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Das ganze hat längst die Dimension einer planetaren Verwüstung angenommen: Weltweit werden nach wie vor jedes Jahr 24 Milliarden Tonnen fruchtbares Erdreich weggeschwemmt, verweht, vernichtet. Damit könnte die gesamte Agrarfläche der USA bedeckt werden. Seit 1945 sind so schon 1,2 Milliarden Hektar fruchtbarer Boden durch Degradation verloren gegangen – das entspricht der gemeinsamen Landfläche von China und Indien. Die weltweit von Verödung bedrohten Gebiete wurden allerdings schon im Jahr 2000 von der UNEP (Umweltorganisation der Vereinten Nationen) auf noch viel mehr, 3,6 Milliarden Hektar geschätzt, was einem Viertel der globalen Landmasse entspricht. Mittlerweile betrifft uns diese Entwicklung auch in Europa in dramatischem Ausmaß. In Spanien haben sich bereits 40% der Landfläche in unfruchtbare Trockengebiete verwandelt, konsequenterweise stehen mittlerweile tausende Dörfer leer.
[[Gelb]Das ganze hat längst die Dimension einer planetaren Verwüstung angenommen: Weltweit werden nach wie vor jedes Jahr 24 Milliarden Tonnen fruchtbares Erdreich weggeschwemmt, verweht, vernichtet. Damit könnte die gesamte Agrarfläche der USA bedeckt werden. Seit 1945 sind so schon 1,2 Milliarden Hektar fruchtbarer Boden durch Degradation verloren gegangen – das entspricht der gemeinsamen Landfläche von China und Indien. Die weltweit von Verödung bedrohten Gebiete wurden allerdings schon im Jahr 2000 von der UNEP (Umweltorganisation der Vereinten Nationen) auf noch viel mehr, 3,6 Milliarden Hektar geschätzt, was einem Viertel der globalen Landmasse entspricht. Mittlerweile betrifft uns diese Entwicklung auch in Europa in dramatischem Ausmaß. In Spanien haben sich bereits 40% der Landfläche in unfruchtbare Trockengebiete verwandelt, konsequenterweise stehen mittlerweile tausende Dörfer leer. ]

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Willkommen zur 25.Sendung der Reihe "Willkommen im Globalen Dorf", die Sendereihe, die sich am Aufbau und der Verfeinerung einer Zukunftsvision versucht, in der nicht mehr Megastädte diesen Planeten dominieren, sondern eine Wiederannäherung von Mensch und Natur in Form kleinerer und dezentraler menschlicher Lebensräume zum vorherrschenden Trend wird. ˧

Die Erstausstrahlung dieser Sendung auf Radio Agora ist am 25. Oktober 2021, und während wir uns auf die kalte Jahreszeit zubewegen, zeichnet sich neben den üblichen Informationsüberschwemmungen auch mal wieder eine wahre Flut von neuen und fortgesetzten Science Fiction Serien ab, in denen immer komplexere und bis ins Detail durchgesignte Universen um die jahreszeitgemäß steigende Aufmerksamkeit und Faszination weltweiter Fangemeinden wetteifern. Ich wundere mich mit jedem Tag, wieviel kreative Phantasie in diese eingestanden irrealen Weltentwürfe und Weltraumphantasien fließt - obwohl ich ja selbst immer schon ein großer Fan war und bin - , und wie wenig spekulative Kreativität wir vergleichsweise in unsere tatsächliche Lebensraumentwicklung stecken - obwohl es hier immer mehr ums Ganze geht und wir unsere Lebenswelt neu denken müssen. ˧

Also, heute kein Wort über Dune und Foundation, nicht mal über Expanse und Picard, sondern wieder mal ein Versuch, auf dem Boden der ERDE zu bleiben und trotzdem wieder mal weiter vorauszuschauen in die Zukunft. Die heutige Perspektive charakterisier ich mit dem Motto meines Freundes Frithjof Bergmann: "Wir müssen alle wieder zu Bauern werden". Also in bewusstem Kontrast zu den letzten drei Folgen, in denen die Verbindung zwischen urbaner Kultur und ländlichen Räumen im Mittelpunkt stand, möchte ich heute auf die Themen Landwirtschaft, Bauerntum, Lebensmittel, Boden, Organismen eingehen - durchaus in spekulativer Absicht. ˧

Ein neues Bauerntum ?

Ich habe ja Frithjof Bergmann in Folge 20 dieser Sendung schon vorgestellt. Im März 2018 entspannte sich ein Emaildialog zwischen uns beiden, angefacht durch einen technischen Durchbruch in der Solarspiegeltechnologie, den ich in Portugal kennengelernt hatte, im Solar Power Village von Tamera. Ich schrieb damals dass es hier möglicherweise wegen der erzielbaren Temparaturen zu einem Durchbruch beim lokalen Wiederaufbereiten von Metallen kommen könnte. Frithjof griff meine Mail auf und schrieb, dass er immer wieder die Metapher von einem neuen Bauerntum als "fünften Bulletpoint" seiner Theorie der neuen Arbeit ins Treffen führte. Die Möglichkeit, sich aus lokalen Ressourcen in Symbiose mit den Naturkreisläufen mit all dem was zu einem erfüllenden Leben notwendig ist selbst zu versorgen. Hätte er damals gewusst dass wenige Wochen nach seinem Tod 2021 die Vereinten Nationen im World Social Report sich wieder auf die Armutsbekämpfung vor Ort im ländlichen Raum fokussieren würden, er hätte dem vielleicht in seinen letzten Lebensjahren noch viel mehr Gewicht gegeben. Immerhin fragte er mich um Vorschläge. ˧

