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Willkommen im Globalen Dorf /
2 Die Planetare Krise


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/Sternhof Vortragsnotizen ˧


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Inhaltsverzeichnis dieser Seite
Sendung   
Jingle   
Einmoderation   
Rekapitulation   
Erstes Kapitel: die globale Verwüstung   
Zweites Kapitel: die geistige Wüste   
Drittes Kapitel: der planetare Garten   
Literatur   
erstes Kapitel: die globale Verwüstung   
zweites Kapitel: die geistige Wüste   
drittes Kapitel: der planetare Garten   
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Sendung    

Vorarbeiten: Sternhof Vortragsnotizen ˧

Jingle    

0.0 Willkommen im Globalen Dorf (Musik) ˧

Kandidaten für Jingle: ˧

weitere Musikauswahl siehe auf der Unterseite /SoundcloudOptions. ˧

Einmoderation    

0.1. Willkommen zur zweiten Folge von "Willkommen im Globalen Dorf", der Sendereihe von Franz Nahrada aus Bad Radkersburg auf Radio Agora 105,5. Und heute ausnahmsweise am 5. Montag im Monat. Eine Sendereihe, in der es um ein hoffnungsvolles und zugleich realistisches Zukunftsbild geht; etwas was ja heutzutage zur absoluten Mangelware geworden ist. [27,3 27.3] ˧

0.2 Wer Augen hat zu sehen und Ohren hat zu hören, wer ein Hirn hat zu denken der weiß: wir durchleben eine planetare Krise. Damit beschäftigt sich die heutige Sendung - wieder wie das letzte Mal in drei Kapiteln.[17,6 ] ˧

0.3. Das Antropozän, also das geologische Zeitalter, das von der biologischen Spezies Mensch geprägt und ihrer Wirkung auf den Planeten ist , ist nicht gerade eine Erfolgsgeschichte. Das erste Kapitel der heutigen Sendung beschäftigt sich mit dem Ausmaß, der Dringlichkeit und den tiefen strukturellen Gründen der planetaren Umweltzerstörung. [27,1 ] ˧

0.4 Im zweiten Kapitel geht es um unzureichende oder verhängnisvollen ideologischen Reaktionen auf diese Umweltzerstörung. Warum die Wahrnehmungen, die Lösungsvorschläge und die Zukunftsbilder der Umweltbewegung uns möglicherweise an einer erfolgreichen Bewältigung der planetaren Krise hindern. [24,5 ] ˧

0.5 Im dritten Kapitel wird dann - wenig überraschend - die Verbindung zum roten Faden unserer Sendereihe hergestellt. Denn, so die Behauptung, der Mensch - wenn wir diese furchtbare Abstraktion einmal für einen Augenblick verwenden wollen - ist nicht einfach der Schädling des planetaren Lebensnetzwerkes. Seine wahre Entfaltung wird er erst dann finden, wenn er seine Rolle und seine absolute Notwendigkeit in diesem Netzwerk des Lebens begreift. Und diese beinhaltet, dass wir die städtische Lebensweise mit etwas völlig Neuem transzendieren.[40,7 ] ˧

Rekapitulation    

0.6. Doch eingangs möchte ich, vor allem für die Hörerinnen und Hörer, die heute das erste Mal dabei sind, noch einmal ganz kurz rekapitulieren worum es in dieser Sendung geht. Die erste Folge verfolgte die innere Entfaltung des Begriffes "Globales Dorf". Dabei, so die These, müssen wir mit Marshall McLuhan verstehen, dass die Globalisierung der Wirtschaft, der Kommunikation, der Produktion und so weiter notwendigerweise in ihr Gegenteil umschlägt. Erst wenn wir diese - etwas altmodisch könnte man sagen: Dialektik - in ihrem vollen Umfang begreifen und uns auch aus den alten Denk- und Handlungsmustern befreien, können wir entdecken, dass eine völlig neue Struktur auf uns wartet, die sich vom bisherigen Bild der Welt so radikal unterscheidet wie der Schmetterling von der Raupe. [58,0 ] ˧

0.7. Die Globalisierung, so McLuhan, schlägt an ihrem Ende in ihr Gegenteil um. Aber mit "Gegenteil" meint er gerade nicht den ungezügelten Nationalismus und Tribalismus, der derzeit an allen Ecken und Enden des Planeten brennt und die Welt in einen neuen Feuersturm zu senden droht. Er spricht in sehr kryptischen, aber starken Bildern von einer Renaissance, und auch von einer "großen Implosion". Er kündigt einen noch nie dagewesenen Aufstieg des Lokalen an. Davon handelt unsere Sendereihe, genauer von der Entfaltung einer Siedlungs- und Lebensform die im Begriff des Globalen Dorfs enthalten und angelegt ist. Die heutige Sendung beschäftigt sich mit der These, warum das Globale Dorf - oder wie wir mittlerweile präziser sagen können, die Globalen Dörfer - eine umfassende Lösung und Überwindung der globalen Krise sind: und vielleicht sogar die einzige, die diesen Titel verdient. [1.55 ] ˧

Erstes Kapitel: die globale Verwüstung    

1.1. Es fällt schwer, einen konzisen Überblick über die mannigfaltigen Aspekte der planetaren Krise zu geben. Zu abgestumpft sind wir von täglich neuen Schreckensmeldungen, zu vielfältig sind die Felder, in denen ein außer Kontrolle geratenes Wirtschaftswachstum samt der es beaufsichtigenden Staatsgewalten das Netzwerk des Lebens auf unserem Planeten zerstören. [32,8] ˧

1.2. Dabei ist die Klimakatastrophe, die derzeit durch Bewegungen wie Extinction Rebellion und Fridays for Future wieder ins Bewusstsein gerückt ist, nur ein Teil des Bildes. Zu Wasser, zu Land und in der Luft erleben wir, wie unser Planet unbewohnbar gemacht wird. [16,8] ˧

1.3.An den Weltmeeren, die freies Beutegut und Müllsenke Nummer eins sind, erkennen wir, wie sich Versauerung, Vergiftung, Verseuchung und Überfischung Hand in Hand aufschaukeln. Plastik, Öl, radioaktiver Abfall usw. beförden den Kollaps maritimen Lebens.[20 ] ˧

