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Willkommen im Globalen Dorf / 66 KI am Rand |
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Einen schönen Morgen am 24.2.2026 - oder einfach hallo, wenn Ihr diese Sendung irgendwann nachhört - hier ist Franz Nahrada aus dem schönen Bad Radkersburg mit der 66. Folge von Willkommen im Globalen Dorf, der Sendung für eine andere, dezentrale und friedliche Zukunft. Nunmehr auf Radio Helsinki. ˧ Die heutige Sendung beschäftigt sich ausführlicher mit dem Thema "künstliche Intelligenz" und knüpft in gewisser Weise an die Sendung 46 vom November 2023 an, in der ich angesichts des damaligen Chat GPT Booms und der Debatten über die sich ständig selbst verbessernde Superintelligenz und die Idee, diese an die Kandarre eines programmierten "Alignments" zu machen, die Naivität dieser Vorstellungen kritisierte - aber nicht um die Künstliche Intelligenz abzulehnen, sondern schon damals im Sinn eines ontologischen Alignments die Vision einer quasi aus eigenem Wissen in Symbiose mit den Menschen gehenden KI zu skizzieren. ˧ Seither ist unglaublich viel passiert, vor allem das Buch "Zwei Intellekte – Eine Welt - Über Mensch, Maschine und das gemeinsame Denken" meines Freundes Helmut Leitner hat letztes Jahr entscheidendes für die Vertiefung des ontologischen Alignments geleistet, während im Vordergrund natürlich die alten Debatten immer noch weiterlaufen, sich aber an der Wucht der politökonomischen Titanenkämpfe blamieren, mit denen die KI - Entwicklung in Richtung eines neuen universellen Herrschaftsinstrumentes getrieben wird. Doch im Hintergrund bilden sich immer mehr und feinere Netze, eben auch Imagozellen, die sich auf das ontologische Alignment einstellen und genau wissen dass wir dafür eine gewaltige Machtverschiebung, eine neue technologische Infrastruktur und vor allem auch ein Training für soziale Dialogfähigkeit in Hinblick auf lokale Gemeinschaftsbildung brauchen. ˧ Die heutige Sendung möchte dazu einen Beitrag leisten. ˧
Ja angesichts der ins Rutschen und Wanken gekommenen Weltordnung möchte ich vorher noch einen Höhepunkt oder besser gesagt Tiefpunkt der politischen Entwicklung der letzten Wochen kommentieren, die scheinbar so europafreundliche Rede des US‑Außenministers Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Nichts scheint mir die Haltlosigkeit der bestehenden Weltordnung so sehr zu demonstrieren als dieser mit standing ovations der gesamten anwesenden Europäischen Eliten bedachte Speech, der die unverbrüchliche transatlantische Verbundenheit für eine grundlegende Reform der globalen Ordnung zugunsten eines „christlich geprägten Westens" beschwor. Was nur wenigen aufgefallen ist: genau die Macht, die nach dem Zweiten Weltkrieg Großbritannien, Frankreich, die Niederlande und andere Mächte zur Entkolonialisierung drängte, idealisiert plötzlich das koloniale Erbe Europas. Rubio trat nicht etwa als Kubaner und nicht einmal nur als Amerikaner auf, sondern als später Nachkomme eines gewissen Genuesen namens Kolumbus, der im quasi‑zivilisatorischem Auftrag der spanischen Krone agierte. Ein derartiges Schmierentheater hätte ich in meinem Leben nicht für möglich gehalten, aber es illustriert den geistig - moralischen Rückschritt unserer Zeit perfekt. Als ob es nicht den gerade von den USA forcierten Zerfall der Kolonialreiche gegeben hätte, als ob die EU nicht zumindest eine postimperiale Ideologie der Überwindung alter kolonialer Rivalitäten pflegte, wird eine nostalgische Erinnerung abgerufen und werden die Schlächtereien an Abermillionen Menschen und die koloniale Ausbeutung der Welt als "angebliche Sünde" entschuldigt. Und die Herrschaften im Saal spenden tatsächlich stehend Beifall! Kurzum: Wenn ein US‑Außenminister einem imaginären "wieder erstarkenden" Europa plötzlich sein koloniales Gewissen reinwaschen will, wirkt das wie ein Zaubertrick, bei dem der Magier erst das Kaninchen erschießt und dann behauptet, es sei nie im Hut gewesen. Oder als würde ein Feuerwehrmann Benzinkanister verteilen und zur Brandprävention aufrufen. Und das Publikum klatscht begeistert, als wäre gerade Weltgeschichte und nicht nur Weltvergessenheit aufgeführt worden.