Ich schrieb damals: ˧

"Hallo Frithjof, ˧

...ja in der Tat habe auch ich gedanklich ein neues Bauerntum entwickelt. Eines, das es in dieser breite und Differenzierung noch nie gab. ˧

Wir haben ˧

- aquaponische Fisch-und Gemüsebauern, Humus- und Bodenbelebungsbauern, Mikrobenbauern, Wurm- und Insektenbauern, Genpooldiversitätsbauern, Wasserretentionslandschaftsbauern ˧

- Pflanzenfaserbauern, Pflanzenkunststoff- und Werkstoffbauern, Treibstoffbauern, Erdziegelbauern, ˧

- Solarenergiebauern, Bio-, Wind und Erdenergiebauern, Metallschmelzbauern, Recycle/Upcyclebauern, ˧

- Kräuterbauern, Wellnessbauern, Heilbauern, Pflanzenmusikbauern, Wohnwaldbauern, Selbstbaufeldpflegebauern . etc.pp ˧

Nicht zu reden von den neuen Gewerken - die nur mehr sehr bedingt Handwerke sind - : der fahrende Containermüller und andere Veredler, der Blechwalzer, der Replikator - Ersatzteilmacher, die Elektromobilitäts- und Drohnenzentrale, der Materialbroker, der regionale Informationsvernetzer, der Kreislaufbeauftragte. etc.pp. ˧

Wir müssen auch aufräumen mit der Vorstellung, dass alle diese Menschen quasi einen eigenen Hof besitzen müssen. Vielleicht wohnen sie wie Städter in mehrstöckigen Häusern, um mehr Komfort und weniger Mühe zu haben. Aber sie umgeben sich mit genügend Freiraum, in dem sie diese spannenden Tätigkeiten auch tatsächlich ausführen können. Die Erde wird wieder bunt und spannend werden. Der Mensch hat sich nicht verkrochen, er gestaltet den ganzen Planeten und ist unmittelbar vor Ort. Er hat in den Städten gelernt, die Arbeit mit anderen zu teilen, aber er ist klug genug geworden, sich nicht in lähmende oder beschränkende Abhängigkleiten zu begeben. ˧

Die Neue Arbeit mit ihrer Maxime des wirklich wirklich Wollens hat dazu geführt, dass die Menschen in freier Kooperation leben und arbeiten. Und weil sie zu nichts mehr gezwungen werden können und wollen, wird jeder Ort um die Menschen werben. Nomadismus und Sesshaftigkeit haben in einer lebensförderlichen Weise zueinander gefunden. DAS ist das neue Bauerntum" ˧

"Progressive Provinz"

So schrieb ich damals an Frithjof, und ich hatte in meinem Leben sehr viel an einschlägigen Beispielen gesehen und auch danach gesucht, vom Biogas - Landwirt in Symbiose mit Fünfsternhotels in Bad Kleinkirchheim bis hin zu all-inclusive Wohnbauern in Leonding bei Linz, sodass ich mir vorstellen konnte, dass ein neues Bauerntum geradezu der Kern dessen werden könnte, was Mathias und Tristan Horx die "Progressive Provinz" nennen: ˧

(Zitat M. Horx) ˧

"Die nächste urbane Exodus-Welle wird anders verlaufen als die bisherigen: Es geht nicht um Flucht in die Idylle, sondern um das Ankommen. Es geht nicht um die Landlust-Apfelkuchen-Romantik, die immer nur eine städtische Halluzination ist, sondern um eine dynamische soziale Nähe, die in kleineren Lebenseinheiten besser zu finden ist. Es geht im Kern um ein neues regionales oder dörfliches Selbstbewusstsein, das auch Rückkehrer und Neuankömmlinge integrieren kann." [1] ˧

Kann dieses neue regionale oder dörfliche Selbstbewusstsein zu einem wesentlichen Bestandteil auch auf einem erneuerten Verständnis von Bauerntum aufgebaut werden? Mathias Horx verweist auf viele Beispiele, bei denen gerade die spezifischen Potentiale, Talente und Charakteristika von Dörfern und Regionen zu handwerklichen und kulinarischen Spitzenleistungen weiterentwickelt wurden. Dies setzt aber gerade voraus, Offenheit nach außen zu kultivieren und sich nicht abzukapseln: Ich setze das Zitat fort: ˧

"Längst verläuft der Bruch zwischen den Gewinnern und den Verlierern der Urbanisierung zwischen den Regionen. Deshalb gibt es zwei Provinzen: In der einen verkriechen sich die Bewohner in Passivität und Opfermentalität, in der anderen herrscht ein Klima der Offenheit und des Wandels.... Weltoffenheit ist gerade für das Dorf oder die Kleinstadt existenziell: Wenn das lokale Klima von Depression und Abwehrängsten geprägt ist, kommt eine Negativspirale in Gang. Wer möchte schon dorthin, wo das Misstrauen herrscht, die Neidkultur und das Schweigen – das über Nacht in Grölen umschlagen kann?....Und bei den anderen hat sich eine kulturelle Urbanisierung durchgesetzt, ohne die chaotisierenden Nachteile der Großstadt in Kauf zu nehmen. Solche Orte wollen es wissen. Sie reinnovieren sich selbst." ˧