1.4.Die Ausbeutung der biogenen Ressourcen am Land bedeutet zum Beispiel die Zerstörung der Regenwälder für Palmöl, Agrartreibstoff, oder Futtermittel der Fleischproduktion. Mehr als die Hälfte der Regenwälder weltweit sind mittlerweile abgefackelt. Die Freisetzung von Giften und schädlichen Substanzen aller Art durch Industrie und Ausbeutung von Bodenschätzen, vor allem im globalen Süden. Die Bilder von brechenden Dämmen und von Industrieschlamm, der sich über Mensch und Landschaft ergießt. All das wiederholt sich immer öfter. Die Überdüngung des Bodens und der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft - all das führt zu Bodendegradation, der Vernichtung des mikroorganischen Bodenlebens und dem Verlust an genetischer Vielfalt von Insekten und Pflanzen. Eine Studie in deutschen Naturschutzgebieten ergab eine Abnahme fliegender Insekten um 76% innerhalb weniger Jahre. Wie viel höher muss diese Abnahme auf den Agrarflächen sein! Wer wundert sich, dass Bienenzüchter als last resort noch auf die Biodiversität der Balkonblumen in den Städten zugreifen müssen - jetzt wurde sogar bekannt dass sogar auf dem Dach von Notre Dame Bienenstöcke standen, und dass Stadtbienen mittlerweile auch auf der Wiener Staatsoper produktiver sind als Landbienen!! So reiht sich Mosaikstein an Mosaikstein. Werden die natürlichen Mikroklimata und die Speicherungsfägigkeit des Bodens zerstört, wird die industrielle Landwirtschaft durstig wie ein Fieberkranker. Binnengewässer wie der Aralsee oder das Tote Meer sind am Austrocknen, der Kampf um das Wasser der Flüsse führt perspektivisch zu Wasserkriegen. Ikonisch sind etwa die Rivalitäten der Großräume Los Angeles und Phoenix um das Wasser des Colorado River - aber auch am Indus ist es nicht anders. Aber genauso ikonisch sind die Glashauswüsten von Almeria in Spanien, ergänzt um die Wassersüchtigen Touristenburgen an den Küsten. Das Resultat: Ein sich immer schneller beschleunigender Teufelskreis der Verwüstung erfasst diesen Planeten.[143 ] ˧

1.5. Weltweit werden nach wie vor jedes Jahr 24 Milliarden Tonnen fruchtbares Erdreich weggeschwemmt, verweht, vernichtet. Damit könnte die gesamte Agrarfläche der USA bedeckt werden. Seit 1945 sind so schon 1,2 Milliarden Hektar fruchtbarer Boden durch Degradation verloren gegangen – das entspricht der gemeinsamen Landfläche von China und Indien. Die weltweit von Verödung bedrohten Gebiete wurden allerdings schon im Jahr 2000 von der Unep auf 3,6 Milliarden Hektar geschätzt, was einem Viertel der globalen Landmasse entspricht. Ein Planet der Wüsten und Steppen? Mittlerweile betrifft uns diese Entwicklung auch in Europa in dramatischem Ausmaß. In Spanien haben sich bereits 40% der Landfläche in Trockengebiete verwandelt, konsequenterweise stehen mittlerweile tausende Dörfer leer. [60 ] ˧

1.6.Ich kann daher verstehen, wenn manche Experten der Ansicht sind, dass die Überbetonung des Faktors C02 und der Treibhausgase einen tief darunter liegenden - und eigentlich offensichtlichen - Skandal nahezu verschleiern. Der Skandal besteht darin, dass menschliche Eingriffe mit dem Wasserhaushat gleichsam das Kühlsystem des Planeten zerstört haben und dass die moderne Agrikultur ein kurzer Weg zur Zerstörung unserer Lebensgrundlagen ist. Insoferen stimmt das Bild aus dem Film "Interstellar", wo der letzte noch verbliebene Rest an Landwirtschaft - nämlich genau die heute so forcierte Monokultur von pestizidresitentem Mais - von riesigen Staubstürmen vernichtet wird. Dass konsequenterweise der Farmer zum Astronauten wird, um der Menschheit hinter einem zeitgerecht aufgetauchten Wurmloch eine neue Heimat zu suchen - weit draußen im Weltall -, ist eine der so wunderbar zum Zeitgeist passenden Fieberhalluzinationen und geistigen Abwegigkeiten, die uns im zweiten Kapitel beschäftigen werden.[72 ] ˧

1.7.Doch zurück zur Realität. Aufmerksame Zuhörer werden schon längst ahnen, was ich mit diesem Eingans - Kapitel sagen will: Die planetare Zerstörung, die wir gerade durchleben, ist nicht das Resultat von zuviel Mensch auf der Erde. Sie ist das Resultat des genauen Gegenteils: nämlich des Rückzugsdeer menschen aus der landschaft . Und alle Rechnungen die besagen, wir wären zu viele Menschen auf der Erde, sind Milchmädchenrechnungen, die die sich verringernde Agrarfläche und ihre Degradation als fix gegebene Rahmenbedingungen unterstellen, als wären diese nicht auch das Resultat der bewusst in Kauf genommenen Entvölkerung der Peripherien. [47 ] ˧

1.8.Wenn wir uns einmal ganz grob die Oberfläche unseres Planeten ansehen, dann sind 70% von Meeren bedeckt und nur knapp 30% Landfläche. Wenn wir uns nur diese Landfläche ansehen und als 100 % ansetzen, dann sind wiederum 68 % der Landflächen derzeit für den Menschen nicht nutzbar - bedeckt von Eis (10%), Wüsten (10%), Steppen (7%), Wald (27%), Hochgebirgen (11%), Seen und Flüssen (3%). Bleiben 32 % potentiell nutzbare Fläche. Was wird nun tatsächlich den Berechnungen der Überbevölkerungspropheten zugrunde gelegt? Es sind zirka zwischen 2 und 3 % der Landfläche, die zumeist als landwirtschaftlich genutztes Land in die Statistiken eingehen. Eher schon nicht die 3 % die als Rand- und Problemzonen mit Raubbau verbucht werden und 2% die überhaupt brachliegen. Da sind übrigens schon die menschlichen Wohnflächen und Städte eingerechnet. All das zusammen ergibt aber auch nur lediglich 7 % der planetaren Landfläche. Bleiben 25%, die zumeist unbewohnt sind und bestenfalls als Weideland, Grasland etc. benutzt werden. Diese gehen überhaupt nicht in die Rechnungen ein. Aber haben wir in unserer Geschichte nicht schon in verschiednster Form gesehen, wie derlei Land urbar gemacht wurde? Werden wir also arm und zum Untergang verurteilt - gerechnet ? Ist das Bild von der übervölkerten Erde, das man uns suggeriert, vielleicht grundlegend falsch? In Wahrheit sind die meisten Landflächen dieses Planeten äußerst dünn besiedelt. Der Weg zwischen menschlichen Siedlungen in vielen Gegenden der Erde ist dementsprechen abenteuerlich weit. Nur aus der Perspektive der dichter besiedelten Zentren kann ein gegenteiliger Eindruck entstehen. In Wahrheit hat unser Planet immensen Reserveraum, auch wenn wir ihn mit den heutigen Methoden und unserem Wirtschaftssystem der schnellen Erträge nicht zu benutzen verstehen. [ ] ˧

