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<- Erster Teil

= 15_Transformation_durch_Kooperation II (2.Teil)=

Guten Abend, liebe HörerInnen und Hörer, ich hoffe Ihr oder Sie habt angenehme Weihnachtstage hinter Euch. Heute ist Montag der 28.Dezember, und die Originalausstrahlung dieser Sendung erfogt wie immer über Radio AGORA, das zweisprachige Radio des Südens. Ich bin Franz Nahrada, die Sendung heißt "Willkommen im Globalen Dorf" und geht heute in Folge 15.

Ich möchte heute einige weitere Highlights aus unserer inhaltsreichen und dichten Konferenz "Transformation durch Kooperation" Revue passieren lassen,die wir im September dieses Jahres in Obergrafendorf abhielten.

Zur Erinnerung. In unserer Sendung geht es im Kern um die neuen Gestaltungsmöglichkeiten ländlicher Räume, ein Thema das weltweit gerade durch die abrupten Stadtfluchten angesichts der Corona Krise vom verspielten Träumerthema zu so etwas wie Mainstream geworden ist. In der Tat bin ich mit vielen anderen der Meinung, dass die 2-3% der Landfläche, die die großen und mittleren Städte auf der Welt einnehmen, nicht die 100% der Aufmerksamkeit verdienen, die ihnen kreative Architekten, Planer, Soziologen, Designer, Verfahrenstechniker und Technologen schenken. Es ist spätestens jetzt an der Zeit, nicht nur von "Smart City" zu reden, sondern auch von der "Smart Countryside", dem ländlichen Raum als vollwertigem Lebensraum,in dem wir mit gleichwertigen Lebensbedingungen, aber vielleicht mit einem viel höheren Grad an Selbstbestimmung leben können als in den Städten.

Die heutige Sendung ist bereits die fünfte, in der wir Streiflichter werfen auf eine der zentralen Voraussetzungen dieser "Smart Countryside". Ich versuche ja, diesen Begriff nicht wie ein Marketinginstrument von Technologiefirmen zu verwenden, sondern als Hinweis auf einen viel stärkeren Grad von interner Koordination, Problemlösungsfähigkeit, Kreativität, Anpassungsfähigkeit, Wuiderstandskraft als unter gegenwärtigen Umständen gegeben.

Die allgemeine Konsequenz, die ich in den letzten vier Sendungen schon ausführlicher dargestellt habe, ist die Forcierung von Bildung als "archimedischem Hebel" und die Entwicklung von vielfältigen Bildungsumgebungen, siehe Folge 11. In diesem Kontext ist auch das Einsprengsel über moderne weltliche Klöster in Folge 13 durchaus beabsichtigt gewesen. Während sich Folge 12 den Zusammenhängen von Bildung und Dörflichkeit als immenser Chance gewidmet hat, war Folge 14 geprägt von der Wahrnehmung der weiteren Spezifika ländlicher Räume und der Notwendigkeit strategischer Kooperation innerhalb von Kleinregionen, um die kritische Masse an Menschen und Angeboten zu erreichen.

In Summe: Wir brauchen aus Gründen der regionalen Entwicklung ein neues Bildungssystem, eines, das gezielt Motivation und Qualifikation schafft, um der Entleerung ländlicher Räume entgegenzuwirken.Ein solches System gibt es bis dato nur in Ansätzen. Wir vermuten auch stark dass die Entwicklung eines solchen Bildungssystems eigene Gesetzmäßigkeiten und Muster hat. Diese müssen sich freilich in der Praxis bewähren. Dazu geht es heute noch mehr ins Detail und zunächst mal an einen interessanten Ort, wo wir diese Muster in ihrer Entstehung besonders gut studieren können.

Auf unserer Konferenz "Transformation durch Kooperation" führten wir das Beispiel einer Region vor, die Ernst damit macht, in jede Gemeinde, in jedes Dorf Bildungsräume und von lokalen Bildungsteams eine Fülle von interessanten Veranstaltungen vor Ort zu bringen. Das sind die zwei Muster, die wir uns heute genauer anschauen wollen.

Die Grundthese ist, dass diese Muster das Problem lösen, auf der einen Seite der wachsenden Komplexität der Bildungsanforderungen gerecht zu werden. Gemeinden und Bürgerschaften werden das auf Dauer nur schaffen, wenn sie sich über weite Distanzen zu lernenden Netzwerken zusammenfinden. Zugleich aber müssen sie dafür Sorge tragen, dass dieses Wissen in der Nähe wirksam wird. Das kann nur in der Begegnung, im gemeinsamen Reflektieren geschehen.

Ich erinnere an den Satz von Adalbert Melichar aus Sendung 11, wo er gesagt hat, dass Bildungsprozesse grundsätzlich aktive Verarbeitungsprozesse von wiederkehrenden und neuen, von freudvollen und schmerzhaften Erfahrungen sind, also "Leben, um es ganz einfach zu sagen": in Beziehung zu anderen Menschen, in Beziehung zur Wirklichkeit, aber auch immer mit dem geistigen Ausstieg aus der derzeitigen Realität verbunden, ein Ort des Nachdenkens, wo man dem Druck und den Sachzwängen der realen Welt entweichen kann, wo man über neue Möglichkeiten im eigenen Leben nachdenken und auch etwas spielerisch erfahren und überprüfen kann. Bildung wird nicht nur und vielleicht gar nicht primär verstanden als individuelle Qualifikation, sondern speziell als Lernen und Gestalten von und in Kooperation – sowohl im lokalen Miteinander als auch in einem ständig wachsenden Netzwerk der teilnehmenden Dörfer und Gemeinden. Die DorfUni will helfen, diesen Weg zu beschleunigen. Aber sie kann nur dort funktionieren, wo sich die menschen selber beginnen, Bildungsräume zu schaffen.




