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Gespräch am 18.3.2013
L=Loukotka, E=Endl

L: Der Papa Watzinger war ein bekannter Favoritner und zugleich der FC-Wien-Chef, der war Sektionsleiter, Trainer, Masseur, weil das haben sie sich sonst nicht leisten können, das war alles der Papa Watzinger. Die Zur Spinnerin Gassen zwischen Hardtmuthgasse und Troststraße, das war unser Fußballplatz, da ist kein Auto gefahren. Und wir haben da Fußball gespielt mit einem Tennisballn. Auf einmal kommt der Watzinger, stellt sich dort hin und schaut uns Buama zua. Die ihm g´falln haben hat er gsagt: Du kummst und du …und da hat er auf mich deut und g´sagt, wir solln am nächsten Tag am FC-Wien-Platz sein. Ich hab glaubt, i werd ein FC-Wien-Spieler und hab mich schon in der Fußballdress g´sehn mit richtige Fußballschuach. I war a kind.

E: Wie alt warn´s da ca?
L: 8-10 Jahr. Am nächsten Tag auf zum FC-Wien-Platz. San ma hinkommen. Da Watzinger hat uns ang´schaut und wir hab´n glaubt, jetzt wird er uns begrüßen und belehren. Aber er hat g´sagt: „Wisst´s was? Schaut´s amol die Sitzplätz an. Bei die Bankln wachst schon des Gras auße. Geht´s hin und reißts es aus. Na ich war schwer enttäuscht. Haben wir g´sagt: „Ja, ja“ und er ist fort gangen, aber nur soweit, dass er uns doch g´sehn hat. I hab zwa Halmn grissen und hab mir denkt: Du kannst mi gern haben. Bin zu der Planken, umegsprungen und fort und bin ham. Wissens, das war von ihm ein psychologischer Schachzug, weil ein Vater von die Buam, die er weggschickt hat, hat ihn gfragt: „Heast, warum hast denn mein Buam wieder weggschickt“. Weil die haben si ja alle kennt. Sagt er: „Pass auf: Dein Buam und no a paar andere hab i g´sagt , die solln Gras auszupfn und die san Beule gangan. Aber die anderen, die san bliebn und wast, die was bliebn san, die brauch i, weil die folgen ma. Und die anderen san Starwanzer, die machen e nur was sie wolln. Mit die kann i nix fangen.“ Also da hat er den Spreu vom Weizen getrennt.

E: Damals war´s ja auch noch möglich, dass man auf der Strassen Fußball g´spielt hat. Das ist ja heute nicht mehr möglich.
L: Wir hab´n den ganzen Tag g´spielt. Da is höchstens amal a Ankerbrot mit an Roß und an Wagen durchg´fahrn und da san ma auf´d Seiten g´angen. Da war auch der Stotz Karli, der war fünf Jahr jünger als ich. Is er kommen und hat g´sagt: „Toni, kann i mitspüln?“ Hab i gsagt: „Ja, da rechtsaußen, habi i ihm ang´schafft. Der hat ja damals no Göbl Karli hasst, weil er war ein uneheliches Kind. Sie haben dann g´heirat und dann war er der Stotz Karli. Er war immer ein ruhiger Mensch, negativ aufg´falln is er nicht. Für uns war er ein Bua wie alle andern a.

E: Was ist denn sonst noch gespielt worden? Was hab´n denn die Mädchen g´spielt damals?
L: Die Mädchen hab´n Diabolo g´habt. Und dann hab wir g´habt auch die Buam a klans Sandsackl mit einer Papierschlangen und das hab´n wir in die Höhe g´schupft und die Papierschlangen hat Figuren g´macht. Das war unsere Spielerei.

E: Straßenspiele wie Tempelhupfen oder springen mit der Springschnur hat´s vermutlich auch gegeben.
L: Ja. Aber im Sommer war eine Hauptbeschäftigung der Ziegelteich. I bin in der Früh awe, g´schwommen und alles mögliche. Z´mittag bin i z´haus. Des war a ganz schön´s Stückl Weg. Hab a bissl was g´essn was da war und dann bin i wieder awe bis am Abend. Dort war a eigene Quelle mit Trinwasser. Die is außeg´sprudelt aus der Erdn und da hat ma si Wasser g´holt mit die Händ. Da war ja ein richtiger Betrieb insofern. Da is a Bäcker kommen mit einem Korb mit Weckerln und Semmeln. Dann war aner mit an Fassl Salzgurkerl oder Essiggurken. Der hat a sei G´schäft g´macht. Getränke waren weniger, weil da die Quellen. Weil des warn ja lauter Arbeitslose, für die waren 10 Groschen viel Geld.