Ein solcher Vordenker einer Innovativen Landwirtschaft ist Dietmar Näser, Der in Neustadt in Sachsen ein Büro für regenerative Landwirtschaft betreibt, unter dem Einfluss von amerikanischen Pionieren rund um Robert Rodale. Auf seiner Website habe ich ein paar wunderschöne Sätze gefunden: ˧

"Eine Erntefrucht ist in der grünen Branche eine KULTUR. Dieser Begriff ist aus gutem Grund mehrfach belegt, denn wir alle leben Kultur und von ihr. Die ältesten Zeugnisse menschlicher Kultur, die Höhlenzeichnungen auf Kalimantan, in Spanien und Frankreich, sind Abbildungen jagbarer Tiere. Kunst als bleibender Ausdruck menschlicher Kultur ist also mit der gemeinsamen Sorge um die Ernährung entstanden... Kultur und Kunst sind heute für mich, für uns von der Grünen Brücke ebenso tägliche Lebensmittel wie die Nahrung." ˧

Ich glaube das ist der Kern dessen, was bäuerliche Geschichte, Selbstbewusstsein und bäuerliche Zukunft ausmacht und warum auch Frithjof Bergmann diesen "Bulletpoint" gewählt hat. Er hat ja nicht gesagt "wir müssen alle wieder zu Jägern und Sammlern werden", sondern ganz bewusst diesen Ankerpunkt in der menschlichen Zivilisationsgeschichte gewählt, an dem Menschen die Kraft ihrer permanenten reproduktiven Beziehung zur Natur und damit aber auch das Einlassen auf Verortung und Sesshaftigkeit entdeckten. Man kann diesen Ankerpunkt -die neolitische Revolution - auch als zweiten Sündenfall verstehen, sogar die biblische Geschichte lässt symbolisch den nomadischen Schafhirten Abel gegenüber dem sesshaften Ackerbauern Kain moralisch überlegen sein und erklärt den letzteren zum Intriganten und Brudermörder. Die Sesshaftigkeit lässt auch menschliche Beziehungen erstarren, sie schafft ein von den Einzelnen kaum mehr veränderbares Geflecht aus Hierarchien und wechselseitiger Benutzung, aus dem die Stadtstaaten und Herrschaftsgebilde entstehen, die ganz wesentlich das bestimmende Trauma unserer menschlichen Geschichte sind und deren Nachwirkungen auch heute noch unser zutiefst krankes gesellschaftliches Gefüge prägen. An derem untersten Ende ist der Bauer, die geringste und schwächste Figur des königlichen Spiels, der nur überleben kann wenn er im Dienste einer Herrschaft steht, und es ist auch kein Zufall dass sich damit auch die Hierarchie der Geschlechter entwickelt hat und von den Frauen für lange Zeit kaum mehr die Rede ist. ˧

Und dennoch ist dieser Bauer alles andere als ein Spielzeug, vielmehr ist er und in der Tat eben auch die Bäuerin die Grundkraft, die ein tragfähiges regeneratives Naturverhältnis und damit die Grundlage aller Pracht und Herrlichkeit herstellt. Das Erfolgsgeheimnis der europäischen Feudalsysteme gegenüber den Despotien und Sklavenhaltergesellschaften war denn auch die Garantie einer gewissen Autonomie der Landbevölkerung im Austausch gegen Zugehörigkeit und Loyalität. Freilich hat gerade ihr Erfolg diese Systeme immer wieder zum immer aufwändigeren Krieg - der ja der "feudalen" Epoche ihren Namen gibt - gegeneinander aufgestachelt, der nicht nur auf Kosten der Bauernschaft ging sondern letztlich auch ihre schrittweise Abschaffung einleitete - als Lohnarbeiter des aufkommenden Kapitalismus schufen die ehemaligen Bauern eben noch mehr Reichtum, während sich die Herrschaft einerseits zunehmend auswärtiger und kolonialer Quellen stofflichen Reichtums und eben auch von Lebensmitteln bediente und andererseits die verbliebenen Bauern einem Wechselspiel von Subventionen und verschärftem Marktdruck aussetzte - und aussetzt. ˧

Die traurige Realität

Wir sind damit aber heute an einem Punkt angelangt, wo sehr vielen Menschen schon klar ist dass auch die Landwirtschaft selbst ihrer ursprünglichen und eigentlichen Funktion entfremdet wurde. An die Stelle der Regenerativität tritt die Auslaugung, Erosion, Verdichtung des Bodens durch mangelnde Rückführung der organischen Substanz und somit der dramatische Abbau der Humusschicht, die großflächige Monokultur und Zerstörung der unsichtbaren Helfer wie Bienen und ihrer Rückzugsräume wie Hecken, was durch den Einsatz schwerer Landmaschinen und den übermäßigen Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden nur beschleunigt wird. Der dabei eingesetzte Stickstoff beeinträchtigt nicht nur die Bodenfruchtbarkeit, sondern führt zu einer weiteren Kette von Schäden an Mensch und Natur, ebenso wie die knapper werdenden Phosphate und die Schwermetalle in Pestiziden. Die übermäßige Fleischproduktion bedingt nicht nur Risiken und Umweltbelastung durch Massentierhaltung, sie ist auch extrem ineffizient und verschwendet Land zur Futtermittelproduktion mit Mais und Soja als Hauptpflanzen. Weltweit sind die Ernteerträge der verschiedensten Nutzpflanzen wegen Bodenerosion und Wetterextremen am Sinken. Gleichzeitig bedeutet das auch, dass die Fähigkeit der Böden und der natürlichen Ökosysteme, Wasser zu speichern leidet. Werden einerseits die natürlichen Mikroklimata und die Speicherungsfägigkeit des Bodens zerstört, wird andererseits die industrielle Landwirtschaft durstig wie ein Fieberkranker. ˧