Musik Lemon and Melon




Renate Mihle ist Regionalmanagerin der LEADER Region westliches Weinviertel Hollabrunn. Eine von 17 Regionen in Niederösterreich, eine von 77 in Österreich, eine von 3000 in der ganzen EU. Sie hat sich mit mehreren Organisationen der Erwachsenenbildung zusammengetan und bekennt sich zur engen Zusammenarbeit, ebenso wie ihr Projektpartner vom katholischen Bildungswerk, Erwin Mayer.

1.Opener Renate Erwin.mp3 - ErwachsenenBildung? und Regionalentwicklung

Obwohl LEADER ursprünglich eher eine Institution zur Verteilung von Landwirtschafts - Fördergeldern im ländlichen Raum war, wächst diese Struktur zunehmend und fast flächendeckend und alle Sektoren abdeckend in die Rolle der Regionalentwicklung, verfolgt die Ziele Wertschöpfung und die Lebensqualität bzw. Daseinsvorsorge zu verbessern, die Widerstandsfähigkeit gegen Krisen zu erhöhen und die Innovationskraft zu stärken Dabei werden Fördergelder in der Höhe von ungefähr 60% der Invesitionen eingesetzt.

Die Region umfasst 24 Gemeinden, die Träger und Multiplikatoren des Leader - Vereines sind und an der Strategieentwicklung beteiligt sind. Die Lokale Aktionsgruppe darf nicht nur aus Politikern bestehen und muss die Zivilgesellschaft miteinbeziehen.

Das besondere in der Region um Hollabrunn war, das nicht nur eine eigene Strategie im Bildungsbereich im Rahmen der zeitlich beschränkten Aktion "Lernende Regionen" erstellt wurde, sondern auch dass die Resonanz darauf bei den Bildungsanbietern sehr groß war und die Forderung nach mehr Sichtbarkeit laut wurde.

2. Lernfest und Wirkung des Lernens (3;42)

Barbara Sturmlechner stellte das Steuerungsteam vor und beschrieb das auf 3 Jahre angelegte und 110.000 Euro schwere Projekt im einzelnen.

3. Die 3 Säulen des Projektes "Wissbegierig" (2:48)
Qualifikation, Bewerbung und Networking

Hier zeigt sich schon, um wieviel mehr lokale, nahegelegene Bildungsorte bewirken können als bloße regionale Bildungszentren in der Bezirkshauptstadt. Es ist daher unabdingbar, dass auch lokale Strukturen entstehen, die sichern, dass Bildung vor Ort, in der Gemeinde verankert ist. Auch wenn traditionellerweise in der sogenannten Kompetenzverteilung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden nur ein kleiner Abschnitt der Bildung in den eigenständigen Wirkungsbereich der Gemeinden fällt, nämlich das Erhalten von Kindergärten, Volksschulen, Neuen Mittelschulen, Sonderschulen und Schulen des Polytechnischen Lehrganges, sehen immer mehr Gemeinden in Österreich die enorme Bedeutung und Kulturaufgabe einer integrierten Bildung als Bestandteil der lokalen Daseinsvorsorge. Gerade in den letzten Jahrzehnten hat sich hier ein großer Bewusstseinswandel vollzogen, und „Kommunale Bildungspolitik“ wird an einigen Orten vom randständigen, schmalen Politikfeld zum Querschnittthema. Wir haben in dieser Sendung ja schon Hinweise gehabt auf visionäre Gemeinden wie Moosburg oder Vorchdorf, die etwa einen Schulcampus nicht nur als rein bauliche Aufgabe und Investition sehen, sondern eigentlich als allerwichtigste und langfristigeste Zukunftsinvestition, in der die thematischen Schwerpunkte und das Beziehungsgeflecht der zukünftigen Gemeindebürgerinnen vorgeformt werden.

Kein Wunder also, dass eine der allerwichtigsten Säulen des Regionalprojektes eben auch verlässliche und zugleich agile lokale Strukturen sind.

