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Willkommen im Globalen Dorf / 65 Die Große Frage |
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Themenfelder Reindustrialisierung, Künstliche Intelligenz, GlobaleDörfer
/Recherche /Gliederungsvorschlag KI ˧ ˧Zusammenfassung fürs Programm: ˧
Liebe Hörerinnen und Hörer, hier ist wieder Franz Nahrada - und immer noch aus Wien, wo ich mich seit 22. November mit verschiedenen Baustellen auseinandersetze, von medizinischen Checkups über interessante Konferenzen und internationale Events bis zur Pflege alter freundschaftlicher und nachbarschaftlicher Netzwerke und meines Wiener Haushalts....Ja und weil heute am 30. Dezember schon der fünfte Dienstag ist, heißt es sich auch an den Rhythmus von Radio Helsinki zu gewöhnen und noch im alten Jahr eine Sendung zu machen. Ja und die ist sowieso dringend notwendig. ˧
Das letzte Mal hab ich einen positiven und wertschätzenden Blick auf die vielen Kräfte des Wandels geworfen, über sogenannte IMAGO-Zellen gesprochen – über kleine, oft noch unscheinbare Keimformen einer anderen Gesellschaft. Orte, Projekte, Gemeinschaften
Diese Debatte wurde unversehens aktualisiert, als ich am 15. Dezember zur Generalversammlung des Vereines GIVE
Was ist damit in unserem Kontext gemeint, mit diesem "Vom An Sich" zum "Für Sich"? Es bedeutet die eigene Tätigkeit im Kontext wahrzunehmen. Und das ist genau das Problem: Das Neue existiert bereits – aber es weiß es noch nicht, nimmt es nicht wahr, praktiziert es noch nicht wirklich. „Dorf“ – das ist kein nostalgisches Wort. Es ist schlicht und einfach eine Größenordnung für Menschlichkeit. Ein Maßstab, der die richtige Balance schafft - zwischen Nähe und Vielfalt, zwischen persönlicher Verantwortung und kollektiver Kraft. ˧ Ich habe letztens gezeigt, wenn auch nur andeutungsweise: überall entstehen neue Dörfer – physische und virtuelle, urbane und ländliche. ˧
Gemeinschaften Wo Natur hilft Identitäten zu vereinen. In Bioregionen zu verorten, lebenden Zelle auf der Oberfläche der Erde, deren Grenzen keine unsichtbare oder tatsächliche Mauern sind, sondern durchlässige, atmende Membranen. Inseln der Kohärenz im Ozean der Trennung. Wo wir wiederentdecken dass Heimat niemals ein Substantiv war, das es zu erobern, sondern ein Angebot, das es zu leben galt. ˧
Wo Menschen in lokaler oder regionaler Gemeinschaft kleine und auch größere Kraftwerke selbst bauen auf der Grundlage global geteilten Wissens,
Wenn ein deutsches Bioenergiedorf Verbindung aufnimmt mit einem afrikanischen Permakulturprojekt:
Sobald ein Dorf, eine Stadt, eine Schule, ein digitales Gewerk
sagt: „Ich übernehme meinen Anteil an der Verantwortung für das Ganze.“
Und hier hat sich unversehens ein neuer Faktor ins Geschehen eingebracht. ich bin nach kurzer aber intensiver Auseinandersetzung mit den Potentialen der künstlichen Intelligenz zu dem Schluss gelangt, dass KI als Dialogpartnerin für die Entwicklung wahrhaft gemeinschaftlicher Intelligenz in dieser Evolution eine entscheidende Rolle spielen wird. Ich träume von KI-Systemen die lokal trainiert, lokal integriert und lokal genutzt werden. Sie sollen nicht für uns entscheiden, sondern erinnern, vernetzen, übersetzen, warnen.
