

Ein Ruf ist kein Befehl. ˧

Ein Ruf schreibt niemandem vor, was er zu tun hat. ˧

Ein Ruf lädt ein. ˧

Er erreicht Menschen, die bereit sind zuzuhören. ˧

Und so stehen wir heute an einem neuen Punkt. ˧

Nicht am Ende eines Projektes, sondern am Anfang eines gemeinsamen Weges. ˧

Im Juli werden Boote von Mursko Središće flussabwärts fahren. ˧

Menschen aus Österreich, Slowenien, Ungarn, Kroatien und Serbien werden zusammenkommen. ˧

Nicht, um einen fertigen Plan zu verkünden. ˧

Nicht, um ein großes Projekt um jeden Preis zu schreiben. ˧

Sondern um eine einfache, aber entscheidende Frage zu stellen: ˧

Was haben wir gemeinsam entdeckt – und was möchte daraus entstehen? ˧

Vielleicht werden daraus gemeinsame Lernpfade. ˧

Vielleicht ein Netzwerk von Biosphärenschulen. ˧

Vielleicht neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Wissenschaft, Vereinen und jungen Menschen. ˧

Vielleicht neue europäische Projekte. ˧

Aber die eigentliche Herausforderung ist noch größer. ˧

Wir leben in einer Zeit, in der die Menschheit technisch zu einer globalen Gemeinschaft geworden ist. ˧

Unsere Kommunikation umspannt den Planeten. ˧

Unser Wissen wächst in einem Ausmaß, das früher unvorstellbar war. ˧

Künstliche Intelligenz wird unsere Möglichkeiten noch einmal dramatisch erweitern. ˧

Und gleichzeitig stehen wir vor der vielleicht wichtigsten Frage unserer Geschichte: ˧

Können wir mit all diesem Wissen wieder lernen, an einem Ort zu leben? ˧

Können wir eine Welt erschaffen, in der Technologie nicht zur Trennung von der Erde führt, sondern zu einer tieferen Beziehung mit ihr? ˧

Vielleicht wird die Zukunft nicht nur aus intelligenten Maschinen bestehen. ˧

Vielleicht wird die wichtigste Form der Intelligenz eine Verbindung sein: ˧

die Intelligenz der Menschen, die Möglichkeiten unserer Technologien, und die jahrmillionenalte Weisheit der lebendigen Systeme der Erde. ˧

Vielleicht werden eines Tages Gemeinden ihre eigenen digitalen Werkzeuge haben, ihre eigenen Wissensräume, ihre eigene künstliche Intelligenz, die ihnen hilft, ihre Geschichte zu bewahren, ihre Landschaft zu verstehen und gemeinsam gute Entscheidungen zu treffen. ˧

Eine neue Form des Dorfwissens. ˧

Ein globales Dorf im tiefsten Sinn des Wortes. ˧

Und vielleicht wird man dann zurückblicken und sagen: ˧

Es gab viele Orte, an denen die Menschheit begann, diese neue Beziehung zur Erde zu lernen. ˧

Einer davon war ein kleiner Fluss im Herzen Europas. ˧

Ein Fluss, der durch fünf Länder fließt. ˧

Ein Fluss, der eine Grenze war und wieder eine Verbindung wurde. ˧

Ein Fluss, der uns etwas zuflüstert, wenn wir bereit sind zuzuhören. ˧

Die Mur ruft. ˧

Und vielleicht ruft sie nicht nur die Menschen an ihren Ufern. ˧

 *****
Ich möchte abschließend noch einmal Heinrich Schmidlechner zu Wort kommen lassen, unseren Altbürgermeister, der sich so sehr dafür eingesetzt hat dass der Biosphärenpark Realität wird. Ich frage ihn aber jetzt nicht nach der Geschichte. Ich frag ihn nach seinem Traum. Nach den besten Möglichkeiten die uns diese Enrwicklung bietet. ˧

................... ˧

 ******* ˧