4. SturmlechnerBildungsgemeinderätee? 4:17

Folgerichtig ist auch die Grundlage des zweiten Musters gelegt. Wer A sagt muus auch B sagen, wer lokale Bildung wll, der braucht auch Orte, und diese Orte brauchen wiederum, um zu funktionieren ganz bestimmte Qualitäten. Tatsächlich ist es erstaunlich, wie konsequent dieser Weg in der wissbegierigen Region beschritten wurde, aber andererseits wiederum auch nicht, denn wenn man sich einmal entschließt Bildung als lokale Angelegenheit ernst zu nehmen, dann liegt es nahe, dass auch eine großzügige Infrastruktur geschaffen werden muss, eine Infrastruktur die wiederum von Menschen erhalten werden muss, die dies auch sehr stark aus freiwilligem Engagement und Begeisterung heraus tun. Renate Mihle schildert diesen Infrastrukturaufbau und seinen unerwarteten Erfolg:

5. Mihle Bildungsräume - Bildungsteams 2:47

Michael Narodoslawsky, unser großer Mentor bei der Bespielung unseres allerersten und außerhalb einiger akademischer Arbeiten wohl weitgehend unbeachtet gebliebenen Bildungsraumes im südoststeirischen Kirchbach von 2004 bis 2013, hat zu Recht darauf hingewiesen, dass gerade ein agiles Freiwilligenteam viel glaubhafter und anziehender die Begeisterung der Bevölkerung vor Ort mobilisieren kann als bestallte Erwachsenenbildungsfunktionäre. Und während man vor 16 Jahren in Kirchbach von vorneherein auf dem digitalen Medium aufgebaut hat aber dies nur möglich war durch einen außergewöhnlichen Zufall, nämlich der Präsenz eines professionellen Internet Providers vor Ort, schildert Barbara Sturmlechner wie die Coronakrise plötzlich die massenhafte Kompetenz zum Umgang mit den Neuen Medien geschaffen hat:



6.Sturmlechner Digitale Medien Lockdown - Montagsakademie 1:52


Und eben auch durch die vermehrten Möglichkeiten mit ganz neuen Fragestellungen konfrontiert sind. Auch wir haben ja in Kirchbach neun Jahre lang die Montagsakademie als stabile Basis und reichhaltiges Angebot erlebt, und ich selbst konnte mehr aus der Wiener Ferne erleben wie dadurch ein soziales Event sui generis enstand, wie sich sogar ein regelrechter Bildungshunger entwickelte, mit all den Folgen wie sie Erwin Mayer anhand der Bell Studie geschildert hat. Aber ich habe dennoch die Notwendigkeit gefühlt, mit der DorfUni in gewisser Weise über die Montagsakademie hinauszugehen, weil es hier schon um mehr geht als einfach höhere Bildung und die kleine Universität im Dorf zu haben, so spannend und befriedigend das Gefühl auch eine zeitlag sein mag. Es wurden und werden in der Montagsakademie und ähnlichen Veranstaltungen doch die akademischen Strukturen reproduziert, hier die Wissenden, dort das Wissensgefälle. Es ist toll, auch im hinterletzten Dorf Zugang zum Wissen aus den großen Städten zu haben, es ist schön, Fragen stellen zu können, die dann mehr oder weniger gut beantwortet werden - aber letztlich bin ich das Gefühl nicht losgeworden, dass es doch primär um eine Selbstdarstellung des akademischen Betriebes geht. Doch es haben sich in der Wissenschaft neue Strömungen entwickelt, die neue Möglichkeiten eröffnen. Die sogenannte "Responsible Research and Innovation" etwa, die auf einem wirklich dialogischen Prinzip aufbaut, die es also zur expliziten Aufgabe der Wissenschaft macht, ihre Fragestellungen an den Bedürfnissen und Problemlagen der Bevölkerung zu orientieren. Die Universität soll also auch zuhören. Und zwar wirklich zuhören. Sie soll aus der Rolle des ex cathedra, des vom Lehrstuhl kommenden und predigenden, in die Rolle des lebendigen und flexiblen Dialogpartners mutieren. Sie soll auf gleicher Augenhöhe, verlässlich und verbindlich, eine dauerhafte Partnerin auch und insbesondere der ländlichen Regionen werden, anerkennend und eingedenk der Tatsache, dass oft aus praktischer Nähe zu den Problemlagen nicht nur eine große Vertrautheit, sondern auch eine kreative Kraft entsteht, die eben auch viele Formen des Bescheid- Wissens hervorbringt, die das universitäre Wissen ergänzen und sogar zu korrigieren vermögen. Ein Begriff der in diesem Zusammenhang eine goldene Brücke baut liegt im Konzept der Reallabore, also in der Betrachtung unserer Lebensräume als gemeinsamer Aufgabe und in der Betrachtung unseres Lebens als gemeinsames Lernen, in dem Wissensinstitutionen wie die Universitäten gernbe willkommen sind, wenn sie bereit sind zu erkennen dass sie eigentlich viele Dinge nicht wissen. Vor allem in einer Welt, die sich so rapide wandelt, in der viele Dinge täglich komplexer werden und alte Lösungen eben oft nicht mehr funktionieren oder sich sogar als Teil der Probleme entpuppen. In einer solchen Situation wird dann über die neuen Medien, über die Videobrücken der neuen Lernräume, das Land mit der Stadt, mit der Welt verbunden. Eine der großen Entdecklungen wird sein, dass es auch viele "Professores della practica" gibt, die sich aus den Regionen zu Wort melden.

7.Renate Mihle, Zusatz 1:21 fällt aus.

Stattdessen Musik "one needle" bis 0.54

Ich möchte jetzt gegen Schluss unserer heutigen Sendung ein wenig den Bereich der Spekulation betreten. Wie entwickelt sich das Bildungswesen und das Raumgefüge von Stadt und Land, wenn sich dieses durch die digitalen Netzwerke , wie schon früher ausgeführt, so sehr verdichtet, dass wir wirklich an den Aufbau leistungsfähiger und selbstbewusster Zentren dezentraler Kompetenz denken können, leistungsfähig sowohl innerhalb einer Region als auch darüber hinaus?

