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(8:14) FranzAlso? das ist gut. Das haben wir "im Kasten".
(8:14) Franz Also das ist gut. Das haben wir "im Kasten".

Interview am 15.6.2026 ˧

Geschichte des Biosphärenparks

(0:00) Zu deiner Frage muss ich auch in meiner eigenen Geschichte etwas zurückblättern. (0:06) und ich erinnere mich an meine Kindheit, Jugendzeit. (0:09) Ich bin in einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb in der Radkesburg-Umgebung aufgewachsen (0:15) und habe hier den Bezug zur Natur eigentlich von klein auf schon mitbekommen. ˧

(0:22) In der damaligen Zeit hat der Wert der Natur natürlich andere Prioritäten gehabt. (0:28) Eine kleine Landwirtschaft war die Lebensgrundlage damals in diesen Zeiten für viele Familien. (0:37) DAs hat sich aber sehr, sehr stark geändert. ˧

(0:41) Geändert insofern, als ich dann Bürgermeister war in der Radkesburg-Umgebung, (0:46) hat es eigentlich begonnen mit der internationalen Murbootsfahrt. (0:50) Bereits 2003 die erste internationale. (0:56) Ab 2005 waren wir dann bereits mit vier Nationen daran beteiligt. ˧

(1:02) Das heißt Österreich, Slowenien, Ungarn und Kroatien. (1:08) Federführend war hier Slowenien. (1:10) Und mit dem Tourismusverband haben wir gemeinsam dann auch Teilnehmer aus Österreich organisiert. ˧

(1:17) Diese internationalen Murbootsfahrten entlang der Mur , von Mureck bis Dekanovecc in Kroatien, (1:24) waren ein wirkliches Erlebnis. (1:27) Grundsätzlich war eigentlich das Ziel, Flora und Fauna entlang der Mur kennenzulernen, (1:34) aber auch mit den Gemeinden, mit den Leuten, die hier mitfahren, zu kommunizieren und sich kennenzulernen. (1:44) Das hat in mir selbst vieles bewirkt. ˧

(1:47) Und wie es so schön heißt, wenn du selbst nicht brennst, kannst du kein Feuer entzünden. (1:53) Das war für mich grundlegend der Bezug zur Natur. (1:57) Und hier greife ich in Richtung Biosphärenparkentstehung 2011. ˧

(2:04) Diese fünf Umweltminister haben in Budapest, damals hat der Ungarn den Ratsvorsitz gehabt, (2:11) eine Deklaration unterzeichnet für die Bildung eines Biosphärenparks entlang der Mur Drau Donau. (2:20) Das war der Aufhänger. (2:22) Kroatien und Ungarn haben dieses Ziel bereits 2013 erreicht. ˧

(2:28) Serbien hat 2017 die Anerkennung bekommen. (2:33) Und Slowenien hat bereits Ende 2016 eingereicht. (2:37) Ist aber erst 2018 anerkannt worden, weil es nur eine Sitzung im Jahr von der UNESCO in diese Richtung gibt. ˧

(2:45) Österreich war natürlich jetzt im Zugzwang. (2:48) Und als ich dann Bürgermeister der Stadt Bad Radkersburg im Jahr 2015 wurde, begann auch die Arbeit in Österreich. (2:56) Ich war dann der Sprecher der Bürgermeister entlang der Gemeinden entlang der Mur. ˧

(3:02) Hier war die Aufgabe mal die Bürgermeister ins Boot zu holen, damit über die Bürgermeister die Gemeinden dann hier an diesem Projekt teilnehmen konnten. (3:15) Das Land Steiermark hat die Vorgabe gegeben. (3:20) Wir sagen dann ja, wenn dieser Wille aus der Region kommt. ˧

(3:24) Und das war hier die harte Arbeit, die Gemeinden zu überzeugen, dass das ein Projekt für die Zukunft ist. (3:30) Und ich muss im Nachhinein sagen, es war eine harte Arbeit, aber diese Arbeit ist gelungen. (3:36) Und die Gemeinden und die Bürgermeister im Nachhinein waren alle mit dabei. ˧