Sie sind Spiegel dessen, was wir sind:
Und das ist auch dann wahr, wenn wir nach neuen technologischen Grundlagen suchen müssen, denn der derzeitige Material- und Energiehunger der KI - Konzerne reiht sich in die die am wenigsten nachhaltigen und bei weitem destruktivsten ökonomische Entwicklung der Menschheitsgeschichte ein. ˧
Einer der Gründe, warum ich sieben winterliche Wochen in Wien verbringe, ist die alle zwei Jahre stattfindende Generalversammlung eines Vereines, dessen Wurzeln auf das Jahr 1992 zurückgehen, auf einen langen Spaziergang mit Josef Hochgerner dem Gründer des Zentrums für Soziale Innovation. Ich brachte meine bahnbrechenden Entdeckungen aus den USA mit, eien Sozialwissenschaft die - wie Technik und Ingenieurskunst und natürlich parallel zur Technikentwicklung - sich mit der Entwicklung von "Sozialen Innovationen" beschäftigen sollte. Das war für damalige Begrifflichkeiten revolutionär, es gab zwar "teilnehmende Beobachtung" und "Aktionsforschung", aber das gesamte Wissenschaftsverständnis auf bewusster Ko-Entwicklung des Gegenstandes durch eine transdisziplinäre Community of Theory and Practise aufzubauen, wie es mich in Stanford bei unserer kurzen Begegnung Douglas Engelbart gelehrt hatte, das war damals noch jenseits des akademischen Wissenschaftsverständnisses. ˧ Das "transdiziplinär" bedarf einer Erklärung. Ich habe in den USA - wahrscheinlich auch nicht repräsentativ, aber doch faszinierend - gesehen, wie Benutzergruppen zukünftiger Technologie einbezogen wurden - nicht einfach als "marktforschung", sondern durchaus im Sinn von "Mitgestaltung". Nicht nur die Experten wissen was - manchmal kommt der entscheidende Anstoß eben von sogenanten Laien. Sozialwissenschfter werden gebraucht, um diese sozialen Perspektiven zu sammeln und einzubringen. ˧
Offensichtlich war Josef Hochgerner von der Idee angetan, er lud mich in die Gründergruppe des ZSI ein und bot mir an, ein "Labor" im ZSI aufzubauen, das sich mit der sozialen Gestaltung der aufkommenden Kommunikations- und Informationsgesellschaft beschäftigen würde. Mir war schon damals klar, dass die Forschungs- und Entwicklungsarbeit sprich Entwicklungsziel dieses Labors um das physisch - räumliche Bild des der Informationsgesellschaft adäquaten Lebensraumes und die paradoxe Rückspiegelung der globalen Möglichkeiten ins Sozial - Lokale kreisen müsste. Mit meinem visionären Freund Hannes Wolf, den ich via Apple Community kennengelernt hatte, bastelte ich damals das Akronym "GIVE Es ist als umfassend funktionierende Siedlungs- und Lebensform heute sicher kein fertiges vorfindbares Objekt, sondern ein Desiderat - aber eben keine bloße Wunschvorstellung; vielmehr ein Muster, das heute bereits an vielen Stellen deutliche Konturen zeigt, und das als Elementarform einer künftigen planetaren Gesellschaft samt seinen entwickelten Formen (vielleicht "Landstadt", "Bioregion" etc.) überragende Bedeutung haben könnte. ˧ Wir nähern uns diesem Muster an durch Bilder, Geschichten, Erfahrungen, aber auch durch Begriffe, Diagramme und Simulationen. Und vor allem durch das Experiment. Die Analogie ist das Flugzeug, das auch aus Teilen sinnvoll konstruiert und getestet werden musste, um letztlich "fliegende" Realität zu werden, und auch visionäre Phantasie spielt eine entscheidende Rolle in diesem Konstruktionsprozess. Die Einbeziehung von künftigen Nutzern mag luxuriös erscheinen, ich denke sie könnte viel Aufschluss geben über Dinge die man besser machen kann. Aber wenn wir einen Gegenstand wie das Globale Dorf haben, dann ist diese Einbeziehung elementar. ˧
Die Sehnsucht nach urbaner Lebensqualität im ländlichen Raum ist die Sehnsucht von Menschen, die weder die Enge der Stadt noch die Vereinzelung des Landes wollen. Sie manifestiert sich primär in neuen Räumen sozialer Dichte, Räumen für Begegnung, Kooperation Wichtig ist dass wir davon ausgehen können überreichlich viele und ganz verschiedene Bausteine dafür in der Hand zu haben. ˧ Im Unterschied zum Flugzeug haben wir es mit einem Lebensraum zu tun, der durch die Kombination von lokaler Verwurzelung und globaler Vernetzung viele Bedürfnisse vieler Menschen zugleich erfüllt.Im Flugzeug kommt es darauf an, dass es uns sicher und verlässlich durch die Lüfte von A nach B bringt. Alles andere ist Beiwerk. Im Globalen Dorf erwarten wir dass wir wir uns wirklich dauerhaft zu Hause fühlen, dass uns nichts was unser Leben ausmacht wirklich abgeht. ˧
Das ist der ungewöhnliche Charakter von GIVE
Leider war - wie man unschwer erraten kann - die Ehe mit dem ZSI nicht so harmonisch, vor allem störte mich dass es im ZSI eine klare Priorität von Auftragsforschung gegenüber selbst definiertem Forschungsziel gab, mit einer Lawine von Sachzwängen die ich zunehmend als störend empfand (Umstrukturierung in Departments, Overheadverpflichtung, Zwang sachfremde Projekte zum Überleben der Struktur zu sammeln.). Und so sammelte ich im Februar 1998 über 20 Freunde und gründete eben jenen Forschungsverein, der mehr oder weniger aktiv bis zu diesem Tag - bald 28 Jahre - überlebt hat.