Zunächst müssten wohl aus den Bildungsräumen selber kleine dezentrale Bildungshäuser werden. Wir bilden ja oft auch die DorfUni mit der Metapher eines zweistöckigen Hauses ab, mit einem allgemeinen Bildungsraum im Erdgeschoß und Zellen der Weiterbildung im ersten Stock. Das soll heißen, die Professionalität wird zunehmen, ohne dass der Spaß an der Freude und die Selbstwirksamkeit dabei verlorengehen darf. Die Bildungsteams werden vielleicht auch in die Rolle von Begleitenden reinwachsen, die nicht nur Verantwortung übernehmen für die beständige Motivation und Inspiration der Gemeinschaft, sondern auch dafür, die Integration der verschiedenen Menschen zu handlungsfähigen und - im freien Wortsinn - unternehmerischen Zusammenschlüssen zu begleiten. Selbsthilfe ist die große Kraft des ländlichen Raumes, und diese Selbsthilfe und Selbstversorgung bedarf einer Fülle von Ressourcen, Werkzeugen, und damit einhergehend eben auch Wissensressourcen - um die sich vor Ort jemand kümern muss.

Lange bevor wir die Dorfuni aus der Taufe gehoben haben haben wir - inspiriert durch vierteljährliche Zusammenkünfte von Erwachsenenbildnern und Regionalentwicklern in der landwirtschaftlichen Fachschule von Hollabrunn - in verschiedenen Europäischen Lernpartnerschaften den Zusammenhang von lokaler und regionaler Entwicklung studiert. Diese lernpartnerschaften trugen so klingende Namen wie ERDE und MIR, und immer wieder tauchte das Bedürfnis auf nach einer lokalen Institution, die flexibel genug ist, um die in den Kooperationsketten entstehenden individuellen Bildungsbedürfnisse abzudecken. Es müsste eine Bildung sein die so modular ist wie ein Legospiel, um sich an den jeweiligen Kontext und an die jeweiligen Erordernisse anzupassen. Wir nannten das regionales Informationscoaching und dachten dabei an Büchereien, die ganz einfühlsam für jede und jeden Einzelnen immer wieder das passende Buch auswählen. Nur wäre es in diesem Fall das Netz, das digitale Medium, und die Module würden sich auch aus der jeweils gemeinsam beschlossenen lokalen Zukunftsperspektive ergeben. Sehr individuell, unvorhersehbar und immer wieder neu. Das bedeutet auch, dass zentrale Bildungseinrichtungen nicht überfflüssig geworden sind, aber in die völlig neue Rolle hineinwachsen müssen, diese Module zu liefern.

Michael Narodoslawski, unser schon erwähnter Mentor in Kirchbach in der Steiermark, mittlerweile emeritierter Professor der technischen Universität Graz, hat diese Bauanleitung für dezentrale Bildungseinrichtungen am zweiten Tag unserer Konferenz sehr schön auf den Begriff gebracht:

8 Narodoslawsky 4:41

Soweit Michael Narodoslawsky. Es gibt dem kaum etwas hinzuzufügen, außer dem vielleicht, dass ich hoffe, mit ihm und vielen anderen aktiven oder emeritierten Universitätslehreren eine virtuelle Fakultät zur Unterstützung wissbegieriger Regionen rund um die DorfUni ins Leben zu rufen. Ja, und zum Abschluss möchte ich noch einmal Erwin Mayer zu Wort kommen lassen:


9. Erwin Mayer Schlusswort 1:55




geniale Schlussmusik "Only Lonesome"
noch genialere Schlussmusik "Friction Model"

Das war die fünfzehnte Sendung aus der Reihe "Willkommen im Globalen Dorf", und die letzte Sendung des Jahres 2020, das sich wohl wie kein anderes seit 1968 in die Geschichte unseres Planeten eingebrannt hat, mit offenem Ausgang. Wie die Geschichte in dieser Sendung weitergeht, ist offen. Bitte schreiben Sie mir ihre Anregungen und Wünsche, am besten in die Kommentarsektion des cultural broadcasting archive der freien Radios Österreich: cba.fro.at, sie finden dort diese Sendung und alle Vorgängersendungen zum jederzeitigen Nachhören ebenso wie auch auf agora.at. Diese Sendung steht wie alle Musikstücke unter einer Creative Commons Lizenz und darf auch weiterverbreitet und geteilt werden. Die Musik kommt von den genialen Blue Dot Sessions, ebenso wie unser Jingle finden sie sich auf dem Album One Such Village.
*Wir* hören uns hoffentlich wieder im Januar, es gibt immer mehr zu erzählen von den Globalen Dörfern, und wenn Sie Lust bekommen haben mitzumachen, entweder im Redaktionsteam dieser Sendung oder bei einem regionalen oder zentralen Team der DorfUni, dann kontaktieren Sie mich bitte ebenso. Zum beispiel auch unter f.nahrada@reflex.at

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15_Transformation_durch_Kooperation II (2.Teil)

