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Gespräch von Fritz Endl mit Alfred und Christa Graf (beide Jg 1941) am 25.9.2017

AG: Der „Briefmarkensammlerverein Favoriten“ ist seit 1973 in diesem Haus Zur Spinnerin 37.

FE: Frau Graf, wo sind sie zur Welt gekommen?

CG: In der Lucina im 41-er Jahr und auf der Laxenburgerstraße bin ich aufgewachsen. Ich bin also in Matzleinsdorf geboren und aufgewachsen in Inzersdorf….Mit dem Triesterviertel haben wir aber damals nicht viel zu tun gehabt. Hierher sind wir so gut wie nie gekommen. Außer dem Wasserturm und auf dem Fortunabergl, wo wir gerodelt sind. Zwischendurch haben wir im 2.Bezirk gewohnt. Erst in den 90-er Jahren und wir die Wohnung hier ausgebaut haben. Seither sind wir hier. Die Räumlichkeiten waren leer. Wie unsere Familie in der Laxenburgerstraße gewohnt haben, waren für uns die Fabriken auffallend. Casali, Hutter und Schranz, die Steyrer-Werker oder die Heilmittel-Werke

AG: Meine Großeltern väterlicherseits waren in der Fernkorngasse zuhause. Da bin ich unter Umgehung des Waldmüllerparks hierhergekommen, weil der war für mich als jungen Bursch lebensgefährlich (CG: Am Tag nicht) Da kann ich mich noch auf die Kohlenrutschen erinnern…..

CG: Meine Großeltern haben in der Siccardsburggasse/Van der Nüllgasse gewohnt…..Wir sind immer wieder über die Schleierbaracken hinunter zum Liesingbach gegangen und haben dort oft Veilchen gepflückt. In der Herzgasse bin ich in die Volksschule gegangen. Da sind in der Früh noch die Kühe und Ziegen hinaufgetrieben worden…. Für mich war das noch eine wunderschöne Kindheit. Wir konnten noch auf der Straße spielen. Da hat es ja noch die Fuhrwerke gegeben.

AG: Die Triesterstraße war gepflastert, der 65-er war eingleisig mit einer Ausweiche in der Mitte, noch ohne Anhänger. Bis zur Schule an der Ecke. Das waren damals endlose Märsche entlang den Ziegelgruben. Es war noch eine sehr ungepflegte Gegend. Jeden zweiten Tag bin ich da mit unserer Großmutter hinunter marschiert.

CG: Wir haben viele Teiche benutzt.

AG: Vor den Ziegelteichen haben wir Angst gehabt, weil sie so steil hinunter gehen. Später sind wir zum Flösslteich.

CG: Den großen Teich von heute hat es ja damals noch gar nicht gegeben…Da waren manche Ziegelwerke noch aktiv und da wurden die Gruben zum Einsumpfen verwendet. Das habe ich auch in Filmen von früher gesehen. Da hat es noch viele Gärten mit Obstbäumen gegeben.

AG: Wir haben in der Schule noch eine Exkursion zu einem Ziegelofen an der Triesterstraße gemacht. Bis sie dann den letzten abgerissen haben, worüber sich der damalige Bezirksvorsteher Deutsch sehr geärgert hat……

CG: Schauen sie, was bei der Hellerfabrik war. Da haben sie ja auch den schönen Schornstein gekürzt….. Aber beim Casali, wenn die dort eingeheizt hat, ist der schwarze Rauch durch die Wohnung gegangen. Oder von der Imperial-Feigenfabrik……

FE: Haben sie Ansichtskarten oder Fotos von dieser Gegend?

AG: Einige vom Wasserturm oder der Spinnerin am Kreuz. ….Die Quellenstraße hat früher Simmeringer-Straße geheißen….Das ist ein Foto vom Wasserturm im Bau, also etwa 1897….Die Dachziegel waren aus der Tschechei. Zuerst war es eine provisorische Eindeckung. 1945 ist er neu eingedeckt worden.

CG: Früher sind wir fast alles zu Fuß gegangen. Wenn z.B. am Laaerberg eine…Veranstaltung war, sind wir alle hinaufgewandert.

AG: Im 65/66-er Jahr bin ich oft in der Mittagspause hinunter zur Liesing in Oberlaa. Da war ein Schlauch von einem kleinen Haus mit dem warmen Thermalwasser in die Liesing. Dann haben wir uns im Flösslteich abgeduscht und sind in den Nachmittagsdienst.

CG: Wo jetzt der Golfplatz ist, war ja früher ein Teich. Das war „die Blaue“. Die Burschen sind oft in die Klasse gekommen mit Fischerln. Es war wirklich wie am Land bei uns.

FE: Es war ja auch noch „Land“, da waren Getreidefelder. Es gibt ja auch ein Bild vom Wasserturm mit einem Getreidefeld davor.

CG: Wir sind Blumen pflücken gegangen.

FE: Zum Thema Freizeit wollte ich sie fragen: Womit haben sich Mädchen und Burschen damals beschäftigt, was war die Freizeitgestaltung von Kindern und Jugendlichen?

CG: Wir haben uns im Hof der Gemeindebauten irgendwie aus Schuhschachteln z.B. Betten zu machen, himmelblau und Kleider oder Spiele.

FE: Was haben die Burschen gemacht? Die haben vermutlich hauptsächlich Fußball gespielt?

CG: Die sind oft mit Kugellagerrollern gefahren auf der Nebenfahrbahn von der Laxenburgerstraße hinunter. Tritonfahren haben wir auch können. Im Winter haben wir im Hof Schneeburgen gebaut und Schleifen gemacht. Wenn's finster war, haben uns die Eltern rufen müssen zum Heimkommen. Das war ein kleines Paradies in den Höfen. Und was haben's jetzt gemacht? Mit Mulch aufgeschüttet und ein paar Metalldinger hineingestellt. Kein Mensch ist da drinnen. Wir haben damals noch Klopfstangen gehabt zum Turnen. Wir sind in den Büschen gestanden, haben Frauenkäfer gesammelt. Wir haben immer etwas zu tun habt. Dann sind wir Tempel gehüpft, Schnur gesprungen, Vater Vater leih mir‘d Scher gespielt. Die Kinder jetzt, die brüllen nur, da ist kein Lachen mehr. Oft sind die Mütter mit ihren Kindern im Hof gesessen und haben mit ihnen gestrickt. Wir konnten als Kinder immer bei den Nachbarn oder auch beim Greissler anklopfen, man hat ja fast alle beim Namen gekannt,. …..

FE: Vielen Dank für das Gespräch.