Das ganze hat längst die Dimension einer planetaren Verwüstung angenommen: Weltweit werden nach wie vor jedes Jahr 24 Milliarden Tonnen fruchtbares Erdreich weggeschwemmt, verweht, vernichtet. Damit könnte die gesamte Agrarfläche der USA bedeckt werden. Seit 1945 sind so schon 1,2 Milliarden Hektar fruchtbarer Boden durch Degradation verloren gegangen – das entspricht der gemeinsamen Landfläche von China und Indien. Die weltweit von Verödung bedrohten Gebiete wurden allerdings schon im Jahr 2000 von der UNEP (Umweltorganisation der Vereinten Nationen) auf noch viel mehr, 3,6 Milliarden Hektar geschätzt, was einem Viertel der globalen Landmasse entspricht. Mittlerweile betrifft uns diese Entwicklung auch in Europa in dramatischem Ausmaß. In Spanien haben sich bereits 40% der Landfläche in unfruchtbare Trockengebiete verwandelt, konsequenterweise stehen mittlerweile tausende Dörfer leer. ˧

Weltweit sind 1,3 Milliarden Menschen die zumeist Subsistenzlandwirtschaft betreiben auf degradierenden Böden gefangen, zum Beispiel im Subsaharabereich Afrikas. Eine katastrophale Dürre in Madagaskar hat es kurz in die Medienberichte geschafft, tausende Menschen fielen dem Hungertod zum Opfer. War im Jahr 2014 noch von einem Erfolg gegen die Armut die Rede weil "nur" 600 Millionen Menschen kritisch unterernährt seien so sind es heute wieder weit über 800 Millionen Menschen weltweit - weitere 2,3 Milliarden haben keinen Zugang zu regelmäßiger geschweige denn gesunder Ernährung. ˧

und wie es weitergehen könnte

Es ist also klar, dass die auf Dünger und Pestiziden und industriellen Maschinen aufgebaute Landwirtschaft sich in eine fundamentale Krise hineinmanövriert hat. Sie kann und wird beim besten Willen die Menschheit nicht mehr ernähren, wenn nicht wesentliche Änderungen passieren, sie produziert ihren eigenen Niedergang. Auf diese Krise entstehen zwei fundamental verschiedene Antworten. ˧

Die erste Antwort besteht in der Fortsetzung der Technisierung, was im wesentlichen fünf Entwicklungslinien umfasst: ˧

- erstens die Effizienzsteigerung durch ein Internet der Dinge, das vom Monitoring durch Satelliten und Drohnen bis zum Einsatz von flexibleren und feinkörnigeren Automaten auf den Feldern reicht.
- zweitens das genetische Design von Nutzpflanzen die ertragreicher, unempfindlicher, genügsamer und so weiter sein sollen.
- drittens die Verlagerung der Lebensmittelproduktion in Agrofabrikshallen, ein wenig nach dem Vorbild der Massentierhaltung.
- viertens die Veränderung des tierischen Rohmaterials durch Insekten, Maden und Würmer, Mikroorganismen und ähnliches
- fünftens die Produktion durch künstliche Gewebe, Stammzellen, Laborfleisch, "Clean Meat" und ähnliches.
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Alle 5 Wege werden heute schon mit riesigem Aufwand beschritten. Zum Teil sind dies Visionen auch schon Realität geworden. Gerade eben brachte ARTE eine Dokumentation "Auslaufmodell Supermarkt" mit Entwicklungen in Amerika und China, wie etwa die chinesische Onlinekette JD.Com die in Nährlösungen gezüchtetes Gemüse mit selbstfahrenden Auslieferwägen zu ihren Kunden bringt. [2] Schon im kritischen Agrarbericht 2018 widmete sich ein eigener Bereich dem Gemüse aus dem Hochhaus, Vertical Farming, Kreislaufanlagen, Deep Flow und anderen Nährstofftechniken. Schon auf den ersten Blick wird deutlich, dass es sich um eine Veränderung handelt, die das pflanzliche Substrat nicht unberührt lässt. Statt auf ein schützendes Biom ist die in steriler Umgebung wachsende Pflanze auf regelmäßige Desinfektion etwa durch UV Strahlung angewiesen. Der Artikel bringt viele weitere Beispiele, "Growing Underground" in ehemaligen Londoner Luftschutzbunkern oder die Berliner Aquaponikfirma ECF die Barsche und Basilikum gleichzeitig kultiviert. Es fehlen jedoch noch immer ernährungsphysiologisch wissenschaftlich fundierte Studien zur Energie- und Nährstoffdichte und den Wirkungen auf den menschlichen Stoffwechsel von deratigen Nahrungsmitteln, insbesondere aus dem Vertical Farming. Weiters zeichnen sich die Kreislaufanlagen trotz aller Effizienz in Sachen Wasser und Transporte durch hohen Energieverbrauch aus, und der Aufwand für Ernährung und Beheizung, die Herstellung der Bauten und Infrastrukturen ist ein Vielfaches der traditionellen Landwirtschaft, in der Sonne, Regen, Wind und Boden gemeinsam Wunderdinge vollbringen. ˧