Guten Abend, liebe HörerInnen und Hörer, ich hoffe Ihr oder Sie habt angenehme Weihnachtstage hinter Euch. Heute ist Montag der 28.Dezember, und die Originalausstrahlung dieser Sendung erfogt wie immer über Radio AGORA, das zweisprachige Radio des Südens. Ich bin Franz Nahrada, die Sendung heißt "Willkommen im Globalen Dorf" und geht heute in Folge 15. ˧

Ich möchte heute einige weitere Highlights aus unserer inhaltsreichen und dichten Konferenz "Transformation durch Kooperation" Revue passieren lassen,die wir im September dieses Jahres in Obergrafendorf abhielten. ˧

Zur Erinnerung. In unserer Sendung geht es im Kern um die neuen Gestaltungsmöglichkeiten ländlicher Räume, ein Thema das weltweit gerade durch die abrupten Stadtfluchten angesichts der Corona Krise vom verspielten Träumerthema zu so etwas wie Mainstream geworden ist. In der Tat bin ich mit vielen anderen der Meinung, dass die 2-3% der Landfläche, die die großen und mittleren Städte auf der Welt einnehmen, nicht die 100% der Aufmerksamkeit verdienen, die ihnen kreative Architekten, Planer, Soziologen, Designer, Verfahrenstechniker und Technologen schenken. Es ist spätestens jetzt an der Zeit, nicht nur von "Smart City" zu reden, sondern auch von der "Smart Countryside", dem ländlichen Raum als vollwertigem Lebensraum,in dem wir mit gleichwertigen Lebensbedingungen, aber vielleicht mit einem viel höheren Grad an Selbstbestimmung leben können als in den Städten. ˧

Die heutige Sendung ist bereits die fünfte, in der wir Streiflichter werfen auf eine der zentralen Voraussetzungen dieser "Smart Countryside". Ich versuche ja, diesen Begriff nicht wie ein Marketinginstrument von Technologiefirmen zu verwenden, sondern als Hinweis auf einen viel stärkeren Grad von interner Koordination, Problemlösungsfähigkeit, Kreativität, Anpassungsfähigkeit, Wuiderstandskraft als unter gegenwärtigen Umständen gegeben. ˧

Die allgemeine Konsequenz, die ich in den letzten vier Sendungen schon ausführlicher dargestellt habe, ist die Forcierung von Bildung als "archimedischem Hebel" und die Entwicklung von vielfältigen Bildungsumgebungen, siehe Folge 11. In diesem Kontext ist auch das Einsprengsel über moderne weltliche Klöster in Folge 13 durchaus beabsichtigt gewesen. Während sich Folge 12 den Zusammenhängen von Bildung und Dörflichkeit als immenser Chance gewidmet hat, war Folge 14 geprägt von der Wahrnehmung der weiteren Spezifika ländlicher Räume und der Notwendigkeit strategischer Kooperation innerhalb von Kleinregionen, um die kritische Masse an Menschen und Angeboten zu erreichen. ˧

In Summe: Wir brauchen aus Gründen der regionalen Entwicklung ein neues Bildungssystem, eines, das gezielt Motivation und Qualifikation schafft, um der Entleerung ländlicher Räume entgegenzuwirken.Ein solches System gibt es bis dato nur in Ansätzen. Wir vermuten auch stark dass die Entwicklung eines solchen Bildungssystems eigene Gesetzmäßigkeiten und Muster hat. Diese müssen sich freilich in der Praxis bewähren. Dazu geht es heute noch mehr ins Detail und zunächst mal an einen interessanten Ort, wo wir diese Muster in ihrer Entstehung besonders gut studieren können. ˧

Auf unserer Konferenz "Transformation durch Kooperation" führten wir das Beispiel einer Region vor, die Ernst damit macht, in jede Gemeinde, in jedes Dorf Bildungsräume und von lokalen Bildungsteams eine Fülle von interessanten Veranstaltungen vor Ort zu bringen. Das sind die zwei Muster, die wir uns heute genauer anschauen wollen. ˧

Die Grundthese ist, dass diese Muster das Problem lösen, auf der einen Seite der wachsenden Komplexität der Bildungsanforderungen gerecht zu werden. Gemeinden und Bürgerschaften werden das auf Dauer nur schaffen, wenn sie sich über weite Distanzen zu lernenden Netzwerken zusammenfinden. Zugleich aber müssen sie dafür Sorge tragen, dass dieses Wissen in der Nähe wirksam wird. Das kann nur in der Begegnung, im gemeinsamen Reflektieren geschehen. ˧

Ich erinnere an den Satz von Adalbert Melichar aus Sendung 11, wo er gesagt hat, dass Bildungsprozesse grundsätzlich aktive Verarbeitungsprozesse von wiederkehrenden und neuen, von freudvollen und schmerzhaften Erfahrungen sind, also "Leben, um es ganz einfach zu sagen": in Beziehung zu anderen Menschen, in Beziehung zur Wirklichkeit, aber auch immer mit dem geistigen Ausstieg aus der derzeitigen Realität verbunden, ein Ort des Nachdenkens, wo man dem Druck und den Sachzwängen der realen Welt entweichen kann, wo man über neue Möglichkeiten im eigenen Leben nachdenken und auch etwas spielerisch erfahren und überprüfen kann. Bildung wird nicht nur und vielleicht gar nicht primär verstanden als individuelle Qualifikation, sondern speziell als Lernen und Gestalten von und in Kooperation – sowohl im lokalen Miteinander als auch in einem ständig wachsenden Netzwerk der teilnehmenden Dörfer und Gemeinden. Die DorfUni will helfen, diesen Weg zu beschleunigen. Aber sie kann nur dort funktionieren, wo sich die menschen selber beginnen, Bildungsräume zu schaffen. ˧