(3:42) Alle, darin meine ich vier Gemeinden im alten Bezirk Radkersburg. (3:47) Das war Murfeld, Muregg, Halbenrain und Bad Radkersburg. (3:55) ˧

Franz Und dann seid Ihr nach Paris gefahren. ˧

(3:57) Und wir haben es geschafft, richtg, die Einreichung im Jahr 2018 an die Akademie der Wissenschaften zu leiten. (4:09) Bis September war Zeit, wir haben es geschafft. (4:12) Die Akademie der Wissenschaften hat es dann in Paris bei der UNESCO noch im September eingereicht. ˧

(4:20) Und es war dann im Laufe des Oktobers die Sitzung bei der UNESCO, wo dann hier beschlossen wurde, (4:30) dass die Aufgaben eigentlich erfüllt sind und der Anerkennung für einen Biosphärenpark nichts mehr im Wege steht. (4:39) ˧

Franz Und dann ist aber etwas Seltsames passiert. (4:42) Wir Österreicher haben dann administrativ die anderen überholt, (4:47) weil wir ein Biosphärenparkmanagement eingerichtet haben. ˧

(4:51) Da bin ich bei einem Punkt, wo ich im Nachhinein gesagt habe, (4:55) das Land Steiermark hat immer gefordert, der Wille muss von der Region kommen. (5:01) Das war keine leichte Aufgabe, aber ich habe damals schon viel mit slowenischen Bürgermeistern zum Beispiel gesprochen. (5:08) Die haben kein Wissen darüber gehabt. ˧

(5:10) Das ist vom Ministerium ausgegangen und die Gemeinden waren wenig eingebunden. (5:15) Und das ist uns im Nachhinein aber zum Vorteil geworden. (5:20) Und dadurch waren wir den anderen eigentlich immer einen Schritt voraus. ˧

(5:25) Vor allem in der Anerkennung des 5 Länder Biosphärenparks. (5:30) Wir haben dann 2019 am 19. Juni die Anerkennung in Paris bekommen. ˧

(5:37) Und ein Jahr später ist über den WWF und der Akademie der Wissenschaften (5:43) die Einreichung bei der UNESCO erfolgt für einen 5 Länder übergreifenden Biosphärenpark. (5:50) Und dieser wurde dann bei einer Sitzung in Nigeria 2021 beschlossen. (5:58) Und seit damals gibt es den 5 Länder übergreifenden Biosphärenpark, (6:03) der einzigartig auf der ganzen Welt ist. ˧

(6:07) Es gibt ihn, aber er hat noch nicht überall sozusagen eine administrative Struktur. ˧

(6:16) Noch nicht, das ist richtig. (6:18) Aber genau hier kommt das Regionalmanagement mit dem Biosphärenparkmanager ins Spiel. (6:25) Der eigentlich die Aufgabe hat jetzt über diese 5 Länder zu kommunizieren (6:31) und zu versuchen gemeinsam Projekte umzusetzen oder aufzugreifen. (6:36) ˧

Das ist eigentlich spannend, weil das Regionalmanagement ja plötzlich eine ganz andere Dimension kriegt. (6:44) ˧

Das stimmt, auch hier war die Schwierigkeit. (6:46) Das Regionalmanagement wollte ursprünglich diese Aufgabe nicht übernehmen. (6:51) Aber es ist dann politisch soweit gelungen, dass es dort angesiedelt wurde. (6:56) Es war immer unsere Meinung, es gehört dorthin. (6:59) Und ich glaube, das Regionalmanagement hat sehr wohl erkannt, (7:04) welches Potenzial hier noch zu heben ist. ˧

Intermezzo

Es passt auch zu dem Ding schon dazu, was du geschrieben hast über das Mura Calling. ˧

(7:26) Und ich denke mir, du hast vollkommen recht. (7:29) ˧

Nicht nur über Vorträge und Sonstiges, wenn diese jungen Leute das auf der Mur erleben, (7:34) und das habe ich ja selbst erlebt, dann kriegt man einen anderen Bezug zur gesamten Region. (7:42) Und das ist ja interessant, das Leben an der Mur. (7:45) Wir haben das immer gesehen, entlang Slowenien noch weniger. (7:49) Aber in Kroatien beginnt es, dort ist die Verbauung weg, (7:53) Dort mäandert der Fluss, das heißt, er wird langsamer. (7:58) Und ein Teilnehmer hat einmal gesagt, je langsamer der Fluss wird, umso ruhiger werden die Leute. ˧