Auch die anderen Wege sind in voller Entwicklung. ich muss gestehen, je tiefer ich bei der Recherche zu dieser Sendung zum Beispiel in das Thema Kunstffleisch hineingekippt bin, umso mehr hat es mich verwirrt. Optimistischen Prognosen in hunderten Artikeln stehen fundierte Analysen entgegen, die die verschiedensten Probleme beleuchten, die allesamt in Details liegen. Alleine die Fragen der Kontamination durch Viren oder Bakterien hat viele Seiten, von Überwucherung bis Krankheit. Die Produktionsstätten müssten wie biologische Hochsicherheitslabore ausgestattet sein, und sollen doch Massenproduktion ermöglichen. Alle möglichen Ziele Unterziele wie zum Beispiel die Unabhängigkeit von tierischen Enzymen wie fetales Kälberserum - unverzichtbar für Nährlösungszellkulturen - sind noch nicht erreicht, und es ist wohl mit Sicherheit anzunehmen dass, sollten diese Probleme tatsächlich irgendwie gelöst werden, es ein extrem kapitalintensives Unternehmen sein wird, das auch die Anhängigkeiten und Machtballungen im Nahrungsmittelsektor noch einmal potenziert. ˧

Zu anderen Nahrungsquellen wie Insekten lässt sich eher bemerken, dass dort wo sie traditionell einen Bestandteil der Nahrungskultur bildeten, sie durch westliche Esskulturen verdrängt werden. Denkbar sind hochprozessierte Insektenwürste schon - aber ebensowenig gesund wie ihre tierischen Pendants - und kein Mensch hat sich noch wirklich praktisch mit den Dimensionen dieser Massentierhaltung auseinandergesetzt. ˧

Es scheint an der Zeit zu sein, alle diese feuchten Träume und ihre scheinbaren Hoffnungsbilder zu verabschieden und uns klar zu werden, wie dramatisch die Situation eigentlich ist. Wir haben gesehen dass es einerseits mit der industriellen Landwirtschaft so nicht weitergehen kann - und gleichzeitig die industrielle Postlandwirtschaft, mit der so viele das urbane System aufrechtzuerhalten suchen, eben auch nicht funktioniert. ˧

Wohin aber dann? Scheint es nicht viel logischer zu sein, dass wir schrittweise unser urbanozentrisches, stadtgeiles Weltbild aufgeben und zurückkehren von wo wir kommen? Wir komme doch nicht mit leeren Häönden und Köpfen zurück, sondern mit einem ganz großen Gepäck an Wissen und Können, mit dem wir den ländlichen Raum - und nicht nur ihn, sondern auch die Meere - zu wahren Paradiesen gestalten können ! ˧

Ich habe oben von einer zweiten Antwort gesprochen. Aufmerksame Zuhörer meiner Sendung werden schon längst ahnen, worauf ich hinaus will, weil es so logisch ist: Die planetare Zerstörung, die wir gerade durchleben, ist nicht das Resultat von zuviel Mensch auf der Erde. Sie ist das Resultat des genauen Gegenteils: nämlich des Rückzugs der Menschen aus der Landschaft. Alle Rechnungen die besagen, wir wären zu viele Menschen auf der Erde, sind Milchmädchenrechnungen, die die sich verringernde Agrarfläche und ihre Degradation als fix gegebene Rahmenbedingungen unterstellen, als wären diese nicht auch das Resultat der bewusst in Kauf genommenen Entvölkerung der Peripherien. ˧

Wenn wir uns einmal ganz grob die Oberfläche unseres Planeten ansehen, dann sind 70% von Meeren bedeckt und nur knapp 30% Landfläche. Wenn wir uns nur diese Landfläche ansehen und als 100 % ansetzen, dann sind wiederum 68 % dieser Landflächen derzeit für den Menschen nicht nutzbar - bedeckt von Eis (10%), Wüsten (10%), Steppen (7%), Wald (27%), Hochgebirgen (11%), Seen und Flüssen (3%). Bleiben 32 % potentiell von Menschen mitbewohnbare Fläche. Ich will das Thema Wildnis noch ausklammern, der Ideologie der Wildnis und ihren Protagonisten werde ich sehr bald eine eigene Sendung widmen. ˧