1.9.Gegen Dichte und Bodenvergeudung ist ja grundsätzlich nichts einzuwenden. Tatsächlich wird der Boden in den industriell besiedelten und genutzten Regionen dieser Erde zur knappen Ressource. Doch wofür werden die Böden eigentlich benutzt? Ist die Herstellung von Biosprit und Brennstoffen, von Futtermitteln für die Tierindustrie wirklich der Weisheit letzter Schluss? Auch hier tun sich enorme Reserven auf, die nur deshalb nicht zur Debatte stehen, weil ein Diskurs über den sinnvollen Gebrauch von Raum und Natur gar nicht stattfindet. Man kann eigentlich nur festhalten: je weiter draußen, umso willkürlicher, rücksichtsloser, verschwenderischer und gewaltsamer. Wer das Pech hat, in peripheren Weltgegenden zu leben, bekommt diese Willkür und Gewalt an Leib und Leben zu spüren: Diejenigen haben die Wahl, von Landgrabbern vertrieben, von Industrien vergiftet oder durch den Verlust der natürlichen Lebensgrundlage in den Hungertod getrieben zu werden. Kein Wunder, dass die globalen Migrationsströme anschwellen, und im Endeffekt hunderte Millionen entwurzelter Menschen gegen die immer höher werdenden Zäune und Mauern des industrialisierten Nordens anrennen.[ ] ˧

(bis hierher ca 10000 Zeichen, etwa 15 Minuten mit Musik) ˧

Sie hören die Sendung "Willkomen im Globalen Dorf", 2.Folge "die Planetare Krise". ˧

Zweites Kapitel: die geistige Wüste    

Wir wir alle wissen gibt es eine Bewegung, die sich an all diesen Formen des verrückten Umgangs mit der Natur, mit Boden, Wasser und Luft, mit Tieren und Pflanzen und dem Netzwerk des Lebens entzündet hat. Seit mindestens 50 Jahren ist die moderne Umweltbewegung zu einer Massenbewegung geworden. Sie führt Buch über die Zerstörung der planetaren Reichtümer und kritisiert, klagt an und schreckt auch nicht davor zurück sich unter Gefahr für Leib und Leben zwischen die Fronten im Krieg gegen die Natur zu werfen. Bei aller Wertschätzung für ihre Unerschrockenheit, Radikalität und Standfestigkeit: meiner Einschätzung nach hat sie es zu keinem wirklich stimmigen Befund und vor allem zu keiner einleuchtenden Lösung gebracht. Diese Sendung wäre nicht notwendig, wenn uns die Ökologiebewegung gute Leitlinien in die Hand gäbe für das Leben auf diesem Planeten, ein klares und konsensfähiges Zukunftsbild. Genau das aber tut sie nicht. ˧

Fangen wir mit dem positiven an: tatsächlich hat die Umweltbewegung das richtige Element, dass sie uns auf den Umstand aufmerksam macht, dass die planetaren Ressourcen beschränkt sind. Der warnende Zeigefinger, mit dem das Versiegen der planetaren Reichtumsquellen beschworen wird, hat sich aber schon immer seltsam blind gestellt gegenüber dem Grund der Rücksichtslosigkeit gegen Mensch und Natur, wie sie für das moderne Wirtschaften immer noch Existenzbedingung Nummer eins ist. ˧

Bekannt ist der Grund eigentlich schon: es ist der Imperativ des Wirtschaftswachstums, hinter dem der Stachel des wirtschaftlichen Wettbewerbs steht. Während uns staatliche Herrschaft, Eigentum an Menschen und Eigentum am Boden, sowie Raub und Krieg seit tausenden von Jahren begleiten, hat uns die Neuzeit ein weiteres seltsames Phänomen beschert: das Zusammenspiel von politischer Herrschaft mit einer Klasse, die ihr das ultimate Zugriffsmittel auf allen Reichtum liefert: der Klasse der Geldbesitzer, die ihr Geld völlig selbständig dazu einsetzen, sich über den Umweg des Produktionsprozesses zu vermehren. Seit es dieses Zusammenspiel gibt, gilt die Ungleichung: Billig einkaufen, möglichst teuer verkaufen. ˧

Soll dieses Spiel funktionieren, muss es ein Zusammenspiel geben zwischen der Kapitalwirtschaft und der politischen Herrschaft. Die Kapitalwirtschaft kommt überhaupt nur in Gang und wird auch nur aufrechterhalten, wenn ein Mehr an Geld als Resultat des ganzen Prozesses winkt. Mit ihren Anteil an diesem Geld - ob über Steuern oder sonstwie umgeleitet - muß die wiederum die politische Herrschaft dafür sorgen muss, dass alle Ausgangsbedingungen dieses Prozesses im ausreichenden Maß zur Verfügung stehen. Das sind nicht wenige Bedingungen, denn eigentumslose und willige Lohnarbeiter werden genauso benötigt wie alle möglichen Infrastrukturen. Das sind so elementare Dinge wie Verkehrswesen, Recht und Geld, aber auch Wissenschaft, Technologien und Qualifikationen. Wichtig ist auch die Regelung des Zugriffs auf natürliche Quellen und Elemente des Reichtums. Dieser Prozess darf natürlich nicht begrenzt sein durch ein Herrschaftsgebiet, die ganze Welt wird begutachtet, und dies vor allem unter einem Gesichtspunkt: was ich nicht einsacke, dient der Konkurrenz, also fremden und schädlichen Zwecken anderer Staaten. Die Effektivität, das Gewicht und die Macht aller Staaten sind unmittelbar verknüpft mit dem wirtschaftlichen Erfolg "ihrer" Kapitale, auch wenn sich diese immer wieder auch als nomadische Geldvermehrungseinheiten auf dem ganzen Globus bewegen dürfen und sollen. Im letzten beharren aber die Staaten auf ihrer Souveränität und Gewalt, begutachten und bilanzieren laufend die Erfolge dieses Prozesses, der sich vor allem an einem Faktor schlagend ausdrückt: dem Kredit, den sie in der Geschäftswelt haben, sprich dem Kurs ihrer Währung. Die bloße Besteuerung der Kapitalgewinne hat sich als viel zu unzureichend und sogar als untauglich erwiesen, weil er die Geschäftsmittel im Konkurrenzkampf zu beschränken droht. Erst mit dem modernen Nationalkredit ließ sich jener militärisch- industrielle Komplex aufbauen, mit dessen Wucht jeder Staat auf dem Globus zur Akzeptanz der Geschäftsbedingungen der ökonomischen und politischen "Siegermächte" und zur Respektierung seiner Rolle als "Einflusssphäre" gezwungen werden kann und durch den sich die Rangfolge der Staaten im praktischen Umgang miteinander herauskristallisiert. Und damit das weiterhin so funktioniert, müssen eben genau jene rücksichtslosen und zerstörerischen Zugriffe auf "Ressourcen" möglich sein, deren wunderbares Resultat wir heute als planetare Krise bewundern können. ˧

