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Wir Haben Einen Gedenkstein Gesetzt


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Berta Klement

Wir haben einen „Gedenkstein“ gesetzt!

„Warum tut i h r - eine mittellose S e l b s t h i l f e g r u p p e – euch s o e t w a s überhaupt an ?!!

Einen „G e d e n k s t e i n „ setzen – justament in UNTERLAA, so ganz am menschenleeren Südostende der Stadt WIEN ?! Dort seid ihr auf verlorenem Posten: neben einer uralten Kirche samt Mauerresten – die heute fast niemand kennt!“

Derartige Meinungsfetzen konnten jedoch unsere innere Zielstrebigkeit im Glauben an den rechten Platz für unser Werk nicht stören. Natürlich wissen auch wir in der MUSISCHEN ARBEITSGEMEINSCHAFT, wo in der Stadt die Rummelplätze moderner „Kunst – Events“ Lärm schlagen....und möchten nach vollbrachtem „Schwimmen gegen den Strom“ auch der Publizitie mitteilen, was für uns gerade diesen Platz besonders wertvoll gemacht hat:

Unser „GEDENKSTEIN DES JAHRES DER BEHINDERTEN 2003“ steht ausdrücklich abseits der populistischen „Kultur-Szene“ nächst der uralten kleinen JOHANNES – KIRCHE in UNTERLAA. Für manche: ein „Niemandsland“...das auf manchen Landkarten gar nicht mehr eingezeichnet ist. Wer aus der Linie 67 bei der Station ROTHNEUSIEDL in den Autobus 17A umsteigt, kommt direkt auf der Klederingerstraße zu unserem abseits gelegenen Ort. Man könnte schon beim „Brückenwirt“ aussteigen und den bequemen, breiten Weg am rechten Ufer des Liesingbaches wenige Minuten weiter stromab gehen, um alsbald einen schlanken Kirchturm zu sehen, auf dessen Spitze im Licht etwas flimmert!

Wer nicht genau sehen kann und auch zu wenig weiß, könnte hier einen „ Stern aus der Türkenzeit...“ vermuten! Wir haben da oben jedoch das Kreuzzeichen „der JOHANNITER“ vor uns, welches später auch „die MALTESER“ weiter trugen. Warum aber sind hier die Kreuzesbalken strahlenartig an den Enden geöffnet? Uns wurde gesagt, dass man im Mittelalter auch hier voll geistiger Regsamkeit darüber nachgedacht hat, wie man es symbolisch zum Ausdruck bringen könnte, dass mit der AUFERSTEHUNG das Kreuz zu einem Überwinderzeichen aus der Liebe geworden ist ! Nicht mehr hart abgeschlossene Balken sondern strahlengleich sich öffnend könnte diese Kreuzesform auch unsere Herzenshärte überwunden darstellen und so unmittelbar näher zu Gott führen!

Geleitet durch dieses strahlende Zeichen sind wir den Liesingbach weitergegangen. Am linken Ufer breiten sich weite Felder aus und auf einmal plätschern und schnattern eine Unmenge von Wildenten im Wasser, glücklich über die Renaturalisierung des vorher verbetonierten Flusslaufes. Natur – darf hier wiederum „Natur“ sein! Ein immer wohligeres Gefühl erfüllt den Wanderer....

Der Blick rechts über die Klederingerstraße hinaus trifft auf ernsthaft und sorgfältig in einem Acker grabende Menschen. Dies sind Spurensucher im Dienste der ARCHÄOLOGIE ! Wir befinden uns auf einem uralten Siedlungsboden und ein kleines Museum nächst der Kirche zeigt wissenschaftlich geordnet Funde vor allem aus der Kelten – und Römerzeit.

Wir befinden uns heute auf einen Grundbesitz der GEMEINDE WIEN. Nur der Standort der JOHANNITER – MALTESERKIRCHE gehört seit dem späten Mittelalter dem „SOUVERÄNEN MALTESERRITTERORDEN“ an. Auch dieser hat wohlwollend ein Zeichen gesetzt und das Schindeldach der Kirche gründlich ausbessern lassen.

An Ort und Stelle kamen Abgeordnete der zuständigen Magistratsateilungen zusammen und gaben nach gründlichen handwerklichen Übereinkünften die Erlaubnis, mit unserer Aufstellungsarbeit zu beginnen ! Wir haben ermutigt aufgehorcht, als man meinte, dass hier „ein Platz der inneren Ruhe, der Besinnung und Andacht“ durch unser Werk angereichert werden solle!

Wir haben sogleich mit dem Erdaushub für den Sockel begonnen. In 60 cm Tiefe fanden wir einen Schlüssel – wer weiß, zu welchem Haus...? Wir haben ihn gesäubert und auf einem Serpentinstein gefestigt; zum Andenken, dass unsere Plastik aus diesem Material geformt worden ist. Dem entsprechend haben wir „unseren Fund“ dem kleinen Museum am Ort übergeben – vor allem auch, weil bei Führungen auch unser GEDENKSTEIN beachtet wird.

Während der Aufstellungsarbeit hat es zwischendurch immer wiederum herbstlich – kalt geregnet....Mit stiller Bewunderung habe ich beobachten können, mit welch freudiger Durchhaltekraft freiwillig meine Helfer humorvoll zielstrebig durchgehalten haben ! Es war eben mehr als „Arbeit“: es war „unser Anliegen“ ! Natürlich haben wir uns immer wiederum in einem kleinen Dorfwirtshaus „aufgewärmt““. Bei herzhaftem Geschmause erzählte ich, was ich über diesen besonderen Platz zu berichten weiß und die inneren Beweggründe unserer Bemühung.