Was wird nun tatsächlich den Berechnungen die vor einer Überbevbölkerung durch 10 Milliarden menschen warnen zugrunde gelegt? Es sind zirka zwischen 2 und 3 % der Landfläche, die zumeist als landwirtschaftlich genutztes Land in die Statistiken eingehen. Eher schon nicht die 3 %, die als Rand- und Problemzonen mit Raubbau verbucht werden und die 2% die überhaupt brachliegen. Da sind übrigens schon die menschlichen Wohnflächen und Städte eingerechnet, die ergeben zusammen nicht viel mehr als 2-3%. All das zusammen ergibt aber auch nur lediglich 7 % der planetaren Landfläche. Bleiben 25%, die zumeist unbewohnt sind und bestenfalls als Weideland, Grasland etc. benutzt werden. Diese gehen meist überhaupt nicht in die Rechnungen ein. Aber haben wir in unserer Geschichte nicht schon in verschiednster Form gesehen, wie derlei Land urbar gemacht wurde? Werden wir also nur arm und zum Untergang verurteilt - gerechnet ? Ist das Bild von der übervölkerten Erde, das man uns suggeriert, vielleicht grundlegend falsch? In Wahrheit sind die meisten Landflächen dieses Planeten äußerst dünn besiedelt. Der Weg zwischen menschlichen Siedlungen in vielen Gegenden der Erde ist dementsprechen abenteuerlich weit. Nur aus der Perspektive der dichter besiedelten Zentren kann ein gegenteiliger Eindruck entstehen. In Wahrheit hat unser Planet immensen Reserveraum, auch wenn wir ihn mit den heutigen Methoden und unserem Wirtschaftssystem der schnellen Erträge nicht zu benutzen verstehen. ˧

Gegen Dichte und Verhinderung von Bodenvergeudung ist ja grundsätzlich nichts einzuwenden. Tatsächlich wird der Boden in den industriell besiedelten und genutzten Regionen dieser Erde zur knappen Ressource. Doch wofür werden die Böden eigentlich benutzt? Ist die Herstellung von Biosprit und Brennstoffen, von Futtermitteln für die Tierindustrie wirklich der Weisheit letzter Schluss? Auch hier tun sich enorme Reserven auf, die nur deshalb nicht zur Debatte stehen, weil ein Diskurs über den sinnvollen Gebrauch von Raum und Natur gar nicht wirklich stattfindet. Man kann eigentlich nur festhalten: je weiter draußen, umso willkürlicher, rücksichtsloser, verschwenderischer und gewaltsamer. Wer das Pech hat, in peripheren Weltgegenden zu leben, bekommt diese Willkür und Gewalt an Leib und Leben zu spüren: Diejenigen haben die Wahl, von Landgrabbern vertrieben, von Industrien vergiftet oder durch den Verlust der natürlichen Lebensgrundlage in den Hungertod getrieben zu werden. Kein Wunder, dass die globalen Migrationsströme anschwellen, und im Endeffekt hunderte Millionen entwurzelter Menschen gegen die immer höher werdenden Zäune und Mauern des industrialisierten Nordens anrennen - während die UN im World Social Report und in Berichten wie Code Red verzweifelt gegenzusteuern sucht. Und in der Tat kommen wir an der zweiten Antwort nicht vorbei. Wir müssen alle Energien, die unsere Zivilisation noch übrig hathat, für die Ausdehnung und den Ausbau der Kulturlandschaft in all ihren Facetten einsetzen. Alles andere ist Stühlerücken auf der Titanic. In der Tat: wir müssen alle wieder Bauern werden, auf eine neue und faszinierende Art, die das beste der städtischen Lebensweise in eine neue Beziehung zur Natur aufhebt. ˧

Erst wenn eine solche Vision und Sehnsucht - die auch eine völlig neue Qualität von Freiheit und Unabhängigkeit miteinschließt - die Menschen ergreift, wenn sie ein klares Licht am Ende des Tunnels sehen, werden sie in der Lage sein, wirklich aufzustehen und sich mit einer konkreten Perspektive gegen die zu wenden, die tatsächlich mit brutaler Rücksichtslosigkeit die Ressourcen unserer Zivilisation vergeuden, nicht nur für die noch eher harmlosen Luxusfreuden einer politisch und ökonomisch längst übermächtig gewordenen Klasse, sondern vor allem für die Macht- und Positionskämpfe innerhalb des Weltsystems. Es hat tatsächlich etwas vollkommen absurdes an sich, wenn wir uns heute über die Versiegelung von Boden, den Abschuss von Wölfen oder eine Sprache, die Minderheiten diskriminiert, tagtäglich ecchauffieren, aber die Tatsache des atomaren Wettrüstens und der steigenden Rüstungsbudgets und der offensichtlichen Kriegsvorbereitungen weltweit niemanden mehr zu öffentlichem Prozess motiviert. Die Erklärung für diese Paradoxie ist, dass wir uns ein selbstbestimmtes Leben jenseits der tausend Abhängigkeiten die die politisch wirtschaftlichen Machtblöcke uns bescheren, gar nicht mehr vorstellen können. In diesem Sinn ist der Traum von den globalen Dörfern, die ihre nobelste Aufgabe in einer Versöhnung mit der Natur sehen, tatsächlich auch politisch und ökonomisch revolutionär.
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Vom Globalen Parasiten zum Globalen Symbionten: Warum Mensch und Natur zusammengehören