Die Ökologiebewegung nimmt von dem gesellschaftlichen Zwang, der hinter der rücksichtslosen, bis zur Zerstörung reichenden Benutzung aller Reichtumsquellen steht, auf eine seltsam begrifflose, abstrakte und damit falsche Art und Weise Notiz: Der "Mensch" in seiner "Gier" ist nun einmal ein Feind der Natur, und er tut am besten daran, sich aus ihr soweit wie möglich herauszuhalten. ˧

Das mag verwundern, stand doch am Beginn der Ökologiebewegung der von vielen Menschen ernst genommene Entschluss, aus der verhängnisvollen Naturzerstörung im buchstäblichen Sinn auszusteigen. Schon bald nach den 68er Jahren ist ein nicht unbeträchtlicher Teil der Gegenkultur aufs Land gegangen, hat alternative Lebensstile ausprobiert. Die Konsequenzen waren allerdings wenig überzeugend: ein autarkes Leben zu führen hieß zunächst einmal Verzicht auf Ansprüche, Selbstausbeutung, zwischenmenschliche Probleme. Nur wem es gelang eine städtische Fangemeinde zu organisieren und darüber Nischenmärkte zu besetzen oder permanent Spenden zu lukrieren, konnte ökonomisch überleben. Doch die viel schlimmere Erfahrung war die, dass das Wechselverhältnis von Stadt und Land dazu führte, dass heile ökologische Nischen immer schwerer zu finden waren. Der niederländische Star - Architekt und Bestsellerautor Rem Kohlhaas hat das jüngst so ausgedrückt: „Wir mussten im Rahmen unserer Recherche sogar feststellen, dass sich das Land viel schneller und dramatischer verändert als die Stadt.“. Drohnen, Sattelitennavigation, ferngesteuerte Traktoren, konstante Überdüngung und schleichende Vergiftung - das scheint die Zukunft zu sein. Spontan kommt einem der Begriff Landwirtschaftswüste in den Sinn, wenn man diese Entwicklung beschreiben will. Pestizide und genmanipulierte Samen machen an Grundstücksgrenzen nicht halt. Nur selten gelingt ein kleines Wunder wie im Südtiroler Ort Mals, wo sich eine Gemeinde für ein Pestizidverbot aussprach und prompt mit einer Phalanx von Bauernbund, Landesregierung und Pharmaindustrie konfrontiert war. ˧

Die Mühen der Ebene beim Überleben am Land sind im Normalfall ungeheuer groß, die schrumpfende Infrastruktur und Versorgung lässt viele Menschen mit den Füßen abstimmen, und die staatlichen Planer und die Wissenschaft stellen sich auf Schrumpfung ein. ˧

Und so hat sich denn im Lauf der Jahre auch eine weitverbreitete Kapitulation vor dem Faktischen ergeben. Mittlerweile wird in der Ölologiebewegnung die Stadt als notwendiges Übel akzeptiert. Obwohl ihr ungezügeltes Wachstum auf Kosten der Peripherien im Kern nichts weiter ist als das Produkt der immer größeren Konzentration und Zentralisation der Kapitale, die Antwort auf deren Bedürfnisse nach Nähe und Einfluss zu politischer Verwaltung, raschestmögliche Verfügbarkeit von Arbeitskraft, Zulieferern und Kunden. Und obwohl durchaus bekannt ist, dass sich die stofflichen und energetischen Kosten der Aufrechterhaltung von Stadtsystemen multiplizieren und potenzieren. ˧

Ökologen vermögen der Verstädterung mittlerweile mannigfaltige positive Seiten abzugewinnen, immerhin sind da die Menschen platz- und raumsparend verpackt und stellen keine zusätzlichen weiteren Ansprüche auf Grund und Boden mehr. Als ob es keine alternativen Formen des Lebens und Wohnens gäbe, wird die Gefahr einer weiteren Verhüttelung durch Einfamilienhäuser, Straßen und Einkaufszentren beschworen, die sich tatsächlich wegen der konsequenten Verteuerung städtischen Wohnraums um die Städte ausbreiten wie Metastasen einer bösartigen Erkrankung. ˧

Einer, der diesen Zynismus bis ins Extrem getrieben hat, und ganz offen das ausspricht was viele in dieser letzten Konsequenz noch offenhalten, ist Steward Brand, viele Jahre Idol und Ikone der zuvor beschriebenen ökologischen Gegenkultur, der mit seinem "Whole Earth Katalog" eine weit über Amerikas Grenzen geschätzte Toolbox für natürliches Leben anbot. Seine spektakuläre Kehrtwende - massenwirksam in TED Talks verbreitet - begründet er ausgerechnet mit der Sorge um das langfristige Überleben der Menschheit, derentwegen er auch die "Long Now" Foundation gegründet hat. ich zitiere aus dem Transkript: ˧

"Das vorherrschende geografische Geschehen unserer Zeit ist diese unglaublich schnelle Urbanisierung, die bei uns vor sich geht. Bis zur Mitte des Jahrhunderts werden 80% Städter sein, und das zum großen Teil in den Entwicklungsländern, wo sich das vollzieht. Das ist interessant, weil Geschichte weitgehend von der Größe von Städten vorangetrieben wird. Die Entwicklungsländer haben momentan die größten Städte, und diese entwickeln sich dreimal schneller als in den Industrieländern, und sie sind neunmal größer." ˧

Diese Entwicklung ist ihm aber längst nicht mehr Anlass zur Sorge, sondern zur Hoffnung. ˧

" Ich hatte einmal eine sehr romantische Vorstellung von Dörfern, eben, weil ich nie in einem gelebt hatte. Denn in der Stadt -- hier etwa im geschäftigen, informellen Slum von Kibera bei Nairobi -- sehen sie Bewegung. Sie sehen Möglichkeiten. Sie sehen eine Geldwirtschaft, an der sie zu Hause auf der Subsistenzfarm nicht teilhaben konnten. Wenn man sich an diesen Orten umschaut, sieht man viel Ästhetik. Da ist immer viel los. Sie sind arm, aber sie sind sehr urban. Und sie sind sehr kreativ. Die Gesamtzahlen zeigen jetzt, dass informelle Siedler im Grunde, die ganze Milliarde von ihnen, eine urbane Welt aufbauen, sie bauen die Welt auf -- persönlich, Stück für Stück, Familie für Familie, Clan für Clan, Viertel für Viertel." ˧