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Renate Mihle ist Regionalmanagerin der LEADER Region westliches Weinviertel Hollabrunn. Eine von 17 Regionen in Niederösterreich, eine von 77 in Österreich, eine von 3000 in der ganzen EU. Sie hat sich mit mehreren Organisationen der Erwachsenenbildung zusammengetan und bekennt sich zur engen Zusammenarbeit, ebenso wie ihr Projektpartner vom katholischen Bildungswerk, Erwin Mayer. ˧

1.Opener Renate Erwin.mp3 - ErwachsenenBildung? und Regionalentwicklung ˧

Obwohl LEADER ursprünglich eher eine Institution zur Verteilung von Landwirtschafts - Fördergeldern im ländlichen Raum war, wächst diese Struktur zunehmend und fast flächendeckend und alle Sektoren abdeckend in die Rolle der Regionalentwicklung, verfolgt die Ziele Wertschöpfung und die Lebensqualität bzw. Daseinsvorsorge zu verbessern, die Widerstandsfähigkeit gegen Krisen zu erhöhen und die Innovationskraft zu stärken Dabei werden Fördergelder in der Höhe von ungefähr 60% der Invesitionen eingesetzt. ˧

Die Region umfasst 24 Gemeinden, die Träger und Multiplikatoren des Leader - Vereines sind und an der Strategieentwicklung beteiligt sind. Die Lokale Aktionsgruppe darf nicht nur aus Politikern bestehen und muss die Zivilgesellschaft miteinbeziehen. ˧

Das besondere in der Region um Hollabrunn war, das nicht nur eine eigene Strategie im Bildungsbereich im Rahmen der zeitlich beschränkten Aktion "Lernende Regionen" erstellt wurde, sondern auch dass die Resonanz darauf bei den Bildungsanbietern sehr groß war und die Forderung nach mehr Sichtbarkeit laut wurde. ˧

2. Lernfest und Wirkung des Lernens (3;42) ˧

Barbara Sturmlechner stellte das Steuerungsteam vor und beschrieb das auf 3 Jahre angelegte und 110.000 Euro schwere Projekt im einzelnen. ˧

3. Die 3 Säulen des Projektes "Wissbegierig" (2:48) Qualifikation, Bewerbung und Networking ˧

Hier zeigt sich schon, um wieviel mehr lokale, nahegelegene Bildungsorte bewirken können als bloße regionale Bildungszentren in der Bezirkshauptstadt. Es ist daher unabdingbar, dass auch lokale Strukturen entstehen, die sichern, dass Bildung vor Ort, in der Gemeinde verankert ist. Auch wenn traditionellerweise in der sogenannten Kompetenzverteilung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden nur ein kleiner Abschnitt der Bildung in den eigenständigen Wirkungsbereich der Gemeinden fällt, nämlich das Erhalten von Kindergärten, Volksschulen, Neuen Mittelschulen, Sonderschulen und Schulen des Polytechnischen Lehrganges, sehen immer mehr Gemeinden in Österreich die enorme Bedeutung und Kulturaufgabe einer integrierten Bildung als Bestandteil der lokalen Daseinsvorsorge. Gerade in den letzten Jahrzehnten hat sich hier ein großer Bewusstseinswandel vollzogen, und „Kommunale Bildungspolitik“ wird an einigen Orten vom randständigen, schmalen Politikfeld zum Querschnittthema. Wir haben in dieser Sendung ja schon Hinweise gehabt auf visionäre Gemeinden wie Moosburg oder Vorchdorf, die etwa einen Schulcampus nicht nur als rein bauliche Aufgabe und Investition sehen, sondern eigentlich als allerwichtigste und langfristigeste Zukunftsinvestition, in der die thematischen Schwerpunkte und das Beziehungsgeflecht der zukünftigen Gemeindebürgerinnen vorgeformt werden. ˧

Kein Wunder also, dass eine der allerwichtigsten Säulen des Regionalprojektes eben auch verlässliche und zugleich agile lokale Strukturen sind. ˧

4. SturmlechnerBildungsgemeinderätee? 4:17 ˧

Folgerichtig ist auch die Grundlage des zweiten Musters gelegt. Wer A sagt muus auch B sagen, wer lokale Bildung wll, der braucht auch Orte, und diese Orte brauchen wiederum, um zu funktionieren ganz bestimmte Qualitäten. Tatsächlich ist es erstaunlich, wie konsequent dieser Weg in der wissbegierigen Region beschritten wurde, aber andererseits wiederum auch nicht, denn wenn man sich einmal entschließt Bildung als lokale Angelegenheit ernst zu nehmen, dann liegt es nahe, dass auch eine großzügige Infrastruktur geschaffen werden muss, eine Infrastruktur die wiederum von Menschen erhalten werden muss, die dies auch sehr stark aus freiwilligem Engagement und Begeisterung heraus tun. Renate Mihle schildert diesen Infrastrukturaufbau und seinen unerwarteten Erfolg: ˧