GIVE Daher war die diesjährige Generalversammlung am 15. Dezember mit ein wenig mehr Aufwand als sonst als Einladung auch an Außenstehende gestaltet. Ich wollte das große Netzwerk das wir über unsere Global Village Veranstaltungen und die vielen Folgeprojekte latent noch da ist, zu aktivieren versuchen. ˧ Doch zunächst gab es auf der Generalversammlung einen - hoffentlich noch sehr produktiven Streit - vor allem mit Freunden aus der Digital Society (jetzt 4Future), der uns zurückführt zum Thema dieser Sendung. ˧ In einer intensiven Debatte ging es um die Rolle der künstlichen Intelligenz, um die Zukunft der Arbeit – und um dievon unseren Freunden geäußerte Hoffnung, dass KI und Robotik den Niedriglohnsektor überflüssig machen und Produktion von China wieder nach Europa zurückholen könnten. Bildungsoffensive statt Billigarbeit, so die optimistische These. ˧ Dem habe ich vehement widersprochen. Nicht aus Technikfeindlichkeit – im Gegenteil. Sondern aus der Einschätzung, dass künstliche Intelligenz nicht nur einzelne Arbeitsplätze, sondern das Prinzip Arbeit selbst infrage stellt. Dass Rationalisierung heute nicht mehr an der Fabrikhalle endet, sondern auch Organisation, Verwaltung, Planung, ja sogar Sinnproduktion erfasst. ˧ Und dass wir es deshalb nicht nur mit einer Arbeitsmarktfrage zu tun haben, sondern mit einer Zivilisationsfrage ˧
Bevor wir in diese Frage tiefer einsteigen, müssen wir noch ein wenig bei der Kontroverse bleiben. Nicht, um sie zu entscheiden, sondern um sie verständlich zu machen. ˧ Die optimistische Position unserer Freunde lässt sich wie gesagt zugespitzt so zusammenfassen: Künstliche Intelligenz und Robotik werden vor allem einfache, schlecht bezahlte Arbeit ersetzen. Dadurch steigt die Produktivität, Produktion kann wieder nach Europa zurückkehren, und mit einer massiven Bildungsoffensive werden neue, qualifiziertere Arbeitsplätze entstehen. ˧ Das ist eine Position, die intuitiv beruhigend wirkt. Sie knüpft an ein vertrautes Muster an: Technischer Fortschritt zerstört zwar alte Jobs, schafft aber neue – am Ende bleibt die Arbeitsgesellschaft erhalten. ˧ Das Problem ist: Genau dieses Muster greift diesmal zu kurz. ˧ Der erste Zweifel betrifft den Umfang der Rationalisierung. ˧
Künstliche Intelligenz automatisiert nicht nur Ausführung, sondern auch Planung, Koordination, Analyse und Entscheidungsvorbereitung. Also genau jene Tätigkeiten, die bislang als „sicher“ galten. Es gibt keinen klar abgegrenzten Sektor, der verschont bleibt. Deshalb ist die Vorstellung, man könne die Effekte auf den Niedriglohnsektor begrenzen, analytisch kaum haltbar. ˧ Der zweite Zweifel betrifft die Bildungshoffnung. ˧ Bildung ist zweifellos notwendig – aber sie ist keine Wunderwaffe. Wenn 30 % der Menschen bereits heute funktionale Analphabeten sind, dann zeigt das nicht nur ein Bildungsproblem, sondern ein strukturelles Überforderungsproblem. Eine Gesellschaft, die immer höhere Qualifikationsniveaus voraussetzt, ohne ihre Grundlogik zu ändern, produziert zwangsläufig Ausschluss. ˧ Der dritte Zweifel betrifft die globale Realität. ˧ Die Annahme, Europa könne durch Automatisierung einfach zu China aufschließen oder es überholen, unterschätzt die bestehenden technologischen, organisatorischen