E: Zum Fußballspielen. Wann sie ein richtiges Match g´macht haben. Wo sans da hingangen?
L: Da san ma auf die Triesterwiesen gangen. Die war hintern Triesterspital beim Washingtonhof. Die Triesterwiesen war noch vom ersten Weltkrieg. Die haben da so Baracken g´habt und die san weg kummen und das war unser Fußballfeld, weil des war schön eben. Und da waren ja hauptsächlich Arbeitslose. Wir Buam war ja da nur Ballschani. Wenn wir g´spielt han, war meistens Favoriten gegen Meidling.

E: Am Notnaglplatz ist net g´spielt worden, wo jetzt der Eisring Süd ist?
L: Des war schon zu weit weg. Dort bei der Kirchen, die hat an eigenen Namen g´habt.

E: Was haben die Mädchen g´spielt?
L: Fußball nicht. Wann wir an größeren Ball g´habt haben, haben wir bissl Handball g´spielt. Aber das war selten. Wir hab´n ja meistens nur ein Tennisball g´habt, was wir sich haben leisten können. Alles was mit Geld verbunden war, des war nix.

E: Wer an Ball g´habt hat, des war der Chef.
L: Ja. Es hat schon welche geben, die an Ball g´habt haben, aber die warn drauf sehr haglich. Die haben den Ball mehr tragen als damit Fußball g´spielt. Vor lauter Angst, dass er kaputt wird.

E: Was is noch g´spielt worden?
L: In der Knöllgassen haben wir zum Beispiel g´habt an Ball. Und da is aner heroben g´standen und ein anderer herunten g´standen. Und der Ball is so weit wie möglich g´schossen worden, dass der andere hat müssen rennen und ihn zurück g´schossen hat. In der Hardtmuthgassen war die Metallfabrik. Und da war eine glatte Mauer und da hab´n wir uns mit der Kreiden Goal zeichnet und da hab´n wir hing´schoss´n.

E: Hat diese Metallfirma Rotter g´hassn oder Brückenbau?
L: Rotter waß i net aber Brückenbau eher. Ich glaub Brückenbau.

E: Aber des war für sie damals unwichtig, was da drauf g´standen is.
L: Wir hab´n uns um des net gschert, da war ja auch kein Fenster und nix.

E: Aber Arbeitsplätze hat´s dort geben.
L: Ja, wir habens ja gsehn, wann´s um fünfe aussegangen san. Die hab´n sogar am Samstag no g´arbeit.

E: Die Frauen waren meistens daheim.
L: Das war eine Kindersache. Damals hat´s ja kane Frauen ohne Kinder geben. Der Kindersegen war ja enorm. Wir waren drei. Im ersten Stock waren sechse oder siebene….Im Sommer is manchmal ein Bauer kommen und hat Strohsäcke verkauft. Der hat g´rufen: „Strooohbauer is dooo! Strooohbauer is dooo!“ Das hat z.B. mei Mutter kauft und hat des in an Jutesack einegebn und des warn unsere Matratzen. Da haben wir gschlafn drauf. Des war der Strohbauer. Dann warn de Pracker. Die haben Obst und Gemüse verkauft. Äpfel, Birnen…

E: Die hassen ja jetzt a no so.
L: Eine richtige Pracker-Familie war´n die Strotnik. Die Strotnik-Buam, des waren drei Söhne, der Franzi, der Rudi und der Karli. Der Karli is nach´n Krieg ums Leben kommen. Der war beim Heurigen mit a paar Freund, hat si an Rausch angeeignet, is über a Straßn gangen, hat net gschaut und es hat eam ander z´sammgführt und er war tot. Das war aber ein ausgesprochen hübscher Bursch und a liaber Kerl. Der Franzi war der Älteste, der war guat zehn Jahr älter wia i. Der hat mi – des is mir sehr nahe gegangen- hat mi nach´n Kriag g´sehn und hat g´sagt: „Toni, grad dir muaß des passiern!“ Der Franzi war ein äußerst kräftiger Mann und die Strotnik-Buam, die warn so verschrian wie halberte Kriminelle, aber das waren sie nicht. Die Strotnik-Buam haben meistens Folgendes gmacht. Der Karli, des war der Jüngste, is in a Lokal kommen und hat dort umanand g´stänkert. Wann er a Watschen kriagt hat, hat er sein großen Bruder g´holt und der hat alle durchanand g´haut. Weil der kleine Bruder war für´n Franzi alles. Ihre Mutter, die Frau Strotnik is mit meiner Mutter in die Schule gangen. Vater war kaner da und sie hat die drei Buam groß zogn mit ihrem Pracker-G´schäft…..(Zeige Bilder am PC)
In der Hardtmuthgasse: Wäscheg´schäft Rudny. Farben-Lacke Holy war auf Quellenstr.158, des abgrissen worn is und is in die Knöllgasse zwischen Hardtmuthg. und Troststraße kommen, Ich hab auf Quellenstr.156 g´wohnt. Vorm Schuster (Angeligasse) war Cafehaus, Angelig.107 (Schwägerin Herta gewohnt) Friseur Zubal (später Guth). Prohaska, Imre Fleischhauer in Angeligasse.