(8:05) Und das hat man gespürt da... ˧

(8:09) Franz Perfekt. Das kann ja noch woanders sein. ˧

(8:12) Ich glaube, das hat Andreas einmal gesagt. ˧

(8:14) Franz Also das ist gut. Das haben wir "im Kasten". (8:20) Und jetzt kommen wir gleich zum großen Schlussstatement. (8:27) ˧

Ich möchte abschließend noch einmal Heinrich Schmidle ins Wort kommen lassen. (8:31) Ich frage ihn jetzt nicht nach der Geschichte, ich frage ihn nach seinem Traum, (8:35) nach den besten Möglichkeiten, die uns diese Entwicklung bietet. (8:37) Und ich bitte dich, dieses Tor zu den unbegrenzten Möglichkeiten, diese Formulierung zu verwenden. (8:43) Gleich am Anfang. (8:46) ˧

Schlusswort

Also hier darf ich vielleicht eine kleine Geschichte erzählen, (8:57) bei der UNESCO, direkt bei der Verleihung damals, (9:01) oder die Anerkennung für den Biosphärenpark in Österreich. (9:06) Wir waren bereits in diesem Saal, wo das gesamte Gremium zusammengekommen ist (9:12) und Vertreter aus der ganzen Welt eigentlich, aus allen Erdteilen vertreten waren, (9:20) weil ja nicht nur Österreich eingereicht hat, sondern viele andere Nationen auch. (9:25) Hier war Russland vertreten, Asien war vertreten, Afrika vertreten, (9:30) und aus Europa natürlich Österreich. (9:32) ˧

Stolz, wie wir waren.(9:34) Austria ist als erstes in der Nominierung genannt worden. (9:39) Die Geschichte wurde verlesen, der Antrag wurde verlesen. (9:42) Und wir haben schon gejubelt und geklatscht. ˧

(9:45) Und die Vorsitzende hebt den Zeigefinger und sagt, (9:50) no, no, noch ist es nicht so weit, wir müssen noch abstimmen. (9:54) Das war ein Erlebnis, überhaupt mit Vertretern aus der gesamten Welt, (9:59) diese Anerkennung dort zu erleben und mitzunehmen. (10:04) Eigentlich, dort ist mir gekommen, welches Potenzial hier in diesem Biosphärenpark liegt, (10:11) für die Zukunft dieses Teures von unserer Kultur zu den anderen Kulturen dieser fünf Länder. ˧

(10:24) Und ich muss sagen, wenn ich so denke, was auch Mura Calling inzwischen gemacht hat, (10:31) sehe ich hier vieles, dass mein Traum war, die Jugend miteinzubinden, (10:36) weil ich eben selbst auf der Mur erlebt habe. (10:39) Wenn du selbst auf der Mur hier das erleben kannst, dann kannst du etwas mitnehmen. (10:45) Und ich glaube, der Schlüssel zum Erfolg liegt über die Jugend. ˧

(10:50) Und hier kann ich nur sagen, gerade das BORG, das kommt mir immer auch mehr in den Sinn, (10:57) weil hier zweisprachig auch Schüler vorhanden sind, (11:01) die genau der Schlüssel zu den anderen Ländern sein werden. (11:05) Und ich glaube, hier entsteht ein Netzwerk von Jugend, (11:09) das für diesen Lebensraum, diesen gemeinsamen Lebensraum, wie ich es immer nenne, (11:14) ganz, ganz wichtig für die Zukunft ist. ˧

(11:17) Franz Ja, das ist schon richtig und danke für dieses große Lob unseres Projektes. (11:26) Aber jetzt habe ich noch eine ganz abschließende Frage. (11:30) Wenn du diesen Jugendlichen einen Traum mitgeben willst, (11:34) der übers Bootsfahren hinausgeht, der über die Kontemplation der Natur hinausgeht, (11:39) der quasi ihre Lebensrealität von morgen sozusagen einfängt, (11:45) dieses mit der Natur reich zusammenleben, (11:49) was würde dir sozusagen als Bild spontan in den Sinn kommen? ˧

