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Hans Gert Graebe / Seminar Wissen /
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Termin: 28. Mai 2019 15.15 Uhr

Ort: Seminargebäude, SG 3-13

Maike Teichert: Infotainment und Wissensvermittlung durch Unterhaltung

Georg Höcker: Gritty und andere digitale Meme

Ankündigung

Infotainment und Wissensvermittlung durch Unterhaltung

Früher war alles anders, auch die Nachrichten!

Wie wurden früher die Nachrichten im Fernsehen vorgetragen und wie hat sich dies in den Jahren geändert? Kann man nur noch mit der Form des Infotainments kritische und wichtige Informationen an den Zuschauer tragen? Welche Ziele werden durch Infotainment verfolgt? Wie viele wichtige Informationen gehen verloren, sobald diese mit unterhaltenden Elementen verknüpft werden? Das sind alles Fragen, die durch meinen Vortrag genauer beleuchtet und beantwortet werden. Daher wird sich der Vortrag zu Beginn auf die Geschichte und den Ursprung des Infotainments beziehen und darstellen, wie sich der Begriff überhaupt zusammensetzt. Allgemein muss man dazu sagen, dass die Form des Infotainments eigentlich ein Trend ist, der aus der Not geboren wurde. Jedoch ist die unterhaltende Art und Weise der Informationsübertragung aus dem Medienbereich nicht mehr wegzudenken.

Dazu nehmen wir dann Bezug speziell auf die heutigen Nachrichten. Da es in der jetzigen Zeit vermehrt Sendungen und Magazine im Infotainment-Genre gibt, werden wir uns einen Sendeplan genauer anschauen und anhand einer 3-Schritt-Betrachtung die wichtigsten unterhaltenden Elemente des Fernsehens erläutern. Einleitend für eine anschließende Diskussion werden die Pros und Kontras des Infotainments aufgelistet, sodass danach jeder seine eigene Meinung bezüglich der Kombination aus Unterhaltung und Informationen äußern darf.

Maike Teichert, 21.05.2019

Digitale Meme

Digitale Meme sind heute in den sozialen Medien allgegenwärtig. Kaum ein (welt-)politisches oder popkulturelles Ereignis dieses Jahrzehnts wurde nicht von zahlreichen es persiflierenden oder anderweitig kommentierenden Memen begleitet.

Doch was sind überhaupt Meme, und welche neuen Handlungsmöglichkeiten bietet ihre digitale Form? Limor Shifman feiert Internet- Meme für ihr vermeintliches subversives Potenzial und schreibt dem Membegriff sogar zu, er verkörpere den Kern des sogenannten Web 2.0- Zeitalters. Doch offensichtlich eignen sich Meme nicht nur für emanzipatorische Projekte- es sei an Pepe The Frog und seine Aneignung durch die Alt- Right erinnert.

Nachdem ich kurz auf den Begriff eingehe, stelle ich die Positionen verschiedener AutorInnen vor, um das Phänomen 'digitales Mem' problematisierend zu umreißen.

Georg Höcker, 22.05.2019

Anmerkungen

Im Fokus des Vortrags zum Thema Infotainment stand die (allerdings bereits in die Jahre gekommene, Quelle von 1997) These von Norbert Bolz "Infotainment ist die einzige Form, in der Leute überhaupt noch Informationen entgegennehmen." In dieser These treffen sich die Begriffe Information, Entertainment (Unterhaltung) und mit dem Begriff Wissensvermittlung auch ein spezieller Wissensbegriff, wenn das "Entgegennehmen von Informationen" in einer solchen Weise (im Titel des Vortrags heißt es "Infotainment und Wissensvermittlung") verstanden wird.