und geopolitischen Asymmetrien. Es geht hier nicht um einzelne Fabriken, sondern um integrierte Systeme aus Staat, Industrie, Daten und Infrastruktur. ˧ Aus diesen Gründen erscheint die optimistische Position einfach unrealistisch. Sie unterschätzt die Tiefe des Umbruchs, den KI auslöst. Freilich teilen wir viele wichtige Anliegen: denn unsere Freunde benannten etwas sehr Wichtiges: den Wunsch nach sozialer Stabilität, nach Teilhabe, nach einer Zukunft, die nicht in Massenüberflüssigkeit mündet. In diesem Sinn haben auch mehrere Mitdiskutanten zu vermitteln versucht, für ein neues, partizipatives Lernen plädiert. Gerhard Berka hat das mit seinem Statement sehr schön repräsentiert: "Wir haben eher eine Gesellschaft der Angst. Jeder hat Angst etwas zu tun - doch nur aus spontaner Tat entsteht unternehmerische Aktivität". ˧ Ein weiterer Punkt der uns wahrscheinlich eint ist der : Künstliche Intelligenz ist nicht per se das Problem. Die Frage ist, in welchen gesellschaftlichen Rahmen sie eingebettet wird und welchen Zielen sie dient. ˧ Wir sehen ganz eindeutig: sie ist natürlich heute noch sehr stark in einen steuerungs- und marktförmigen Rahmen eingebettet. Die Idee, dass KI weniger Produktivitätsmotor, sondern ein vielgestaltiges Koordinations-, Lern- und Pflegeinstrument für Lebensfähigkeit werden könnte, ist hingegen noch eine Minderheitenposition. ˧ Vielleicht liegt die eigentliche Aufgabe nicht darin, eine der beiden Positionen „gewinnen“ zu lassen, sondern darin, den Raum zwischen ihnen produktiv zu machen: Denn genau dort entstehen jene IMAGO-Zellen, von denen wir gesprochen haben: nicht als Ideologie, sondern als Antwort auf eine Realität, die sich schneller verändert, als uns lieb ist. ˧ Auch wenn wir die optimistische Position für unzureichend halten – sie ist nicht illegitim. Sie ist eine von mehreren rationalen Reaktionen auf eine Situation, die für alle neu, unübersichtlich und beunruhigend ist. ˧ Menschen, Institutionen und Organisationen versuchen auf unterschiedliche Weise, Handlungsfähigkeit zu bewahren. Manche setzen darauf, bestehende Systeme zu stabilisieren und zu reformieren. Andere suchen nach neuen Formen des Zusammenlebens, jenseits der gewohnten Strukturen. Beides sind zunächst valide Strategien, keine moralischen Fehlhaltungen. ˧ Wenn ich, wenn wir in Zusammenhang mit Globalen Dörfern von Rettungsbooten sprechen, dann meinen wir das nicht abwertend. Im Gegenteil. Die Metapher gibt viel mehr her als man glaubt! ˧ Rettungsboote sind dort notwendig, wo das große Schiff manövrierunfähig geworden ist. Sie sind provisorisch, verletzlich – aber sie sind auch konkret, handlungsfähig und lebensnah. Man kommt mit ihnen nicht weit, aber jedenfalls geht man nicht unter. ˧
Wo die Metapher dann doch nicht so viel hergibt ist folgendes: Das Entscheidende ist: Rettungsboote sind nicht einfach ein gelungener Rückzug, sondern nötigen zur sofortigen und flexiblen Verantwortungsübernahme. Menschen organisieren Versorgung, Kooperation Und genau hier kommen wir zu einer nächsten, entscheidenden Frage: Können solche Rettungsboote mehr sein als temporäre Notlösungen? Können sie – bei allen Defiziten, über die wir noch sprechen werden – zu tragfähigen Fundamenten