L: Ich bin 1946 bei der Gemeinde, da war ich 24. Ich hab nach 1946 eine Wohnung in der Quellenstraße 156 gekriegt und hab dort oben weniger Kontakt gehabt….Mein Haupaufenthalt war ja die Knöllgasse. Die zweite war die Hardtmuthgassen. Die Angeligassen hab´ ich buchstäblich vernachlässigt. Die Hardtmuthgasse war näher zur Spinneringassen, wo unser Fußballplatz war, da hab´n wir immer müass´n durch die Hardtmuthgassen. Die Neubauten (Glückbauten) seh i erst da bei ihnen, da waren ja a Holzplatz, da war ja nix. Wissen sie, wie der Durchgang g´hassen hat im Volksmund? Des war es „Gangl“. Im Gangl warn die Geldschupfer, da hat sich viel abg´spielt.

E: Was hab´n die Geldschupfer g´macht?
L: Geld g´schupft. Die hab´n si an Linie mit zwa Enden g´macht. Die Gelschupfer haben si in einer gewissen Entfernung hing´stellt. Und der mit seiner Münzen am nächsten war, der hat können anfangen. Er hat die Münzen in die Höhe g´schupft und auf der Münzen war auf einer Seite z.B. ein 10-er oder sonst was. Es hat geben 1 Groschen, 2 Groschen, 5 Groschen, 10 Groschen. 10 Groschen warn von den Groschen das Höchste. Meistens habns mit 10 Groschen g´spielt. Auf der andern Seiten war der „Kopf“. Und wann der g´schupt hat und hat drei Köpfe oben g´habt, dann hat er gewonnen, was eing´setzt war, weil da hat ma können einsetzen…. Da waren lauter arbeitslose Zwanzgjährige, Achtzehnjährige, junge Burschen. Und da war einer dabei, der hat wunderschöne Naturhaar g´habt und der war a bei die Geldschupfer . Und nach´n Krieg hab ich in der Angeligassen g´schaut und den mit dem schönen Haar wieder g´seh´n. Der war nämlich Jude und der is wie der Hitler einmarschiert ist, is der sofurt beule gangen und hat sich durchg´schlagn bis auf Amerika. Und nach´n Krieg is er auf einmal auftaucht bei sein Haus und hat er die Leut besucht. I hab mi gfreut dass ich eam gsehn hab und er des überlebt hat. Ich hab mit eam gesprochen . Sagt er, waßt, i hab a Glück habt, i hab an Riesenumweg habt bis i dann nach Amerika kommen bin. Ihm haben ja die andern Juden von durt holfen, sonst war des net gangen, Er hat ja von was leben, net. Er hat hing´schrieben und die haben eam a Geld gschickt. Hat er mir sein Abenteuer erzählt. I hab mi gfreut ghabt, dass i eam da siech.

E: In dem Zusammenhang eine Frage:
Was haben sie damals so mitkriagt, was die Nazis betrifft und diese Spannungen damals? Sie waren ja damals immerhin ein aufmerksamer Beobachter.
L: I werd ihnen was erzähln. Es war ja nach´n Krieg so. Vorher warn ja massenhaft die Nazi und nachn Kriag war kaner mehr a Nazi. Bei mir war des alles anders. I hab bei de Nazi ka Freud ghabt aus folgenden Grund: Ich war berufstätig bei an Juden. Beim Herrn Selka. Mei Mutter hat immer gsagt: Bua, du muaßt was lerna. Ohne Beruf bist die Leben lang a Hilfsarbeiter und bist a Trottel. Aber wiast an Beruf hast und es is wurscht wast für an Beruf hast. Und i hab ma des irgendwie zu Herzen gnommen. I hab an Freund ghabt. Und der Freund hat beim Selka gearbeitet, er mit an Zweiten.

