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Michael Völker

Der Standard

2. Jänner 2026

In Kärnten darf ein Neujahrsbaby offenbar nicht Ibrahim heißen.

Die feindseligen Reaktionen im südlichsten Bundesland sind das Ergebnis einer Politik, die auf Stimmungsmache statt auf Lösungen setzt

Kommentar

Das Neujahrsbaby in Kärnten heißt Ibrahim. Der kleine Bub, dessen Eltern aus Somalia stammen, aber seit vielen Jahren in Klagenfurt zu Hause sind, wurde mit Hass und Ablehnung begrüßt. Er und seine Eltern mögen sich doch bitte wieder schleichen, sie hätten hier nichts zu suchen.

Die sozialen Medien aber auch die Internetforen der Zeitungen, quollen über vor feindseliger Gehässigkeit. Da arbeiteten sich Menschen auch mit Klarnamen an einem Neugeborenen ab, dessen Fehler es offenbar ist, Ibrahim zu heißen, was ihn als nicht autochthonen Kärntner ausweist und stigmatisiert.

Wachsende Diversität

Diese Fremdenfeindlichkeit ist freilich kein Kärntner Phänomen, solche Menschen und Reaktionen gibt es in ganz Österreich. Die Neujahrskinder heißen quer durch die Bundesländer Alexander Heinz, Andrija, Malia Ella, Dzeneta, Luna, Elio, Valerie, Jan und eben Ibrahim. Das zeugt nicht nur von einer teils kreativen Namensgebung der Eltern, sondern auch von der Diversität unserer Gesellschaft. Migranten waren und sind ein in jeder Hinsicht starker Teil unserer Gesellschaft. Das kann man gut finden oder auch nicht, aber das ist die Realität. Und mit der muss man umgehen. Man kann sich entscheiden, ob man auf Hass und Feindseligkeit setzt, oder auf Vermittlung und Entgegenkommen. Das nennt man dann Integration, ein Abwägen von Fordern und Fördern.

Das Trennende im Vordergrund

Die Politik geht mit keinem guten Beispiel voran. Die ÖVP, die in der Bundesregierung für Integration zuständig ist, setzt auf das Trennende. Ihre aktuelle Kampagne gegen Muslime ist von Ablehnung getragen, da wird Stimmung gegen eine Religionsgemeinschaft gemacht, die man gemeinhin mit den Fremden und dem Fremden verbindet. Muslime, gemeint sind Ausländer, tun unserer Gesellschaft nicht gut, dagegen muss und soll man sich wehren. So lautet die Botschaft, die die ÖVP mit ihrem Slogan "Null Toleranz" verbreitet. Heraus kommen Hass und Ablehnung, wie sie nun dem kleinen Ibrahim und seinen Eltern entgegenschlagen. Die Fremdenfeindlichkeit, die Angst vor dem Anderen, war immer schon da, nicht nur in Kärnten. Und das ist mit Sicherheit keine Erfindung der ÖVP, gerade in Kärnten nicht. Aber die ÖVP unterstützt derzeit ganz massiv diese Stimmungslage. Sie versucht daraus politisch Kapital zu schlagen, was ihr aber ohnedies nicht zu gelingen scheint. Denn die besseren, überzeugenderen Fremdenfeinde sind immer noch in der FPÖ zu Hause.

Beunruhigende Tendenzen

Ist alles in Ordnung? Keineswegs. Die Migration und die Fluchtbewegungen der vergangenen Jahre bringen komplexe Probleme und Herausforderungen mit sich, da gibt es im Bereich des Zusammenlebens oder der Kriminalität beunruhigende Tendenzen. In Wien ist die Mehrheit der Eltern von hier geborenen Kindern im Ausland geboren, das kann einem zu denken geben. Man kann auch von Geflüchteten aus Syrien oder Afghanistan erwarten, dass sie sich an unsere Regeln und Werte anpassen und nicht umgekehrt, dass sie sich an die Gesetze halten, aber das gilt wohl für alle Menschen in diesem Land. Da können der Staat und die Gesellschaft auch mit Strenge reagieren. Und natürlich kann man die Zuwanderung auch restriktiv regulieren.

Aber mit dem Schüren von Hass und Ablehnung, mit offener Feindseligkeit und Ausgrenzung wird man keines dieser Probleme lösen. Integration wäre ein Lösungsansatz, aber diese Agenda scheint bundespolitisch gerade in den falschen Händen.