“ ˧ Ich bringe das bewusst als Einleitung, um daran zu erinnern wie heruntergekommen die menschliche Intelligenz heutzutage ist. Und vor diesem Hintergrund gehts jetzt weiter zur künstlichen Intelligenz. ˧
Vielleicht ist es genau nach solchen intellektuellen Offenbarungseiden angebracht, sich daran zu erinnern, dass der Mensch schon immer dann zur Technik griff, wenn sein eigener Verstand im Nebel stochert.Die Kybernetik wurde nicht geboren, weil jemand die Seele der Maschinen erforschen wollte, sondern weil die menschlichen Bediener von Flugabwehrkanonen im Zweiten Weltkrieg Radardaten nicht schnell genug verarbeiten konnten. Die ersten Rechenmaschinen wurden nicht erfunden, um Gedichte zu analysieren, sondern um ballistische Kurven zu berechnen. Die frühen neuronalen Netze entstanden nicht aus philosophischer Neugier, sondern aus der Frage, wie man Raketen zuverlässiger trifft und Gegner effizienter überwacht. Künstliche Intelligenz ist also kein Kind der Aufklärung, sondern ein Nebenprodukt der menschlichen Unfähigkeit, die Gewalt- und Geschäftsangelegenheiten der maßgeblichen Subjekte ohne Rechenhilfe zu organisieren. ˧ Bevor KI zur großen Zukunftsverheißung wurde, war sie vor allem eines: ein technisches Stützrad für die Überforderung des Homo sapiens durch sein eigenes wachstums- und geschwindigkeitsgeschriebenes Gesellschaftssystem, das sich ja längst auch zur Megamaschine entwickelt hat. Künstliche Intelligenz ist also nicht vom Himmel gefallen, sondern stammt aus denselben Werkstätten, in denen man seit jeher versucht, mit Algorithmen das zu kompensieren, was menschliche Aufmerksamkeit, Präzision und Nervenstärke im Ernstfall nicht leisten können. ˧ Und wie immer, wenn der Mensch etwas erfindet, das seine Schwächen ausgleicht, dauert es nicht lange, bis jemand auf die Idee kommt, damit Geschäfte zu machen. Aus militärischen Rechenhilfen wurden industrielle Steuerungen, aus industriellen Steuerungen wurden digitale Assistenten, und aus digitalen Assistenten schließlich jene Systeme, die heute unsere kognitiven Routinen übernehmen. Was als Notlösung für Radaroperatoren begann, wurde zum Geschäftsmodell: erst ‚Software unterstützt Menschen‘, dann ‚kognitive Prozesse werden algorithmisch externalisiert‘. Eine logische Entwicklung – und doch eine, die eine ganze Epoche umkrempelt, weil sie die Grenze zwischen menschlicher und maschineller Denkarbeit neu zieht. ˧ Der entscheidende Punkt, die Grundlage dieser ganzen Entwicklung, ist hier: dieselben Verfahren, die einst ballistische Kurven berechneten, konnten plötzlich auch etwas anderes: sie konnten Sprache verarbeiten – und damit das Rohmaterial, aus dem unser gesamtes Wissen besteht. Und das ist nicht nur logisch, sondern epochemachend. Denn hier beginnt das eigentliche Wunder: die Idee, Sprachmodelle zu bauen, die das Wissen von Millionen Menschen in statistische Strukturen übersetzen. ˧ Wie ist dieses Wunder gelungen? Indem man etwas tat, das in der Geschichte der Technik selten vorkommt: Man hat nicht versucht, Intelligenz nachzubauen – man hat versucht, Wissen zu komprimieren. Und zwar nicht als Lexikon, nicht als Datenbank, sondern als Muster. Sprachmodelle sind keine Papageien, die zufällig Wörter würfeln. Sie sind gigantische Destillationsapparate, die aus Milliarden von Sätzen jene abstrakten Strukturen herausfiltern, die Menschen beim Denken, Schreiben und Argumentieren verwenden. Sie damit sind