Dabei spielt es keine Rolle dass sich in dieser Umgebung Kriminalität und Konkurrenzkampf entwickelt. Für den Ökologen ist die Stadt ein Vorteil, weil sie angeblich die Bevölkerungsexplosion stoppt. Und wenn ihr Energiehunger so unermesslich groß ist, muss er sich leider für Atomkraft aussprechen, immerhin passt ja dann der lebenslange Abfall jedes einzelnen Menschen in eine Coladose. Und der Umstieg auf genmanipuliertes Saatgut ist eine moralische Notwendigkeit, denn man braucht weniger Fläche und weniger externe Pestizide. Und Geo-Engineering wird auch notwendig sein, auch wenn noch niemand genau weiß wie und zu wessen Vorteil....in der geistigen Wüste türmen sich die Dünen der hemmungslosen Affirmation. ˧

Zugegeben: Wir in Europa sind von diesen ideen noch weitgehend verschont geblieben, auch wenn Steward Brand genüsslich behauptet, dass sich überall sonst auf der Welt eine Abkehr von den konventionellen ökologischen Modellen der "europäischen Freunde der Erde" abspielt. Aber sind wir wirklich in der Lage, eine andere, bessere, vernünftigere, und global gültige Antwort zu geben? ˧

Theoretisch wären wir dazu in der Lage. Das europäische und wohl auch zum großen teil auch das chinesische Siedlungssystem demonstriert seit tausenden von Jahren, wie durch ein Gleichgewicht von Stadt und Land das Wohlergehen beider Seiten gesichert werden kann. Wo andere Kontinente großteils von Wildnis bedeckt sind, hat hier die Arbeit von hundert Generationen Kulturlandschaft entstehen lassen. Die Ansätze einer Antwort liegen tatsächlich vor unser aller Augen. Dort wo der Mensch lebt, blüht auch die Landschaft auf, wird bewohnbar und attraktiv. Ziemlich am Anfang seines Buches "Eine Mustersprache" spricht der Architekt und Philosoph Christopher Alexander über die Verteilung der Städte, und seine Aussage scheint mir viel an Wahrheit zu enthalten: ˧

„Würde sich die Bevölkerung einer Region überwiegend aus kleinen Dörfern zusammensetzen so hätte sich niemals eine moderne Zivilisation herausbilden können.
Aber wenn sich das Gewicht der Bevölkerung zu stark in Richtung der großen Städte verschiebt dann wird das die Erde ruinieren, weil die Menschen nicht dort sind wo es nötig ist, um sie zu bewahren". ˧

Soweit Alexander in seinem Buch "Eine Mustersprache". Es wäre schön, wenn diese Botschaft verstanden würde und wir in Europa dem Rest der Welt demonstrieren könnten, wie wichtig der Erhalt und die Zukunft der Dörfer für die Bewältigung der planetaren Krise ist. Gerade an unseren sich entleerenden ländlichen Räumen sehen wir, dass wir keine Bevölkerungsexplosion zu befürchten haben. Ganz im Gegenteil: Gemeinden wie das kalabrische Riace haben demonstriert, wie sogar Migrantenströme enormen Ausmaßes temporär absorbiert werden könnten - und wie der europäische Weg auch für die Menschen die alles verloren haben ein gewaltiges Lernfeld sein könnte, langfristig einen sinnvollen und nachhaltigen Wiederaufbau in ihren Heimatländern in Gang zu setzen. Doch was ist passiert? Die nationalistische Regierung von Italien hat mittlerweile am Bürgermeister von Riace ein Exempel statuiert, ihn kriminalisiert und kaltgestellt, weil nicht sein kann, was nicht sein darf! ˧

Was das Heimkehren und Wiederaufbauen betrifft: Mitten in China wurde ein komplett degradiertes, von Ziegen kahlgefressenes und von der Bodenerosion verwüstetes Land mit Hilfe der lokalen Bevölkerung wieder zum Blühen gebracht. Und zwar kein kleines Stück Land, sondern bis dato schon dreißigtausend Quadratkilometer des zentralchinesischen Lößplateaus. Ich empfehle, sich den Film "Hoffnung in einem sich wandelnden Klima" von John Liu anzusehen. Die Kunst der Wasserretention, entwickelt und verfeinert von Generationen von Experten, ist der Schlüssel zur Wiederherstellung und auch Neuschaffung von Kulturlandschaft. ˧

Doch was finden wir stattdessen im europäischen Geistesleben vor? Man verzeihe mir die polemische Zuspitzung, wenn ich jetzt einen weiteren spektakulären Fall von geistiger Verwüstung zitiere. Am 9. März dieses Jahres las ich folgendes in der "Kleinen zeitung": ˧

"Mit ihrem Buch "Kinderfrei statt kinderlos" sorgt die deutsche Gymnasiallehrerin Verena Brunschweiger (38) derzeit für heftigste Diskussionen. Kinder seien das "Schlimmste, was man der Umwelt antun kann", heißt es in dem Werk. Deshalb würde die 38-Jährige selbst auch auf das Kinderkriegen verzichten. Ihre Entscheidung, die sie mit 30 Jahren getroffen hätte, gründe sich unter anderem auf eine Studie, die besagt, dass durch jedes nicht geborene Kind, 58,6 Tonnen CO2 eingespart werden könnten. In einem Interview auf focus.de legte die Lehrerin nun noch ein Schäuflein nach und fordert, dass jede Frau, die der Umwelt zuliebe kein Kind kriegt, mit 50 Jahren 50.000 Euro erhalten sollte. Heutzutage sei "die Entscheidung für ein Kind faktisch nicht mehr guten Gewissens zu unterstützen". Generell würden die Menschen Kinder aus "egoistischen" Gründen bekommen, so die Pädagogin im Interview. Ansonsten könnten Familienwillige auch ein Kind adoptieren. Es gäbe ja genügend davon." ˧

Muss man das noch kommentieren? Natürlich steht es jeder Frau frei, sich gegen Kinder zu entscheiden. Aber ganz prinzipiell Kinder zur Umweltgefahr zu erklären, das geht nur, wenn man in die Fallstricke eines ganz und gar verkehrten Denkens geraten ist. ˧

Ich hoffe klargestellt zu haben, dass es notwendig ist, die heutzutage dominierende geistige Wüste zu verlassen. Dazu ist es aber notwendig, einen Systemwandel zu denken, ohne den wir den Klimawandel nicht aufhalten werden können. Und tatsächlich wird sich ein echter Systemwandel nicht denken lassen ohne eine echte Alternative zur derzeitigen Schieflage von Stadt und Land. Wir müssen also näher hinschaun und uns noch genauer mit der Anatomie der Globalen Dörfer beschäftigen. ˧