E: Was hat der g´macht?
L: Kupferschmied. Und da warn zwa Lehrlinge und an hat des net gfreut, der is beule gangen. Und mei Freund is sofurt zum Meister gangen, zu dem Juden, an älteren Herrn und hat gsagt: I hätt an guaten anständigen Freund. Er hat g´sagt: Schick eam her. Bin i hinkumman. Sagt er: Ja, wannst wülst, kannst am Montag anfangen. Des muaß i erzähln: Mei Muater hat bei der Tant jeden Freitag Bedienung gmacht. Gründlich gmacht und hat sie da a paar Schilling verdient. Und bin an an Freitag durt hinkommen und triff die Tant. Die sagt: Heast was machst denn du da? Gehst du in ka Arbeit? Sag amal, du muast do schaun, dass d´a Arbeit kriagst und net umanand tachinierst. Di hat mi zsammputzt.

E: Wie alt warn´s da?
L: Naja, vierzehnahalb. Und auf´d Nacht kummt mei Freund und sagt: Heast, Toni, i hab mit mein Masta gred und der hat g´sagt, du könntest di vorstelln kumma. I war aufd Tant schwer beleiigt, weil was hab i dafür können, dass i no kann Arbeit kriagt hab? Weil i hab ja arbeiten woll, net dass i a Strawanzer war und mi gedrückt hab von der Arbeit. I hätt a jede Arbeit gnommen, Hilfsarbeiter, alles. Mei Muater hat ihr des dann erzählt, dass i scho a Arbeit hab. Da wieder bei ihr alles paletti und i war net a so, dass i der alten Frau alles nachtragn hab.´ I hab gsagt Schwamm drüber und bin wieder hingangen, weil die hat mi ja wahnsinnig gern ghabt. Weil mei Vater war ihr Bruder. I bin zum Beispiel auf der Gassen gangen. Is die Tant kummen, sicht mi und sagt: Heast was hastn du für a Hosn an? Na ja, gflickt und wos was i. Hat´s gsagt, kumm her. San ma zum Rudny gangen auf der Eckn. Gebns eam an Clodhosen a urndliche und hat des kauft. Hab i a neue Clodhosn ghabt. Mein Bruder hats nix gebn dem Otto, grad nur mir. Na i war der Liebling bei ihr.

E: Wie is des dann mit ihrem Chef, mit dem Juden weitergangen?
L: Mit dem Juden wars sehr traurig. Der is natürlich transportiert worden. Der hat a Haus, Wohnung, Werkstatt g´habt.

E: Haben sie da irgendwas ghört, wie der wegkommen ist?
L: Nachher nix, na.

E: Oder vorher? Wie war da die Stimmung? Hat si do net im Grätzl irgendwas abg´spielt?
L: Da hat si folgendes abg´spielt. I war auf den Juden so versessen, weil er mir die Arbeit verschafft hat. Des war mei liabster Mensch, net. I wü essen geh und schau i. Auf der Tür hab´ns a Hakenkreuz aufgmalt. I hab mi umdraht, hab an Kübel Wasser g´holt und hab des weggwaschn. Dass mir nicht bewusst war, was i da g´macht hab. Weil wenn mi die Nazi dawischt hätten, da hätt i Hieb kriagt, aber urndliche.

E: Haben sie g´sehn, dass da deshalb solche Rauferein g´wesen san? Dass di Nazi gegen Leut, die so was g´macht haben, vorgangen san? Hat ma im Grätzl nichts g´sehn?
L: Nur auf die Juden sans losgangen.

E: Dass Leute anpöbelt worden san? Waren sie da dabei?
L: Na. Das war insofern grauenhaft. Wie gesagt, i hab des abgelehnt. Weil des war mehr für die Nazi, warn mehr die Arbeitslosen, aber i war ja net arbeitslos. I hab ja a Arbeit ghabt. I hab ja kane Nazi braucht. Aber Arbeit war dann massenhaft da. Da san die Leut sogar zur Arbeit gehen müass´n, Arbeitslose hat´s da nimmer geben.

E: War´n da net Sozialdemokraten im Grätzl, die si gegen die Nazis g´wehrt haben? Da war doch der Washingtonhof oder andere Gemeindebauten im Grätzl.
L: Da hab´ns nix g´hört von an Sozialdemokraten, weil wann der Mux g´macht hat, war er eing´sperrt. Die san in a KZ kommen.

E: War also kein Widerstand?
L: Na, die warn ja viel zu schwach. Des war ja sofort alles isoliert. Widerstand war ein Todesurteil. I hab ja mit de Nazis nix z´tuan g´habt, weil wie gesagt, war i für den juden. I hätt ja den Juden am liabsten zu mir gnommen.