die algorithmische Verfestigung kollektiver Erfahrung. Und genau deshalb können sie Dinge, die kein Papagei der Welt könnte: sie können generalisieren, abstrahieren, kombinieren. ein gigantischer Musterkompressor. Sie lesen nicht „Inhalte“, sondern erkennen Strukturen: Wie Begriffe zusammenhängen, wie Argumente aufgebaut sind, wie Erklärungen funktionieren, wie Geschichten beginnen und enden. Aus dieser statistischen Verdichtung entsteht ein Modell der Sprache, das nicht nur wiederholt, was es gesehen hat, sondern neue Kombinationen erzeugt, die den Mustern menschlicher Kommunikation folgen. Deshalb kann ein Sprachmodell Fragen beantworten, Zusammenhänge herstellen oder Texte generieren, die wie Denken wirken – obwohl es selbst nicht denkt. ˧
Der eigentliche Trick der Sprachmodelle besteht also darin, dass sie gerade nicht versuchen, die Welt zu verstehen, sondern vielmehr die Art und Weise, wie Menschen über die Welt sprechen. Sie lernen nicht Fakten, sondern die Form, in der Fakten typischerweise auftreten. Sie lernen nicht Logik, sondern die sprachlichen Muster, in denen logische Schlüsse formuliert werden. Und sie lernen nicht Kreativität, sondern die statistischen Strukturen, aus denen kreative Texte bestehen. Das Entscheidende ist: Diese Muster sind nicht trivial. Sie enthalten die sedimentierten Erfahrungen von Millionen Menschen, die über Jahrzehnte oder Jahrhunderte hinweg Texte produziert haben. Ein Sprachmodell ist also eine Art algorithmische Destillation kollektiver Erfahrung. Es ist ein Werkzeug, das die Form menschlicher Kognition nachbildet, ohne deren Inhalt zu besitzen – und genau darin liegt seine Macht. ˧ Die philosophische Pointe daran ist, dass Mustererkennung plötzlich wie Denken wirkt. Und das ist eben nicht einfach reiner Schein, sondern zum Teil eine sehr brutale Form der Aufklärung über uns selbst. ˧ Der Mensch überschätzt gern die Einzigartigkeit seiner geistigen Fähigkeiten. Doch ein großer Teil dessen, was wir „Denken“ nennen, besteht aus Mustererkennung: ˧ - Wir erkennen Analogien. - Wir schließen von Beispielen auf Regeln. - Wir kombinieren Bekanntes zu Neuem. - Wir füllen Lücken mit plausiblen Vermutungen. ˧ Sprachmodelle tun genau das – nur in einem Maßstab, der für einzelne Menschen unmöglich ist. Sie erkennen Muster in Milliarden von Sätzen, während wir Menschen im Alltag vielleicht ein paar tausend bewusst verarbeiten und unbewusst noch ein bis zwei Zehnerpotenzen mehr davon mitschleppen . Deshalb wirken die Antworten der Srachmodelle oft „intelligent“: Sie reproduzieren nicht Inhalte, sondern die Formen, in denen Menschen Intelligenz ausdrücken. Und weil diese Formen selbst das Ergebnis kultureller Evolution sind, entsteht der Eindruck von Verstehen, wo in Wahrheit nur extrem verdichtete Statistik am Werk ist. ˧ Das ist kein „stochastischer Papagei“. Das ist ein Spiegel, der die Muster unseres Denkens zurückwirft – manchmal klarer, als wir selbst es könnten. ˧ Hier beginnt aber der eigentliche Umbruch. ˧ Wir leben seit Jahrhunderten in einer Wissensordnung, die auf Speicherung beruht: ˧ Sprachmodelle brechen dieses Paradigma auf. Sie speichern Wissen nicht – sie berechnen es immer wieder neu. Sie erzeugen Antworten, die nicht irgendwo abgelegt waren, sondern aus Mustern rekonstruiert werden. Das verändert alles: ˧
Das ist der eigentliche Paradigmenwechsel. ˧ Und genau hier öffnet sich der Raum für die nächste große Frage: ˧ Was passiert, wenn eine Gesellschaft beginnt, Teile ihrer kognitiven Arbeit auszulagern – nicht an Menschen, sondern an Maschinen? ˧
Und genau dort beginnt die eigentliche Debatte über KI. ˧
Ich möchte zur Auflockerung für die Weiterführung der inhaltlichen Debatte ein durchaus noch etwas kitschiges KI Produkt einspielen.... ˧
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