( Kapitel 2 hat 15800 Zeichen das sind geschätzt 23 Minuten) (Sie hören die Sendung "Willkommen im Globalen Dorf", 2. Folge "Die planetare Krise"). ˧

Drittes Kapitel: der planetare Garten    

Ich habe in der ersten Sendung bereits eine Beschreibung der wesentlichen Merkmale unserer veränderten Siedlungs- und Lebensstrukturen gegeben. Die Diskussion, ob es sich mehr um weiterentwickelte Dörfer oder miniaturisierte Städte handelt, ist müßig. Denn wir brauchen beide Seiten unserer Existenz, die städtische und die naturverbunden - ländliche. Die virtuelle Stadt der Kommunikationsnetzwerke geht mit der Gartenstadt eine produktive Synthese ein, sie erlaubt uns, "von einem Ende der Welt bis zum anderen zu sehen" und doch zugleich mit unserer ganzen Existenz an einem Ort verwurzelt zu sein. Wir leben zugleich aus der Kraft der Nähe einerseits, aus dem Geflecht der Beziehung mit Gleichgesinnten, und aus der Kraft der synchronen Teilhabe an globalen Prozessen der Forschung, der Entwicklung, der Problemlösung und Unterstützung auf der anderen Seite. ˧

Ich habe das letzte Mal auch schon versucht, die Gestalt, die Form dieser hybriden, also städtisch - dörflichen Lebensräume zu beschreiben. Ich habe darauf hingewiesen, dass wir ein Zusammenwirken von urbaner Dichte und dörflicher Weite brauchen. Der Kern extrem multifunktional, mehrstöckig und leistungsfähig wie ein gut geplantes Einkaufszentrum - die Außenseite aufgelockert, sich mit Landschaft und Natur verbindend, mannigfaltig. Wenn man so will, vervielfachen wir dadurch die Berührungsflächen zwischen Mensch und Natur und schaffen sozusagen den Luxus für alle in Gehweite. Und natürlich muss das Ganze auch durch eine möglichst leistungsfähige Verkehrsader mit dem Rest der Welt verbunden sein. ˧

Ich möchte heute das ganze um fünf Grundeigenschaften der Gestaltung erweitern. ˧

Ich glaube erstens, dass das Ganze dieser künftigen menschlichen Behausung sehr viel mehr mit der umgebenden Landschaft verfließt, und dass wir daher auch unseren Ehrgeiz darin setzen werden, die Authentizität der Landschaft zu erfassen, wenn man so will ihren Genius Loci. Stadtplanung oder Dorfplanung werden mit Landschaftsarchitektur einhergehen, aber nicht, wie wir es oft in amerikanischen Vorstädten sehen als seelenlose Grüntupfer und willkürliche Erdhügel, sondern mit Respekt für Eigenart und Charakter der Landschaft. Wie sehr geht uns das Herz auf wenn wir Hobbithäuser im Auenland sehen, aber auch Hügelstädte in der Toskana. Die Geomantie ist eine Disziplin, die ich nicht für rein esoterisch erachte, sondern in vielen Fällen für eine ernsthafte und tiefgreifende Bemühung, die in der Landschaft steckenden Energien mit denen der Menschen zu Harmonieren. Wo Landschaft zur reinen Fläche wird, ist das Leben ärmer und fader. Aber auch noch in der ebenen Landschaft gilt ein Prinzip: Diversität ist besser als Monokultur. Und die Diversität lebt, blüht und gedeiht durch den Menschen, durch seine dezentrale, mitgestaltende, beobachtende, verstehende, eingreifende Intelligenz. Die Welt der Globalen Dörfer wird ein Garten, und dieser Garten wird viele Zonen haben. Nach außen werden sich die menschlichen Eingriffe immer mehr beschränken, und das Erlebnis der Landschaft und Natur wird intensiver werden. ˧

Das zweite Prinzip ist, dass unsere Häuser und Städte großen Pflanzen und Organismen ähnlicher werden, mit Skelett, Nervensystem und Blutkreislauf.Eine Kreislaufförmige Ökonomie und Ökologie wird nach dem Muster der Natur jeden Stoff wieder zum Nährstoff machen. Schon heute plant James Ehrlich von der Uni Stanford sogenannte regenerative Dörfer, in denen es keine Abfälle gibt, sondern alles in Nährstoff zurückverwandelt werden kann. Wasser, Energie und Stoff werden gewonnen, assimiliert, transformiert. Neue Materialien und kreative Kombinationen wie die Aquaponische Fischgemüsewirtschaft werden uns dabei helfen. ˧

Das Dritte Prinzip besteht darin, dass gebauter Raum immer auch eine Wertung, eine Entscheidung beinhaltet. Die ungeheure Anzahl von lebendigen Siedlungen auf diesem Planeten bedeutet auch, dass sich hier jeweils ein Kulturentwurf manifestiert, der Menschen anziehen aber auch abstoßen kann. Diese Verschiedenheit, dieser bisweilen brutale Kontrast ist nichts mehr, wovor wir uns schrecken müssen. Wir können leben was wir sind oder sein wollen, ohne anderen zu schaden. Warum das so ist, das möchte ich gleich noch ausführen, aber zunächst noch Prinzipien vier und fünf. ˧

Prinzip vier besagt, dass Nomadismus und Sesshaftigkeit einander gleichwertige Lebensentwürfe sind. Gerade in einer Weltgesellschaft, die die erzwungene Mobilität abschafft, weil sie an jedem Ort alle essentiellen Funktionen der Lebensgestaltung vorhanden sind, wird es die Option geben, ein ganzes Leben auf Reisen und zu Gast zu sein. Wir werden uns dadurch auch abgewöhnen, einen Ort als Schicksal hinzunehmen. Wenn sich Orte entvölkern, so müssen sie umso gastlicher werden - dies ist die einzige Form des Wettbewerbes, die zulässig ist. ˧

Fünftens also geht es darum, freie Menschen zu werden, die tatsächlich aus ihrer Hülle ausbrechen und sich eine neue suchen können. Die Natur gibt uns einen Raum, in dem wir uns jederzeit aus gesellschaftlichen Konventionen zurückziehen und zu uns selbst finden können. Selbst die Amish, bei uns bekannt als rigorose traditionsgebundene Lebensform, lassen ihre jungen menschen mindestens zwei jahre außerhalb der Gemeinschaft "rumspringen". In diesem Konzept liegt viel Weisheit. ˧