5. Mihle Bildungsräume - Bildungsteams 2:47 ˧

Michael Narodoslawsky, unser großer Mentor bei der Bespielung unseres allerersten und außerhalb einiger akademischer Arbeiten wohl weitgehend unbeachtet gebliebenen Bildungsraumes im südoststeirischen Kirchbach von 2004 bis 2013, hat zu Recht darauf hingewiesen, dass gerade ein agiles Freiwilligenteam viel glaubhafter und anziehender die Begeisterung der Bevölkerung vor Ort mobilisieren kann als bestallte Erwachsenenbildungsfunktionäre. Und während man vor 16 Jahren in Kirchbach von vorneherein auf dem digitalen Medium aufgebaut hat aber dies nur möglich war durch einen außergewöhnlichen Zufall, nämlich der Präsenz eines professionellen Internet Providers vor Ort, schildert Barbara Sturmlechner wie die Coronakrise plötzlich die massenhafte Kompetenz zum Umgang mit den Neuen Medien geschaffen hat: ˧

6.Sturmlechner Digitale Medien Lockdown - Montagsakademie 1:52
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Und eben auch durch die vermehrten Möglichkeiten mit ganz neuen Fragestellungen konfrontiert sind. Auch wir haben ja in Kirchbach neun Jahre lang die Montagsakademie als stabile Basis und reichhaltiges Angebot erlebt, und ich selbst konnte mehr aus der Wiener Ferne erleben wie dadurch ein soziales Event sui generis enstand, wie sich sogar ein regelrechter Bildungshunger entwickelte, mit all den Folgen wie sie Erwin Mayer anhand der Bell Studie geschildert hat. Aber ich habe dennoch die Notwendigkeit gefühlt, mit der DorfUni in gewisser Weise über die Montagsakademie hinauszugehen, weil es hier schon um mehr geht als einfach höhere Bildung und die kleine Universität im Dorf zu haben, so spannend und befriedigend das Gefühl auch eine zeitlag sein mag. Es wurden und werden in der Montagsakademie und ähnlichen Veranstaltungen doch die akademischen Strukturen reproduziert, hier die Wissenden, dort das Wissensgefälle. Es ist toll, auch im hinterletzten Dorf Zugang zum Wissen aus den großen Städten zu haben, es ist schön, Fragen stellen zu können, die dann mehr oder weniger gut beantwortet werden - aber letztlich bin ich das Gefühl nicht losgeworden, dass es doch primär um eine Selbstdarstellung des akademischen Betriebes geht. Doch es haben sich in der Wissenschaft neue Strömungen entwickelt, die neue Möglichkeiten eröffnen. Die sogenannte "Responsible Research and Innovation" etwa, die auf einem wirklich dialogischen Prinzip aufbaut, die es also zur expliziten Aufgabe der Wissenschaft macht, ihre Fragestellungen an den Bedürfnissen und Problemlagen der Bevölkerung zu orientieren. Die Universität soll also auch zuhören. Und zwar wirklich zuhören. Sie soll aus der Rolle des ex cathedra, des vom Lehrstuhl kommenden und predigenden, in die Rolle des lebendigen und flexiblen Dialogpartners mutieren. Sie soll auf gleicher Augenhöhe, verlässlich und verbindlich, eine dauerhafte Partnerin auch und insbesondere der ländlichen Regionen werden, anerkennend und eingedenk der Tatsache, dass oft aus praktischer Nähe zu den Problemlagen nicht nur eine große Vertrautheit, sondern auch eine kreative Kraft entsteht, die eben auch viele Formen des Bescheid- Wissens hervorbringt, die das universitäre Wissen ergänzen und sogar zu korrigieren vermögen. Ein Begriff der in diesem Zusammenhang eine goldene Brücke baut liegt im Konzept der Reallabore, also in der Betrachtung unserer Lebensräume als gemeinsamer Aufgabe und in der Betrachtung unseres Lebens als gemeinsames Lernen, in dem Wissensinstitutionen wie die Universitäten gernbe willkommen sind, wenn sie bereit sind zu erkennen dass sie eigentlich viele Dinge nicht wissen. Vor allem in einer Welt, die sich so rapide wandelt, in der viele Dinge täglich komplexer werden und alte Lösungen eben oft nicht mehr funktionieren oder sich sogar als Teil der Probleme entpuppen. In einer solchen Situation wird dann über die neuen Medien, über die Videobrücken der neuen Lernräume, das Land mit der Stadt, mit der Welt verbunden. Eine der großen Entdecklungen wird sein, dass es auch viele "Professores della practica" gibt, die sich aus den Regionen zu Wort melden. ˧

7.Renate Mihle, Zusatz 1:21 fällt aus. ˧

Stattdessen Musik "one needle" bis 0.54 ˧

Ich möchte jetzt gegen Schluss unserer heutigen Sendung ein wenig den Bereich der Spekulation betreten. Wie entwickelt sich das Bildungswesen und das Raumgefüge von Stadt und Land, wenn sich dieses durch die digitalen Netzwerke , wie schon früher ausgeführt, so sehr verdichtet, dass wir wirklich an den Aufbau leistungsfähiger und selbstbewusster Zentren dezentraler Kompetenz denken können, leistungsfähig sowohl innerhalb einer Region als auch darüber hinaus? ˧