E: Was is denn mit dem passiert?
L: Der is in 2.Bezirk kommen, er, seine Frau und die Tochter und dann hab i nix mehr von ihnen g´hört. Wahrscheinlich sans ins KZ kommen.

E: Und jemand fragen hat ja damals kann Sinn ghabt.
L: I bin dann eing´ruckt und hab des aus die Augen verlorn und dort nimmer hinkommen, weil i hab kann Grund ghabt. Des hat irgendwer dann beschlagnahmt oder hat ein anderer übernommen. '' E: Was mit dem Geschäft weiter war wissen´s daher auch nicht.''
L: Na, i war net amal durt seit der Krieg aus ist. I bin dann auf die Innung gangen und die habn dann g´sagt: Ja mir hättn da was für di. Du kummst nach Meidling. Die suachn an Lehrling. I hab schon zwa Jahr ghabt und hätt nur mehr ein Jahr braucht zu auslernen. I kann mi no guat erinnern. Am Heiligen Drei König war i no zhaus..

E: Wann war des?
L: 1938, da war i 16. I bin jetzt in die Meidlinger Hauptstraßen kummen. Der Betrieb war in einem Keller und die haben erzeugt Kupferkesseln für die Waschkuchln. Beim Juden haben wir erzeugt Kupferzylinder für die Badeöfen. Die san bestrichen worden und mit der Hand gehämmert. Die waren wunderschön. Des war a noble Arbeit. Und bin dann zu de Kesseln kommen. Wanns beim Juden fünf Uhr war, bin i schon mit gewaschenen Händen ausn Betrieb gangen, alles war z´sammg´räumt. Am Samstag um 12 Uhr mit gewaschene Hände. Weil der Jude hat sich an alle Gesetze streng gehalten.i bin dann zum Christen kommen.
Und beim Christen bin ich in die Hölle kommen. Weil, wenn´s fünfe war, dann hab i erst muassn anfangen z´sammräumen. Wanns Samstag zwölfe war, haben wir erst muassn anfangen zum Gründlichmachen und da is oft drei Nachmittag warn bis i da ham kommen bin. Und da hab i den Unterschied g´sehn. I hab des alles gschlickt, weil i dacht hab: Des ane Jahr wird a vergehn. Und des is vergangen. I hab mein G´sellenprüfung gmacht, hab mein Brief kriagt. Bin hinkumman, hab i zu dem Master gsagt: So jetzt bin i G´sell. Aber der hat dort no an Lehrbuam ghabt, der war vü jünger wie i und ich war als Älterer dem unterstellt. Der hat mit mir können anschaffen. Des is mir schon ziemlich nahe gangen. Hat er gsagt. I kann kann Gsell net brauchen. Hab i gsagt, ja, macht ja nix, i werd schon wieder a Arbeit kriagn. Haben wir uns verabschiedet.
Bin dann kumman wieder nach Meidling in an Betrieb in die Ignazgasse. Der Master hat nur an ganz frischen Lehrling g´habt und i bin als G´sell hinkommen. Der hat gmacht Reparaturen bei Waschmaschinen. Des hat ma taugt. Z.B. Mir san in die Habsburg. Die hab so Waschmaschinen ghabt und innen habens so Kupferrippen ghabt, damit die Wäsch durchbeutelt wird. Das hat sich abgenützt und wir haben die frisch gmacht. Da bin i einegreult zu der Maschin, mir hat des taugt. Und bin bis zu mein Einrücken geblieben.
I bin dann zum Wachbataillon kommen in die Stiftgasse. Z´ ruckkummen bin i mit an Fuaß.
Und da hab i des Glück gehabt, weil mein Beruf hab i net ausführen können und habe zwei Jahre gelernt Technischer Zeichner. Und dadurch, dass ich täglich in der Schule war, hab i nur zwa Jahre lernen brauchen. Hab dann eine abgeschlossene Lehre gehabt als technischer Zeichner. Mir warn durt was i fünfzehn Leut und auf anmal warn wir nur sieben, achte, die san alle davon. Der Ingenieur, was des geleitet hat, hat zu uns gsagt: I hätt da Verbindungen zur Gemeinde Wien. Wann wer will. I war sofurt dabei. Von die Sieben wollten nut drei oder vier, die andern wollten net. I bin auf alle Fälle zur Gemeinde kommen und bin bis zum Ende meiner Dienstjahre bleiben. Des war für mi wie geschaffen.