Wir ahnen es schon nach allem was gesagt wurde, und es gehört am Schluss noch einmal betont: das Grundprinzip dieser tatsächlich neuen Ordnung der Dinge ist Kooperation. Ermöglicht wird das durch die Ermutigung zur Etzielung einer weitestgehenden Autarkie auf dem Level der Lokalität, der Gemeinde - sie erst ermöglicht, Wirtschaft nicht als Akt der wechselseitigen Benutzung, sondern in ihrer ursprünglichen Bedeutung, als Ausgestaltung des "ganzen Hauses" zu sehen. Diese Autarkie ist eine sehr schwierige Aufgabe: sie zu erreichen, bedarf der kooperativen Denk- und Entwicklungsanstrengungen eines ganzen Planeten. In Abwandlung des afrikanischen Sprichwortes vom ganzen Dorf, das es braucht, um ein Kind zu erziehen, könnte man vom ganzen Planeten sprechen, den es braucht, um ein wirklich lebendiges Dorf zu gestalten. Denn das wird vielleicht für Jahrhunderte das Hauptinteresse der Welt sein. Die vielzellige Konstruktion aus autarken Dörfern, Bezirken und unabhängigen Regionen mit städtischen Knotenpunkten könnte allerdings mehr für die Einheit der Menschheit und des Planeten bewirken, als Allianzen von Staaten es je geschafft haben. ˧

Natürlich ist auch die Rede vom "Dorf" abstrakt und bedarf der näheren Erläuterung. Es ist auch bei hochgradigster Autarkie keinesfalls möglich, dass sich ein einzelnes Dorf mit allen Themen der Daseinsvorsorge und Daseinsgestaltung beschäftigen kann. Zumindest nicht, wenn wir die heute Erreichbaren Standards an Lebensqualität nicht verlkeiren wollen.Auch in diesem Modell würde vieles nach wie vor an einen nahegelegenen zentralen Ort ausgelagert werden. Auch die Rolle und Bedeutung von Kleinstädten würde also ungeheuer aufgewertet. Es ist aber auch möglich, dass Dörfer, benachbarte Dörfer, einander selbständig ergänzen. Ein sehr interessantes Modell habe ich bei drei Gemeinden im Waldviertel gesehen, das waren drei Gemeinden im westlichen Waldviertel, deren Bürgermeister eines Tages beschlossen, eine gemeinsame Infrastruktur auf Glasfaserbasis aufzubauen. Konkret handelt es sich um die Gemeinden Groß Schönau, Bad Großpertholz und St. Martin im Lainsitztal. Sie kamen auch überein, die besondern Stärken der jeweiligen Nachbarorte zu respektieren und zu befördern; so wurde ein Ort zum Zentrum für Landwirtschaft, Bauen und Bioenergie. Der nächste Ort wurde das Zentrum für Gesundheit, Feiern und Tourismus. Und der dritte Ort, das dritte Dorf schließlich - also St. Martin - wurde zum Zentrum für Kommunikation, Technologie, Verwaltung und Soziales erklärt. Auch wenn diese Allianz nicht immer so funktionierte wie es sich die Ideengeber gedacht haben: ein Denkmodell und ein Rollenvorbild haben sie allemal in die Welt gesetzt, das eine Weiterentwicklung verdient. Wir können beginnen zu ahnen, was die Rede vom Globalen Dorf wirklich bedeutet, dass es nicht vollkommen undenkbar ist, dass "die Menschen einen einzigen großen Körper bilden, von dem jeder von ihnen ein winziger Teil ist". Im Unterschied zu allen faschistischen Beschwörungen von Einigkeit ergibt sich diese nicht durch Zwang, Tradition und Geburt, sondern durch den unbedingten Respekt für die Verschiedenheit, angefangen von der Einzigartigkeit jedes Menschen, die sich aber nur in gemeinschaft wirklich entfalten kann. In der Vision der Globalen Dörfer sind die Menschen zuallererst Nomaden, nicht schicksalhaft ausgeliefert sondern frei zu gehen oder zu bleiben. Und das obwohl allen bewusst ist dass sie sich erst über Sesshaftigkeit, das gemeinsame Haus, das gemeinsame Dorf, die gemeinsame Kultur manifestieren können. Nicht Zwang und Willkür bringt sie zusammen, sondern eine gemeinsame Vision, ein Lebenstraum, ein inneres Verlangen nach der Entfaltung des Selbst in der richtigen Gemeinschaft. Dieser Traum, die Vision stehen ständig auf dem Prüfstand, werden getestet auf ihre Fähigkeit, Bestand zu haben und Menschen dauerhaft an Bord zu behalten. ˧

Es ist eines der großen Verdienste unserer Zeit, die Einheit von Gemeinschaftsbildung und individueller Potentialentfaltung erkannt zu haben. Der fulminante Erfolg, den die Thesen von Gerald Hüther gerade auch bei Dorfgestaltern finden, gibt zur Hoffnung und zur Utopie Anlass. Die "Dörfer" des Globalen Dorfes können sich tatsächlich über kulturelle Gemeinschaften bilden, wie sie etwa ansatzweise heute schon über soziale Netzwerke konstituieren. Doch diese Gemeinschaften tragen in sich die weitergehende Tendenz, zur wirklich materiell gelebten Realität zu werden. Dies ist der große Attraktionspunkt, der mehr als alles andere die Herausbildung dieser intentionalen Lebensform unterstützen wird: auf einem Stück dieses riesigen und vielseitigen Planeten gemeinsam mit anderen ein Kultur- und Lebensexperiment ins Werk zu setzen und zugleich dadurch auch diesen Planeten zu heilen. ˧

Wie die digitalen Technologien diese neue Lebensform und Lebensgestaltung wie ein Gottesgeschenk unterstützen, wird das Thema unserer nächsten Sendung sein. ˧

10263 Zeichen- 15 Minuten ˧

Also voraussichtliche Gesamtlänge netto 53 Minuten! endlich ginge es sich aus, auch wenn diesmal weniger Platz ist für Musik.... ˧

Literatur    

erstes Kapitel: die globale Verwüstung    

http://www.doka.ch/subcoma.pdf (ab ca Seite 8 des PDF - "Wovon wollen wir weg?") ˧

https://utopia.de/eu-studie-warnt-aussterben-menschheit-134586 ˧

https://orf.at/stories/3114271/ Das Buch sei „packend“, hieß es im „Economist“, der das Werk ob seiner grausamen Schilderung von Zukunftsszenarien mit dem Label „Climate porn“ (Dt.: „Klimaporno“) versehen hatte ˧

https://www.welt.de/wissenschaft/article6004624/Die-Wahrheit-ueber-das-grosse-Artensterben.html ˧