Der Infotainmentbegirff wurde dabei mit einer Vielzahl von Phänomenen verknüpft, die sich grob den folgenden drei Konzeptbereichen zuordnen lassen:

  • einer Anreicherung von Informationsdarbietungen mit multimedialen Elementen,
  • einer Aufladung derartiger Vermittlungen mit künstlerischen Mitteln, Performanzen und Inszenierungen
  • sowie einer Personalisierung von Informationsinhalten.
Bricht man ein derartiges Informationskonzept auf den Informationsbegriff der Vorlesung herunter ("interpretierte Daten"), dann wird deutlich, dass hier das "informierende" Subjekt als Externes gegenüber dem "zu informierenden Objekt" nicht nur die Hoheit über die zu übermittelnden "Daten", sondern auch über die Interpretation derselben anstrebt und dies durch den massiven Einsatz technischer Mittel (Technik wie in der Vorlesung entwickelt) erzwingen will. Dass es sich um ein sehr eingeschränktes Verständnis von "informare" handelt, hat schon Heinz Klemm in (Klemm 2003) genauer ausgeführt.

Herr Kleemann stellte die spannende Frage, worüber im Vortrag denn eigentlich gesprochen wurde – über Infotainment als Konzept, dessen Quellen und Begründungszusammenhänge, oder über eine sich selbst als dominant verstehende spezielle Medienpraxis, die spätestens mit dem digitalen Wandel in eine veritable Krise geraten zu sein scheint.

Geht es um Infotainment als Konzept, so wären die Quellen näher zu befragen – die entsprechenden Trends im Mediensystem der USA der 1970er Jahre, die Ende der 1980er Jahre auch in das bundesdeutsche Mediensystem "herüber geschwappt" sind, ein Mediensystem mit einer ausgeprägten Balance zwischen einem öffentlich-rechtlichen Sektor und privaten Anbietern sowie einem System von Landesmedienanstalten mit regulatorischen Kompetenzen. In diesem System wird deutlicher als in den USA auch immer wieder die Frage nach der Sicherung der Bedingungen für Qualitätsjournalismus laut gestellt. Die Ausleuchtung des Infotainmentbegriffs auf einer solchen Basis praktischer Medienpolitik müsste allerdings weit über das Dargebotene hinausgehen und – so Herr Kleemann – auf einem tragfähigen medientheoretischen Konzept wie etwa dem von Marshall McLuhan ("Magische Kanäle") oder von Friedrich Kittlers Aufschreibesystemen aufbauen.

Geht es dagegen um Infotainment als mediale Praxis, so wären die konzeptionellen Wurzeln des beobachteten Widerspruchs zwischen der Selbstwahrnahme von Dominanz und der faktischen Beobachtung einer sich verstärkenden Krise bloßzulegen. Der (allerdings wie gesagt, alte) Spruch von Norbert Bolz, dem die Vortragende selbst mit gehöriger Skepsis begegnete, wäre daraufhin abzuklopfen, ob er überhaupt noch mit einer zeitgemäßen Interpretation unterlegt werden kann oder das in ihm zum Ausdruck kommende vormundschaftliche Informations- und Wissensverständnis in einer sich weiter stark arbeits- und wissensteilig ausdifferenzierenden Gesellschaft nicht längst auf den "Müllhaufen der Geschichte" gehört.

Mit dem Thema digitale Meme widmete sich nach dem Seminar am 30.04.2019 bereits der zweite Seminarvortrag in diesem Semester dem Phänomen, dass sich Aktionszusammenhänge im Netz und darüber hinaus über "digitale Zeichen" entwickeln. Im Gegensatz zu einfachen Hashtags wie in der Diskussion am 30.04. spielten diesmal künstlerisch aufgeladene Bildstrukturen die Rolle eines solchen Kondensationskeims. Im Sinne der Begriffsbildungen in der Vorlesung handelt es sich bei beiden (auf Unterschiede komme ich weiter unten zu sprechen) um textuelle Repräsentationen mit Verweischarakter auf realweltliche Prozesse und Zusammenhänge, die in diesen Zusammenhängen allerdings hochgradig dynamisch verlaufen. Die textuelle Repräsentation kann hier kaum als "digitale Identität" im Sinne eines Verweises auf realweltlich bereits institutionalisierte Verfahrensweisen verstanden werden, sondern verweist eher auf den Konstituierungs- und Formierungsprozess einer neuen Institution, über deren Dauerhaftigkeit noch nicht entschieden ist. Mehr noch bewegen wir uns mit diesen Beispielen in einer Sphäre gesellschaftlich bedeutsamer Institutionalisierungsprozesse, in denen realweltliche und digitale Instrumente auf neue Weise ineinander greifen.

