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„Papa Watzinger“ und sein F.C.-Wien

Der F.C.Wien war ein echter Favoritner Fußballverein, in der obersten Spielklasse tätig und bestand meistens aus Favoritner Burschen. Der oberste Chef war „Papa Watzinger“ und zugleich war er auch „Mädchen für alles“. Er war nicht nur Trainer und Masseur, sondern auch Sektionsleiter und Chefverhandler beim Ein- und Verkauf von Spielern.

Der F.C.Wien hatte meist finanzielle Probleme, da die Zuschauermassen bei Heimspielen ausbleiben und die Einnahmen dementsprechend gering waren. Die Mannschaft bestand daher meist aus arbeitslosen Arbeitern. Die Sportanlage befand sich in der Gußriegelstraße zwischen Hardtmuthgasse und Angeligasse und die Gemeinde Wien war Grundeigentümer. Aber nun zu „Papa Watzinger“, kurz „Papa W.“ genannt.

Eines Tages fuhr er zum unterklassigen Verein „Wienerberg“ im 10.Bezirk, um einen Spielereinkauf zu tätigen, das sich so abgespielt haben soll:

Nach einer kurzen Begrüßung kam man gleich zum Verkaufsgespräch. „Was brauchst du für einen Spieler?“ fragte der Funktionär vom „Wienerberg“. Papa W. antwortete: „Ich brauche einen Zenterhalf und eventuell einen Tormann.“ „Kannst du haben“ wurde ihm geantwortet. „Und was kosten die beiden?“ „10.000 Schilling“ „Und was kostet der Zenterhalf?“ Und da der „Wienerberg“- Funktionär annahm, dass Papa W. vor allem den Zenterhalf haben wollte, antwortete der Funktionär: „7.000 Schilling“ „Dann wird der Tormann logischer Weise 3.000 Schilling kosten. Dann nehme ich mir halt den Tormann, denn der ist billiger.“ Da der Wienerberg-Verein ebenfalls finanzielle Schwierigkeiten hatte und das Geld dringend brauchte, bekam Papa W. den Tormann um den genannten Betrag. Der Tormann hieß Walter Zeman und spielte ab sofort bei F.C.Wien. Aber nicht lange, denn er bewährte sich so gut, dass der Fußballvereins Rapid Interesse an ihm zeigte und Zeman an ihn weiterverkauft wurde.

Eine andere Aktion von Papa W. möchte ich noch erwähnen: Es gab wieder einmal eine Zeit, da gab es in der F.C.Wien-Kassa kein Geld und der Verein konnte daher den Spielern keine Gage zahlen, die ohnehin sehr karg war. Darauf beschlossen die Spieler in Streik zu treten und zum Spiel am Sonntag nicht anzutreten. Als Papa W. davon erfuhr, machte er Folgendes: Er berief für Sonntag die Jugendmannschaft ein und ließ sie an Stelle der ersten Mannschaft antreten. Da waren schon gut gewachsene Burschen von 16 und 17 Jahren dabei, die mit Begeisterung Fußball spielten. Und siehe da, die jungen Burschen waren kein „Schlachtopfer“. Sie spielten beherzt und mutig und der Erfolg stellte sich auch prompt ein. Sie gewannen ein Spiel nach dem anderen, sogar gegen prominentere Vereine. Diese Erfolge bewirkten, dass diese Mannschaft sogar im oberen Drittel der Tabelle aufschien, während die streikende erste F.C.Wien Mannschaft meistens im unteren Drittel herumkrebste.

Das Ganze hat sich in den 30-er Jahren abgespielt. Ich erinnere mich deshalb so genau, weil sich damals die gesamte Presse darüber lustig machte und ausführlich darüber berichtete.

Papa W. war in ganz Favoriten bekannt und durch seine Kameradschaftlichkeit auch sehr beliebt. Man sprach ihn immer mit „Papa Watzinger“ an. Ich habe niemals vernommen, dass man „Papa“ weggelassen und nur „Herr Watzinger“ gesagt hat. Er war immer ein Vorbild für die Jugend, äußerst korrekt und diszipliniert. Er ruhe in Frieden, der „Papa Watzinger“.