einer zukünftigen Gesellschaft werden? ˧ Globale Dörfer sind einerseits die Antwort auf akute Krisen: auf Abwanderung, Vereinzelung, ökologische Zerstörung und den Verlust regionaler Wertschöpfung. Andererseits tragen sie den Anspruch in sich, dauerhafte Strukturen zu sein – Orte, an denen Gemeinschaft, Natur und Technologie in ein neues Gleichgewicht gebracht werden, an denen es sich dauerhaft besser lebt als in den Städten. ˧ Doch kann man zu Recht monieren, dass hier noch Entscheidendes fehlt. Wenn wir von Globalen Dörfern als Rettungsbooten sprechen, dann dürfen wir uns nichts vormachen: Rettungsboote sind notwendig – aber sie sind kein Beweis dafür, dass schon alles funktioniert. Sie sind Versuche unter widrigen Bedingungen. Und genau deshalb müssen sie sich einer ehrlichen Prüfung stellen. ˧
Eine der wichtigsten Fragen für die Möglichkeit globaler Dörfer, die dabei oft zu wenig gestellt wird, lautet: ˧ Dürfen Menschen überhaupt wieder eigenständig für sich sorgen – gemeinsam, organisiert, außerhalb des Marktes? ˧ Denn eines der größten, meist unsichtbaren Hindernisse für gemeinschaftliche Selbstversorgung ist nicht Technik, nicht Motivation, nicht Wissen – sondern die totale Monetarisierung von Arbeit. ˧
Wenn jede sinnvolle Tätigkeit sofort steuerlich, sozialversicherungsrechtlich oder bürokratisch als Einkommen behandelt wird, dann wird organisierte Eigenarbeit und kollektive Selbstversorgung faktisch verhindert. Ein Globales Dorf braucht daher nicht nur Werkzeuge und Ideen, sondern Rechtsräume, in denen Menschen wieder etwas tun dürfen, ohne dass sofort ein Markt daraus gemacht wird. Es müssen Rechtsgüter abgewogen werden: wenn der Sozialstaat immer schwieriger zu finanzieren ist, wenn der Lebensstandard von Menschen angesichts schwindender Einkomensmöglichkeiten sinkt - ist es da nicht sinnvoller wenn sie einander helfen, ohne dass überall der staatliche Säckelwart mitkassieren muss? Es ist auf der Ebene der Familien geregelt dass Haushaltsarbeit nicht besteuert werden kann, denn sie führt zu keinem direkten monetären Ertrag. Aber das Konstrukt der Familie als kleine Versorgungsgemeinschaft als Gegenseitigkeit lebt auch wiederum davon, dass es im Haushalt irgendwo ein monetäres Einkommen gibt. Was ist wenn das ausfällt? Wieviel kompensatorische Leistungen muss, kann, will der Staat erbringen um diesen Ausfall zeitweise oder dauerhaft aufzufangen? ˧ Hier stellt sich schon die Frage: Warum nicht eine neue Sozialpartnerschaft mit dem Selbstversorgungssektor einrichten, wie es bei den freiwilligen Feuerwehren doch auch problemlos möglich ist - allerdings nur in wenige Ländern zu denen immerhin Österreich gehört? Das sind sicherlich komplexe Fragen, die aber so gut wie nirgends praktisch - experimentell durchgespielt werden können, weil sie den Horizont der herrschenden Wirtschaftsweise wesentlich weiter überschreiten als etwa das sogenannte "bedingungslose Grundeinkommen", von dem niemand wirklich weiß wer es bezahlen soll. ˧
Ich lass diese Frage einmal im Raum stehen, und gehe gleich weiter zu den weiteren Schwächen, denen wir uns stellen müssen – nicht um das Projekt kleinzureden, sondern um es realistisch tragfähig zu machen. ˧
Es reicht nicht, gute Ideen zu haben.