Wir nähern uns wieder dem Ende unserer Sendung, und natürlich sind all die schönen Beispiele und Professionen des neuen Bauerntums, die mannigfaltigen Versuche und Systeme, mit der Natur zu arbeiten und die bis dato misachteten Wechselwirkungen und Zusammenspiele zwischen Naturprozessen, die verborgenen Kräfte aufwecken - all das ist heute wieder ein wenig zu kurz gekommen, weswegen sich hier wohl ein weiterer Faden entspinnen wird. Alleine der Bildung und der Digitalisierung habe ich schon 8 Sendungen gewidmet, der Architektur und Raumplanung mindestens 4, der Resilienz und Krisenfestigkeit auch mehrere - also ist bei der Betrachtung des Mensch - Naturverhältnisses, bei der ich auch das Wiederanhören der Sendung 2 mit Daniel Christian Wahl empfehle, noch viel Luft nach oben. Wir sollten uns näher mit den erstaunlichen Fähigkeiten der Permakultur beschäftigen, die die Menschen in Gemeinschaft mit Tieren und Pflanzen, mit Sonne, Boden und Wasser als synergetisches System betrachtet. Wir sollten uns mit der entscheidenden Rolle des lebendigen Bodens nicht nur als CO² Speicher sondern auch als Heimat der Myzele und damit indirekt als Medium der Kommunikation zwischen verschiedenen Pflanzen beschäftigen. Wir sollten die erstaunlichen Synergien in traditionellen Mischkulturen, die Wechselbeziehungen zwischen verschiedenen Pflanzen die einander beschützen und stützen, zwischen Bäumen und Pflanzen wie in der Agroforstwirtschaft betrachten. ˧

Ein durch und durch aufklärerisches Projekt hat schon vor einigen Jahren in Berlin begonnen. Die Zeitschrift OYA berichtete in ihrer Nummer 26 zur "Landwende": ˧

"Das 2000m²-Projekt ging aus einer Infor­mationskampagne über die neue europäische Agrarreform hervor. Es soll die heiklen Themen greifbar machen. Um politisch sinnvoll zu entscheiden, brauchen wir eine Vorstellung davon, was es eigentlich heißt, genug zum Leben zu haben. Wir sollten wissen, wie die Äcker, Felder und Beete der Welt heute aussehen, um fordern zu können, wie auf ihnen angebaut wird, so dass wir alle genug zum Leben auf ihnen wachsen lassen können. Derzeit verbrauchen wir Europäer etwa 2700 Quadratmeter Ackerland pro Kopf." Zusätzlich "importieren wir einen Großteil unserer Nahrungsmittel. Diese virtuelle Inanspruchnahme von Land geschieht zu einem großen Teil in Südamerika. Hauptsächlich von dort kommen die 30 Millionen Tonnen Soja, die das Protein für unsere hiesige Viehzucht bilden – nicht nur für Steaks auf deutschen Grills, sondern auch als Exportfleisch. Auch asiatisches Land macht einen nicht unerheblichen Teil der Grundlage für unsere Nahrung aus." ˧

Also wurden gleich mehrere experimentelle Projekte angestiftet, um zu zeigen, wie wir mit diesem Land anders umgehen können. ˧

In Gatow, mitten in der Einfamilienhausidylle des westlichen Berliner Stadtrandes, haben die Aktivisten ein 2000 Quadratmeter großes Feld abgesteckt. „Weltacker“ nennen sie den schmalen Streifen Land – nur zwölf Meter breit ist er, aber 170 Meter lang. "„2000 Quadratmeter – das ist die Weltackerfläche geteilt durch die Zahl der Menschen auf der Erde. Und dann bekommt jeder Mensch ungefähr 2000 Quadratmeter Ackerfläche....In diesem Jahr haben wir uns das Ziel gesetzt, mit dem, was wir auf diesem Acker anbauen, ... tatsächlich einen Menschen ein Jahr lang zu ernähren. Wobei: Eigentlich ist das Ziel noch höher gesteckt. Denn auf 2000 Quadratmetern kann man jedenfalls hier in unserer Region sehr viel mehr Lebensmittel anbauen als ein Mensch in einem Jahr braucht. Und das wollen wir damit zeigen.“ ˧

Das Projekt hat sich voll bewährt. Die Initiatoren waren überrascht von der Fülle an Lebensmitteln aber auch von Energiepflanzen, Faserpflanzen, Rohstoffpflanzen, Heilpflanzen. Jemand der sich hauptsächlich vegetarisch ernährt könnte mit etwa einem Viertel auskommen, es ist ein enormes Potential. Und wie gesagt, wir betrachten hier trotz allem global nur einen Bruchteil der infragekommenden Fläche. Die erwähnten agroforstwirtschaftlich modifizierten "essbaren" Wälder würden das Bild noch einmal dramatisch verändern. Die gezielte Wiederherstellung von Kulturlandschaft aus versteppter und erodierter Landschaft, wie zum Beispiel im chinesichen Lössplateau vorbildlich gelungen und von John D. Liu wunderbar dokumentiert, gibt dem ganzen ein noch viel größeres Potential. ˧