(11:58) Also als Bild habe ich schon etwas im Kopf und zwar, (12:04) ich habe auch die Nachkriegszeit bei uns erlebt (12:06) und ich glaube, man darf sie nicht vergessen, aber man muss in die Zukunft schauen. (12:12) Und ich glaube, gerade dieser Biosphärenpark bietet die Möglichkeit, (12:16) über unsere Jugend hier ein Bild zu zeichnen, (12:21) das in der Zukunft für wirtschaftliche Entwicklungen, (12:25) aber auch der Gedanke des Friedens, (12:29) und das ist ja auch in der Europäischen Union eigentlich der Hauptgedanke, (12:33) dass dieser Gedanke weiter gepflegt wird und das kann nur gelingen, (12:38) wenn man gegenseitig Kontakt hat, sich wertschätzt (12:41) und hier diesen gemeinsamen Lebensraum miteinander zu dem macht, (12:46) was wir uns in Zukunft eigentlich erwarten und erhoffen. ˧

Gedankenüberschüsse

(12:54) Heinrich: Reicht das? ˧

(12:56) Es reicht, außer du hast vielleicht doch noch ein ganz konkretes Bild, (13:03) also so quasi, was passiert mit der Landwirtschaft, (13:07) was passiert mit dem Tourismus, was passiert mit sonstigem. (13:14) ˧

Ja, vielleicht ein Gedanke noch zum Biosphärenpark selbst. (13:19) Die meisten oder viele fragen ja, was ist der Biosphärenpark? (13:23) Er beschränkt sich nicht nur auf den Naturraum. ˧

(13:28) Wir wissen ja, dass der Biosphärenpark in drei Zonen eingeteilt ist, (13:32) das ist die Kernzone, die unberührt sein muss, auch in Zukunft, (13:37) die Pufferzone, das ist unser jetziger Wald, (13:41) der auch weiterhin in dieser Art bestehen bleiben soll, (13:44) ˧

aber es gibt dann die Entwicklungszone (13:47) und hier sind jene Gebiete, die nicht zum Naturraum gehören, (13:54) definiert genannt und hier soll Entwicklung passieren. (13:58) In der Landwirtschaft, in der Wirtschaft, in der Kultur. (14:02) Also hier ist kein Thema ausgenommen, (14:04) wo man in Zukunft nicht auch Entwicklungen vorantreiben kann. ˧

Franz; (14:12) Und was wird, sag ich jetzt einmal, die Differenz sein? (14:17) Wie wird diese Entwicklung sich von der heutigen unterscheiden? (14:22) ˧

Naja, die Differenz wird auch sein, (14:27) ich glaube auch, dass das eine Entwicklung ist, (14:30) die gar nicht so schnell gehen muss, (14:33) sondern wenn eine Entwicklung langsam vor sich geht, (14:38) sehe ich auch eine große Nachhaltigkeit damit verbunden. (14:43) Das habe ich ja selbst in meinem Leben eigentlich erfahren, (14:49) auch wenn man lange bohren muss, (14:52) aber wenn diese Dinge dann entstehen und zur Umsetzung kommen, (14:56) dann halten sie auch. (14:57) ˧

Nicht Entwicklungen, die von heute auf morgen passieren (15:00) und wir sind in einer schnelllebigen Zeit, (15:03) wo alles schnell gehen muss. (15:04) Ich glaube, hier kann man es ein bisschen ruhiger angehen, (15:09) aber dafür umso nachhaltiger arbeiten (15:12) und natürlich schauen, möglichst viele Personen mit ins Boot zu holen, (15:19) die an dieser Entwicklung dann für die Zukunft mitarbeiten können. ˧


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(15:25) Geht so? (15:26) Geht so, jetzt kann ich es wieder abmachen. (15:31) Ich muss es jetzt abschneiden. (15:33) Naja, es sind 16 Minuten. (15:37) Okay, gut, danke. ˧