Draußen wetterte und goss es in Strömen und wir stellten uns vor, wie „viel, viel früher...“ Menschen hier in Wohngruben hausten und nach den Funden zu schließen kaum älter als 25 Jahre werden konnten! Haben sie Tiere, wohl auch Menschen geopfert ?! Sicherlich war ihr urtümliches Empfinden auch der heute geomantisch feststellbaren „STRAHLUNGEN“ ganz besonders ausgeliefert. Wer hat diese Urbevölkerung ausgelöscht ? Kelten und Römer sollen hier ein weitverzweigtes anpassendes Handelsleben geführt haben. Germanische Stämme, welche sich längst am linken Donauufer sammelten, setzten über ! Weil ihre individuell – heldenhafte Kampfesweise in der sumpfigen Aulandschaft der römischen exakten Disziplin – die hier kein „Aufmarschgebiet“ vorfand – überlegen war, konnten sie einen entscheidenden Sieg fast erringern – hätte ihnen in Form eines schrecklichen Donnergrollens ihr Gott THONAR nicht geboten, sich zurückziehen!!

Endlich hat auch hier das junge Christentum die Wahrheit unseres Leitspruches auf dem Sockel missionierend vorgelebt: „Und immer rettet die Güte!“ Immer wiederum hat es hier furchtbare Leidenszeiten für die Bevölkerung gegeben: Hier war ein Durchzugs- als auch Besatzungsgebiet für HUNNEN, AWAREN, UNGARN, KURUZEN, FRANZOSEN, RUSSEN ....!

Nach oftmaligen Zerstörungen wurde immer wiederum „unser Kirchlein“ auf Trümmern aufgebaut! Die JOHANNITER bauten ein Hospital an, so dass Kranke samt ihrem Lager direkt zur Teilnahme am Gottesdienst in den Kirchenraum hineingeschoben werden konnten. Dazu verpflichteten sie ihre Ordensregeln: stets mindestens für sechs hilfsbedürftigte, erschöpfte Wanderer hilfreich zu sein an LEIB und SEELE ! Die heutige „Klederingerstraße“ hielten zur Zeit der Kreuzzüge viele ortsunkundige Pilger von weit her als einen Weg: direkt ins „HEILIGE LAND“.

Nachdem der hochgemute Impuls – wie er uns auch aus den Dichtungen WALTER VON DER VOGELWEIDE überliefert ist ! - zu Ende ging, wandelnden sich in der Not auch manche fromme PILGER – zu „PÜLCHERN....!“ - wie der Volksmund heute noch Kriminelle verklagt. Diese sündhaften Umstände mögen auch besonders dazu beigetragen haben, dass man nicht nur offene Wunden heilte, sondern auch nach Zusammenhängen menschlichen Elends forschte. Wir zogen Vergleiche auch mit den Bemühungen der heutigen „PSYCHOSOMATIK“.

So wurden auch die Schlechtwetter - Pausen im Wirtshaus sinnvoll für die Einstimmung zu unserem dennoch fortschreitenden Werk. Als wir wieder einmal an die Arbeit gingen: an die Formung des Betonsockels, stand da ein Gärtner des Stadtgartenamtes. Er schaute uns freundlich zu und meinte endlich, man wäre im Zweifel gewesen, ob so eine „seltsame Partie...“ auch wirklich und vorschriftsmäßig arbeiten könne ?! Nun aber sei man von uns überzeugt und das Stadtgartenamt werde als Sichtschutz zur Klederingerstarße hin Sträucher pflanzen! Diese Ankündigung beflügelte unseren Eifer und wir stellten bald die Plastik auf den Sockel ! Alsbald hatten wir ein unvergessliches kameradschaftliches Erlebnis: Als wäre in den Gartenarbeiten ein besonderes Feingefühl und Liebe zu ihrer Mitwirkung erwacht, mühten diese sich, eine reichliche Bepflanzung in der Linienführung mit der Formensprache unseres Denkmals in Einklang zu bringen. Wenn sie vorbei zu ihrer Hauptarbeit fuhren, grüßten unsere neuen Freunde mit einem kräftigen „Hallo!“ herüber ! Diese Verständnisinnigkeit ersetzt uns heute noch jedes bloße „Kunst-Geschwätz....“

Am 2.November 2003 fand die Enthüllung statt.

Der Herr Pfarrer von OBER-LAA gab seinen Segen und auch „die MALTESER“ hatten eine repräsentative Abordnung gesendet. Die Stadtverwaltung war ebenfalls vertreten. Es war ein herzliches Fest und Besucher unserer SELBSTHILFEGRUPPE MUSISCHE ARBEITSGEMEINSCHAFT/ WIEN ließen es ausklingen mit sehr feierlichen, alten Jodlern!

Zuletzt haben alle Anwesenden – nach altem Brauch – auch Gedenkblättchen an dieses Erlebnis mitgegeben.

Wer selbst noch ein solches haben möchte, könnte sich an uns wenden in unserem S T U D I O der M U S I S C H E N A R B E I T S G E M E I N S C H A F T in W I E N 1100, Buchengasse 170. Tel.: 01/607 63 38.