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Würdigung Der Verdienste Von Paul Weis


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Laudatio von Manfred Nowak

Würdigung der Verdienste von Paul Weis
(Auszüge)
„Wie ein Favoritner die Welt veränderte“

Festsaal der Bezirksvorstehung Favoriten, Keplerplatz 5, 19.11.2025

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bedanke mich bei den Initiatoren dieser Veranstaltung dafür, dass Sie mich eingeladen haben, die Verdienste des Favoritners Paul Weis zu würdigen, obwohl ich nie die Ehre hatte, ihn persönlich kennenzulernen. Die zivilgesellschaftliche Organisation „Courage 2030 – Allianz für Flucht und Vernunft“ unter Leitung von Katharina Stemberger verleiht seit dem Jahr 2023 den Paul-Weis-Preis für Verdienste um die Menschenrechte an bedeutende Persönlichkeiten und Organisationen, die sich für die Rechte von anderen und insbesondere für Flüchtlinge einsetzen. Trotzdem ist der Namensgeber weiterhin nur wenigen Menschen in Österreich vertraut. Bei der ersten Preisverleihung im September 2023 an der Universität für Angewandte Kunst hat der Leiter des Büros des UNO-Flüchtlingshochkommissariats in Österreich, Christoph Pinter, seine Rede mit den Worten beschlossen, es hätte keinen besseren Namenspatron für diesen Preis gegeben.

Über sein Leben ist nach wie vor nicht sehr viel bekannt, aber sein Wirken hat die Welt verändert. Paul Weis wurde am 19. März 1907 in eine gutbürgerliche jüdische Familie in Wien geboren. Sein Großvater David Weiß hatte 1865 in Aussig eine Likörfabrik gegründet und war 1869 nach Wien übersiedelt. Ab 1872 betrieb er eine Likörfabrik in der Buchengasse, die 1874 Teil des neu geschaffenen Bezirks Favoriten wurde…….

Der Humanist und „Vater des internationalen Flüchtlingsschutzes“ Paul Weis würde sich wahrscheinlich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, wie heute mit Flüchtlingen umgegangen wird....

Die Welt wird immer mehr von Diktatoren beherrscht (nur mehr 6,6% der Weltbevölkerung lebt in gut funktionierenden Demokratien), die ihre eigene Bevölkerung unterdrücken, willkürlich Kriege vom Zaun brechen und kaum wirksame Maßnahmen gegen die sich anbahnende Klimakatastrophe unternehmen oder sogar den Klimawandel offen in Frage stellen. Diese Umstände zwingen immer mehr Menschen zur Flucht, während die Solidarität mit Flüchtlingen in erschreckendem Maße abnimmt. Erst vor wenigen Tagen hat die britische Labour-Regierung ihre restriktive Flüchtlingspolitik weiter massiv verschärft.

Die Regeln der Flüchtlingskonvention und anderer menschenrechtlicher Verträge wie der Europäischen Menschenrechtskonvention, die zum Beispiel die Abschiebung von Menschen in Staaten verbieten, in denen eine begründete Furcht vor Folter oder Hinrichtung besteht, werden zunehmend ignoriert oder gar öffentlich in Frage gestellt.

Selbst der österreichische Bundeskanzler Christian Stocker hat einen offenen Brief von neun europäischen Staats- und Regierungschefs, initiiert von der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen und ihrer italienischen Amtskollegin Giorgia Meloni, mitunterzeichnet, in dem der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte unverblümt aufgefordert wird, die Anwendung des Refoulement-Verbots gegenüber straffällig gewordenen Flüchtlingen und Migrant:innen zu überdenken! Ganz zu schweigen von den vielen Rufen aus dem ganz rechten Lager, aus der Europäischen Menschenrechtskonvention oder der Genfer Flüchtlingskonvention auszutreten!

Statt diese extrem gefährliche Situation weiter eskalieren zu lassen, sollten wir alle – demokratische Regierungen und Parteien, die Wirtschaft und die Zivilgesellschaft – einmal innehalten, einen Schritt zurück treten und uns bewusst machen, in welchem Teufelskreis wir uns befinden, in Österreich, in Europa und in der Welt. Es wäre sinnvoll, einen Blick in die Geschichte zu werfen und uns zu überlegen, auf welchem schrecklichen Hintergrund die Vereinten Nationen vor 80 Jahren mit der gemeinsamen Zielsetzung „Nie wieder“ gegründet wurden, warum die Menschenrechte eine zentrale Rolle für die Sicherung des Friedens und einer nachhaltigen Entwicklung spielen und warum es notwendig ist, Flüchtlingen effektiven Schutz vor Verfolgung zu bieten.

Dabei ist es wichtig, Lichtgestalten wie Paul Weis vor den Vorhang zu holen und als Vorbild für eine neue Generation von Entscheidungsträger:innen in Erinnerung zu rufen. Vielleicht gibt es auch in der Zukunft wieder Favoritner, die die Welt im positiven Sinn verändern werden. Warten wir nicht, bis es wieder zu spät ist!