"Das würde aber immer noch bedeuten, dass wir im 21. Jahrhundert weniger als ein Fünftel der Lebewesen kennen, mit denen wir auf einem Planeten leben. Während die Menschheit über Außerirdische spekuliert, ist ihr nur ein Bruchteil der innerirdischen bekannt." ˧

https://www.nationalgeographic.de/umwelt/2017/03/wird-die-menschheit-das-sechste-grosse-massenaussterben-ueberleben ˧

"Wir haben über zahlreiche Faktoren gesprochen, wie wir den Planeten verändern, und für jeden einzelnen Fall kann ich unendlich viele Berichte nennen, die uns sagen, was wir besser machen können. Da sind beispielsweise die Todeszonen im Ozean. Sie werden durch unseren verantwortungslosen Einsatz von Dünger verursacht. Wir bringen Stickstoff auf die Felder im Mittleren Westen der USA auf, der über den Mississippi in den Golf von Mexiko gespült wird und zur Entstehung dieser Todeszonen führt. ˧

Die grundlegende Frage hier lautet: Können 7,3 – und schon bald 8 oder 9 – Milliarden Menschen gemeinsam mit all den Arten, die es momentan noch gibt, auf diesem Planeten leben? Oder befinden wir uns auf einem Kollisionskurs, der auch darin begründet ist, dass wir viele Ressourcen verbrauchen, die andere Lebewesen ebenfalls gerne konsumieren würden? Diese Frage kann ich nicht beantworten." ˧

https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wirtschaft/international/2004813-Europas-Hunger-nach-Palmoel-braucht-riesige-Flaechen-in-Asien.html ˧

"Wir sehen, dass die Rodungen südostasiatischer Wälder bis zum Jahr 2002 sogar mehr Emissionen als chinesische Kohlekraftwerke im selben Zeitraum verursachten. Zudem zeigen sich erschreckende Verluste an Biodiversität", sagte Bruckner. Die europäische Politik fördere solche negativen Entwicklungen: So führte etwa die Beimischung von Biokraftstoff im Treibstoff zwar zu einer Verringerung der CO2-Emissionen im Verkehr. Es wurden dafür aber andernorts große Wald-Ökosysteme zerstört. "Die derzeitige Richtlinie zum Verbot von Einweg-Plastik lässt Ähnliches befürchten. Zwar könnte dadurch Plastik in den Weltmeeren reduziert werden, doch auch das Geschäftsmodell hinter Bioplastik ist sehr ressourcenintensiv", so Bruckner. ˧

https://kenfm.de/antworten-auf-die-globale-krise/ ˧

zweites Kapitel: die geistige Wüste    

Bericht von Matthias Horx über Glanz und Elend der Landkommunen: https://www.horx.com/archive/80-er/1988-51-ZEITmagazin-Das-verlorene-Paradies.pdf ˧

https://forum.garten-pur.de/index.php?topic=37334.0 " Es ist schon schwer genug, in einer industriellen Landwirtschaftswüste aus Zuckerrüben, Mais und Plantagen mit ein paar normalen Bäumen zu wirtschaften, leider scheint das auch dazu zu führen, dass jeder Schädling sich auf die extensiven Flecken wie meinen stürzen, ein Nützlingsbesatz fehlt jedoch. Die Apfelplantage nebenan hat keine Problem mit Vögeln, nur ich. 10 Hektar Futtermais stehen unberührt, aber meine zehn Pflanzen werden radikal leergepickt." ˧

https://www.projektwerkstatt.de/index.php?domain_id=1&a=14619 ˧

"Es gibt viele Gründe, warum Umweltschutz "out" ist. Viele davon sind: Vereinsmeierei, Konkurrenzdenken, kommerzielle Ziele, Bürokratie und Hierarchie sowie Filz mit Politik und Konzernen stehen einer druckvollen Arbeit im Wege. Der wichtigste Punkt aber war und ist: Umweltschutz organisiert sich immer vor oben, d.h. die Menschen werden zur Zielgruppe von Strafandrohung, Bildungsarbeit, Appellen und finanziellen Steuerungen. Niemals sind sie AkteurInnen. Bei der Frage, wie Innenhöfe, Straßen, Stadtteile oder Landschaften gestaltet werden sollen, wenden sich UmweltschützerInnen an den Staat, neuerdings auch immer öfter an die Firmen als zunehmender Machtfaktor. Die Konzepte aus der Öko-Ecke stützen die Machtsysteme, zur Zeit begleiten sie die neoliberale Weltordnung. Das ökonomisches Diktat wird nicht in Frage gestellt, sondern begrünt: Ökosteuer, Ökoaudit oder Selbstverpflichtung. Die Folgen: Umweltschutz verliert an Akzeptanz in der Bevölkerung, weil die bevormundet wird. " ˧

https://www.ted.com/talks/stewart_brand_proclaims_4_environmental_heresies/transcript?language=de ˧

"Das vorherrschende geografische Geschehen unserer Zeit ist diese unglaublich schnelle Urbanisierung, die bei uns vor sich geht. Bis zur Mitte des Jahrhunderts werden 80% Städter sein, und das zum großen Teil in den Entwicklungsländern, wo sich das vollzieht" ˧

"Für uns Umweltschützer ist vielleicht das ökologischste an Städten, dass sie die Bevölkerungs-Bombe zerstreuen. Menschen ziehen in die Stadt. Sie haben sofort weniger Kinder. Sie müssen gar nicht reich werden. Allein die Möglichkeit eines Aufstiegs bedeutet, dass sie weniger, höher-qualifizierte Kinder haben werden und die Geburtenrate sinkt radikal." ˧

drittes Kapitel: der planetare Garten    

https://monstermaschine.wordpress.com/2012/05/07/flaechenverteilung-der-erde/ ˧

"Die heute fast unbesiedelten, relativ fruchtbaren, riesigen Weidelandflaechen der Kontinente wuerden zu Ackerlandflaechen mit dichter Besiedelung umgewandelt werden. Dies ist ein langwieriger und schwieriger Prozess, der jahrhundertelanger Infrastrukturmassnahmen bedarf." (schematische Berechnungen, ingenieurmäßig abstrakt, aber eine gute Quelle der Inspiration über Entwicklungsvektoren und grundsätzlich schon aufklärend.) ˧

http://lebensraum-permakultur.de/doku-ackern-fuer-die-zukunft-gartenvielfalt-ohne-chemie/ ˧

Fab Cities: Zirkulare Ökonomie als Gemeinschaftswerk: https://fab.city/ ˧

5 Prinzipien Urfassung: http://www.dorfwiki.org/wiki.cgi?HumanHabitat2170 ˧