Mit Fug und Recht hat mein leider viel zu früh verstorbener Freund Hanswerner Mackwitz von einer "Materia Nova" gesprochen. Hanswerner hatte schon früh aus seinem Studium der Chemie heraus den Schluss gezogen , dass eine auf Erdöl basierende Materialwirtschaft die Welt systematisch vergiftet. Dies legte er in seinem Buch "Zeitbombe Chemie" von 1992 dar. Danach hat viele Grundlagen für eine neue, grüne, pflanzenbasierte Chemie und Materialkunde gelegt, die er in seinem Buch "Befreit vom Erdöl" 2008 zusammengefasst hat. In der Ankündigung heißt es: "Megatonnen grüne Bio-Power aus der Photosynthese: Gräser, Hanf, Weizen, Mais, Obstkerne, Laubmassen, Astwerke, Hölzer, Bäume sind nachwachsende Rohstoffe. Dank innovativer Entwicklungen zukunftsgerichteter Unternehmen dienen sie schon heute als Material für die Herstellung von Plastik, Spielzeug, Verpackungen, Baumaterial und Energie. Aber noch werden 90 Prozent aller Alltagsgüter aus Erdöl hergestellt. Dieses Buch zeigt, wie schon im Jahr 2050 mindestens 50 Prozent aller Güter ohne Abfall, Gift und Erdöl produziert werden könnten". Aber es geht eben nicht nur um Produktion, sondern auch um Reproduktion, Regeneration. Machwitz war auch Vorreiter der "Cradle 2 Cradle Bewegung". Statt giftiger Abfallberge müsse der Mensch der Natur echte Nährstoffe zurückgeben. "wir produzieren ununterbrochen Müllund verlieren dabei wertvolle Materialien. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat die Menschheit weit mehr Rohstoffe verbraucht als in ihrer gesamten Geschichte zuvor...und bald werden diese unerbittlich zur Neige gehen". Dies alles kann nur geändert werden, wenn wir unser gesamtes System der Kultur wieder von der Natur inspirieren lassen. "Ein Baum zum Beispiel ist eine wunderbare Inspiration für Design: Die Idee, ein Gebäude wie einen Baum zu gestalten, heißt, ein Gebäude zu entwerfen, das Sauerstoff produziert, Sonnenenergie nutzt, Wasser reinigt und vieles mehr" und weiter: "Die wirklich „schönen“ Dinge des Lebens weisen nicht nur ein hübsches oder extravagantes Design auf; sie sind nicht nur elegant oder reizend, witzig oder originell; sie sind schön dann, wenn sie die Alltäglichkeit verklären helfen, indem sie die technischen, kommunikativen und sozialen Funktionalitäten mit einer Qualität versehen, die nicht nur unseren Sinnesorganen schmeichelt und unseren Geschmack befriedigt, sondern eine Ahnung davon vermittelt, was es hieße, mit all unseren zivilisatorischen Versatzstücken Teil einer großen und harmonischen Kreislaufkultur zu sein und auch deshalb ein geglücktes Leben zu führen [3] ˧

Ich glaube mit dieser gelungenen Beschreibung von Hanswerner Mackwitz können wir zurückkehren zu unserem Frithjof Bergmann Einstieg und die frage, warum wir alle wieder zu Bauern werden müssen, beantworten. Es bedeutet eben mit all unseren Potentialen, und das heißt nur mehr zu einem Bruchteil mit unserem Handanlegen, vielmehr auch und gerade mit unseren kreativen Potenzen, unserer Vorstellungskraft, unserer Neugierde, unserer Erfindungsgabe, unserer Kombinatorik, unserer wissenschaftlichen Skepsis und so weiter quasi nach Hause zurückkehren, dort, wo unsere Ahnen im Schweiße ihres Angesichts und unter sehr schwierigen und keineswegs idyllischen Bedingungen ihr Leben bestritten. Wir haben in der städtischen und in der globalen Epoche all die Fähigkeiten erworben, die diese Reise ins Kleine, Unscheinbare, scheinbar beschränkte und Umgrenzte zu einem spannenderen und lohnenderen Abenteuer machen als die utopischen Eskapaden in die Leere des Weltraums. ˧

Und als Preis winkt uns ein durch die Vielfachnutzungen und Neu - Kombinationen in der heimatlichen Umgebung und ihrem kleinen Raum quasi ein sozusagen vielfach vergrößerter Planet, eine Heimstatt einer Vielfalt von Kulturen ohne beständige Bedrohung und Konkurrenz untereinander. Wenn wir mit dieser Perspektive unseren Geist nach Hause bringen, dann wird sich auch bewahrheiten, was Frithjof mit großer Sicherheit mitgemeint hat und womit ich meine Sendung für heute beschließen möchte: Reale Freiheit gibt es dort und nur dort wo sie einen Boden hat. ˧

Musikauswahl

1.+5 Balkan Jingles Countryside Shall we move on? (CC BY-NC 4.0) 00:02:57 ˧

2. Souvenir Driver Farm JOY (CC BY-NC-ND 3.0 US) 1:59 ˧

3. Not From This World Pain {Millky Way}? https://freemusicarchive.org/music/Not_From_This_World/Millky_Way/12_Pain (CC BY-NC-ND 3.0) ˧

4. Augustin C
Breezy Hills Farm
Fantasy Music
(CC BY-NC 4.0)
1:31
˧

nicht verwendet: ˧

Blah Blah Blah sehr schräg - eher für Schluss
Out on the farm
Green Collection
(CC BY-NC-ND 2.0 UK)
3:36
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[1] https://www.horx.com/schluesseltexte/die-progressive-provinz/

[2] https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/arte-doku-ueber-supermarkt-wie-amazon-den-lebensmittelhandel-praegt-17578474.html

[3] HWM zitiert nach http://www.wirks.at/wp-content/uploads/2010/09/wirks_sommer_2012.pdf