Vieles, was heute als lokal gilt, hängt in Wahrheit an globalen Lieferketten, Clouds und Konzernen. Ohne echte technische Souveränität – Reparaturfähigkeit, offene Standards, regionale Produktionskompetenz – bleibt das Dorf lokal im Gefühl, aber global abhängig. Die Produktionsmittel in kleinem Maßstab sind selbst schwierig zu produzieren, offene Hardware ist ein Risiko. je mehr man hinsieht, umso mehr Teufelchen tauchen auf, ich möchte das mal an verschiedenen Aspekten des 3 D Drucks erläutern. ˧
So hat etwa die legendäre Firma 3 D Drucker Firma Prusa in Tschechien ihren Open‑Hardware‑Anspruch deutlich zurückgefahren, mit dem Argument dass vollständig veröffentlichte Hardware‑Designs es Billigkopien sehr leicht machen, die eigene Entwicklung zu kopieren und günstiger zu verkaufen, ohne in Forschung und Entwicklung zu investieren. Fest steht: Lokale Resilienz ohne technische Souveränität ist Theater. Deshalb brauchen wir nicht nur ‚mehr Handwerk‘ – sondern gemeinwirtschaftliche Technologieentwicklung: Open-Source-Hardware, Reparaturzentren in jeder Gemeinde, Schulen als Orte, an denen Kinder lernen, nicht nur zu konsumieren – sondern zu gestalten. Und große Kooperationen von den Dimensionen der Fab City Hamburg. ˧
Vielleicht ist der entscheidende Punkt dieser ganzen Debatte folgender:
Globale Dörfer sind weder die Lösung noch der Rückzug.
In den letzten Wochen und Monaten habe ich mit vielen Freunden, vor allem mit Helmut Leitner, in eine rasante und unerwartete Entwicklung der KI geblickt.. Mit den Worten des Philosophen Markus Gabriel: "KI-Systeme beginnen, Sprache nicht mehr nur als Medium von Wissen, Argumentation und Wirklichkeitsbeschreibung zu behandeln, sondern sie lesen immer gekonnter unsere emotionalern Signale. Sie erkennen affektive Muster, lesen zwischen den Zeilen und nähern sich damit jenem Bereich, den wir lange als letzte Bastion des Menschlichen verstanden haben: unseren Gefühlen, inneren Spannungen und unausgesprochenen Regungen."
Meine und vielleicht unsere Schlussfolgerung: Statt einer KI, die für uns denkt oder uns das Denken abgewöhnt, könnte eine KI entstehen, die uns hilft, besser gemeinsam zu denken – damit wir gemeinsam besser handeln können. oder noch radikaler: Wie können wir mit KI gemeinsam eine Welt bauen, in der beide – Mensch und Maschine – besser werden und gleichzeitig die Brücke zur Kooperation Auf dem Weg zu einer vernetzten Welt globaler Dörfer könnte KI wesentliche Vermittlungsfunktuionen übernehmen, indem sie nicht als Führungsinstanz, nicht als Ersatz für Politik, sondern als kooperatives Werkzeug fungiert, ˧
Und so ist es am Schluss gerade deshalb wichtig, am Ende den Blick wieder von der KI wegzunehmen – und zurück auf das zu richten, worum es hier eigentlich geht. ˧ Künstliche Intelligenz kann vieles leisten. Sie kann erinnern, übersetzen, Muster sichtbar machen. Sie kann uns helfen, Zusammenhänge zu sehen, die wir alleine übersehen würden. Sie kann den Imago Zellen helfen ihr Gewebe zu bilden. ˧ Aber sie kann uns nicht abnehmen, was die eigentliche Aufgabe ist. ˧ Denn die zentrale Frage lautet nicht: Was kann KI für uns tun? Sondern: Welche Gesellschaft wollen wir überhaupt sein? ˧ Die Mission der Globalen Dörfer ist in diesem Sinn keine technische Vision. Sie ist eine zivilisatorische. ˧ Es geht darum, wieder Orte zu schaffen, ˧
Die Maschine kann unsere Reichweite vergrößern. Aber Sinn, Richtung und Maßstab entstehen nur dort, wo Menschen gemeinsam handeln. ˧
Vielleicht ist das der Punkt, an dem sich alles bündelt:
Nicht in der Frage, wie intelligent unsere Maschinen werden – sondern ob wir als Gesellschaft wieder lernen, tragfähige Gemeinschaften Die Globalen Dörfer sind kein Versprechen auf Erlösung. Aber sie sind ein Angebot: ˧ Und genau daran wollen wir weiterarbeiten. In Bad Radkersburg, in Wien und anderswo. ˧
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