Zunächst müssten wohl aus den Bildungsräumen selber kleine dezentrale Bildungshäuser werden. Wir bilden ja oft auch die DorfUni mit der Metapher eines zweistöckigen Hauses ab, mit einem allgemeinen Bildungsraum im Erdgeschoß und Zellen der Weiterbildung im ersten Stock. Das soll heißen, die Professionalität wird zunehmen, ohne dass der Spaß an der Freude und die Selbstwirksamkeit dabei verlorengehen darf. Die Bildungsteams werden vielleicht auch in die Rolle von Begleitenden reinwachsen, die nicht nur Verantwortung übernehmen für die beständige Motivation und Inspiration der Gemeinschaft, sondern auch dafür, die Integration der verschiedenen Menschen zu handlungsfähigen und - im freien Wortsinn - unternehmerischen Zusammenschlüssen zu begleiten. Selbsthilfe ist die große Kraft des ländlichen Raumes, und diese Selbsthilfe und Selbstversorgung bedarf einer Fülle von Ressourcen, Werkzeugen, und damit einhergehend eben auch Wissensressourcen - um die sich vor Ort jemand kümern muss. ˧

Lange bevor wir die Dorfuni aus der Taufe gehoben haben haben wir - inspiriert durch vierteljährliche Zusammenkünfte von Erwachsenenbildnern und Regionalentwicklern in der landwirtschaftlichen Fachschule von Hollabrunn - in verschiedenen Europäischen Lernpartnerschaften den Zusammenhang von lokaler und regionaler Entwicklung studiert. Diese lernpartnerschaften trugen so klingende Namen wie ERDE und MIR, und immer wieder tauchte das Bedürfnis auf nach einer lokalen Institution, die flexibel genug ist, um die in den Kooperationsketten entstehenden individuellen Bildungsbedürfnisse abzudecken. Es müsste eine Bildung sein die so modular ist wie ein Legospiel, um sich an den jeweiligen Kontext und an die jeweiligen Erordernisse anzupassen. Wir nannten das regionales Informationscoaching und dachten dabei an Büchereien, die ganz einfühlsam für jede und jeden Einzelnen immer wieder das passende Buch auswählen. Nur wäre es in diesem Fall das Netz, das digitale Medium, und die Module würden sich auch aus der jeweils gemeinsam beschlossenen lokalen Zukunftsperspektive ergeben. Sehr individuell, unvorhersehbar und immer wieder neu. Das bedeutet auch, dass zentrale Bildungseinrichtungen nicht überfflüssig geworden sind, aber in die völlig neue Rolle hineinwachsen müssen, diese Module zu liefern. ˧

Michael Narodoslawski, unser schon erwähnter Mentor in Kirchbach in der Steiermark, mittlerweile emeritierter Professor der technischen Universität Graz, hat diese Bauanleitung für dezentrale Bildungseinrichtungen am zweiten Tag unserer Konferenz sehr schön auf den Begriff gebracht: ˧

8 Narodoslawsky 4:41 ˧

Soweit Michael Narodoslawsky. Es gibt dem kaum etwas hinzuzufügen, außer dem vielleicht, dass ich hoffe, mit ihm und vielen anderen aktiven oder emeritierten Universitätslehreren eine virtuelle Fakultät zur Unterstützung wissbegieriger Regionen rund um die DorfUni ins Leben zu rufen. Ja, und zum Abschluss möchte ich noch einmal Erwin Mayer zu Wort kommen lassen: ˧

9. Erwin Mayer Schlusswort 1:55


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geniale Schlussmusik "Only Lonesome" noch genialere Schlussmusik "Friction Model" ˧

Das war die fünfzehnte Sendung aus der Reihe "Willkommen im Globalen Dorf", und die letzte Sendung des Jahres 2020, das sich wohl wie kein anderes seit 1968 in die Geschichte unseres Planeten eingebrannt hat, mit offenem Ausgang. Wie die Geschichte in dieser Sendung weitergeht, ist offen. Bitte schreiben Sie mir ihre Anregungen und Wünsche, am besten in die Kommentarsektion des cultural broadcasting archive der freien Radios Österreich: cba.fro.at, sie finden dort diese Sendung und alle Vorgängersendungen zum jederzeitigen Nachhören ebenso wie auch auf agora.at. Diese Sendung steht wie alle Musikstücke unter einer Creative Commons Lizenz und darf auch weiterverbreitet und geteilt werden. Die Musik kommt von den genialen Blue Dot Sessions, ebenso wie unser Jingle finden sie sich auf dem Album One Such Village. ˧

  • Wir* hören uns hoffentlich wieder im Januar, es gibt immer mehr zu erzählen von den Globalen Dörfern, und wenn Sie Lust bekommen haben mitzumachen, entweder im Redaktionsteam dieser Sendung oder bei einem regionalen oder zentralen Team der DorfUni, dann kontaktieren Sie mich bitte ebenso. Zum beispiel auch unter f.nahrada@reflex.at ˧