Die Komplexität dieser Prozesse, für die in der Vorlesung das Konzept des Handlungsraums als Beschreibungsinstrument entwickelt wurde, lässt sich allerdings schwer auf den Membegriff reduzieren oder gar zurückführen – weder im klassischen Ansatz von Dawkins, der diese als Bewegungsform von Ideen in interpersonalen Kommunikationsstrukturen fasst, noch im Sinne von Stalder, der unter digitalen Memen "kleine, endlos variierbare kulturelle Versatzstücke" versteht, "die sich einfach aneignen und variieren lassen" (Stalder 2014). Unbestritten ist dabei, dass diese Meme als textuelle Repräsentationen mit externen Bedeutungen aufgeladen sind, allerdings wird dabei ein weiteres Mal die These aus der Vorlesung deutlich, dass "Bedeutung der Gebrauch eines Begriff ist", sich also diese von außen injizierte Bedeutung wie eine Initialisierung verhält und im Zuge der Konstituierung des Handlungsraums, seiner inneren Strukturen wie auch seiner Grenzen, gründlich ändern kann – bis hin zu ihrem Gegenteil wie im Beispiel der Assimilation von Pepe dem Frosch durch die Alt-Right-Bewegung. Wir haben es mit digital getriebenen realweltlichen Strukturierungsprozessen kooperativer Handlungsräume zu tun, die inzwischen auch auf den Arenen der politischen Auseinandersetzung an Bedeutung gewinnen und klassische Politikformen ergänzen und zum Teil ablösen.

Interessant ist, dass derartige kooperative Subjekte rechtlich oft schwer angreifbar sind, so lange sie sich nicht als juristische Personen im Sinne der bürgerlichen Rechtsordnung konstituieren. Hier werden die libertären Grundwerte der Gründergeneration des Internets ebenso wie eine klassische links-autonome Erfahrung bewusst oder unbewusst in die Auseinandersetzungen um die weitere Ausgestaltung des digitalen Universums eingebracht.

Bleibt die Frage, wie sich Gritty, Pepe der Frosch und andere Bildmeme in ihrer Wirkung von Hashtags unterscheiden. Im Vortrag wurde aufgezeigt, dass mit Memplates – der Variierbarkeit entsprechender Bilder etwa durch leere Textfelder – der oben beschriebenen Notwendigkeit der Bedeutungsvariierung im Zuge einer Festigung nach innen und der Abgrenzung nach außen eine größere Variabilität möglich ist als allein mit Hashtags. In der Diskussion wurde dem entgegengehalten, dass eine solche Variation auch auf der Ebene der Hashtags zu beobachten ist, etwa der Hashtags #MeToo und #MeTwo. Oft ergeben sich solche Variationen aus dem Bedürfnis der Abgrenzung oder des Aufbrechens gegenüber Bedeutungen, die sich innerhalb anderer Handlungsräume stabilisiert haben. Das so entstehende Bedeutungsgefüge von positiver und negativer Bezugnahme konstituiert dabei neue und größere Handlungsräume mit gemeinsamen kulturellen Bezugspunkten, in denen sich auch widersprüchliche Bedeutungsbildungsprozesse dialektisch entfalten können.

  • Felix Stalder: Die neue Volkskultur im Internet. Kulturmagazin Passagen 1/2014, S. 26-27. ( pdf)
Hans-Gert Gräbe, 02.06.2019


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