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Hans Gert Graebe / Rohrbacher Kreis /
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27.-29. September 2017: Paradigmenwechsel in Wissenschaft, Technik und Wirtschaft
Workshop des Neuen Rohrbacher Kreises

Zeit: Anreise: 27.09.2017 ab 16 Uhr, Abreise: 29.09.2017 nach dem Mittagessen

Ort: Wilhelm-Ostwald-Gedenkstätte in Großbothen

Anliegen und Thematik

Thomas Kuhns Theorie der Paradigmenwechsel geht davon aus, dass wissenschaftlicher Wandel in Form von einander ablösenden Paradigmen beschrieben werden kann. Paradigmen werden dabei als (implizit oder explizit) normierte Weisen des Umgangs mit Problemen gefasst, die sich über die Zeit in Einzeldisziplinen und den entsprechenden Forschungsgruppen zu bestimmten Zwecken etabliert haben (z.B. das geozentrische Modell des Ptolemäus zur Berechnung der Gestirnsbewegungen in vor-kopernikanischer Zeit). Grob gesagt werden Paradigmenwechsel laut Kuhn immer dann nötig, wenn die Verwendung etablierter Paradigmen zu Problemen führt, die unter Beibehalt der jeweiligen Paradigmen nicht zufriedenstellend gelöst werden können.

In der Technik ist die detaillierte Untersuchung von Paradigmenwechsel insofern verhältnismäßig unkompliziert, als nicht nur kreative Problemlösungen sondern auch zugrundeliegende Probleme anhand von Patenten mit einheitlicher Methode untersucht werden können. Auf diesem Weg entstand die „Theorie zum Lösen von Erfindungsaufgaben“ (TRIZ); eine Methode kreativ technischen Problemlösens, deren Wissensbestand auf der formal einheitlichen Analyse von Patenten aus unterschiedlichen Industriezweigen basiert.

Wie Thomas Kuhn gezeigt hat, können auch Paradigmenwechsel außerhalb der Technik als Problemlöseprozesse verstanden werden. Allerdings verfügen wir im Fall von Wissenschaft, Wirtschaftssystemen, Institutionen und Organisationsformen über keinen Patent-Fundus, auf den bei der Analyse der Problemlösestrukturen zurückgegriffen werden könnte.

Deshalb möchten wir damit beginnen, einen Beispielfundus für Paradigmenwechsel insgesamt anzulegen. Dafür zählen wir auf die Erfahrung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sei es, dass sie in ihrem Leben selbst Paradigmenwechsel miterlebt haben, sei es, dass sie anderweitig von Paradigmenwechseln berichten können.

Wir bitten Sie, sich im Vorfeld des Workshops Gedanken zu machen, welche Paradigmenwechsel Sie vorstellen oder besprechen möchten. Die Beispiele können aus so unterschiedlichen Bereichen wie Wirtschaft, Technik, Wissenschaft, Politik, Pädagogik, Psychologie etc. stammen. Zur Abstimmung des Programms wenden Sie sich bitte an justusschollmeyer@gmail.com.

Literatur:

Programm

Im Rahmen des Austauschs über konkrete Paradigmenwechsel sollen auch der WIR-Antrag des Leibniz Instituts für Interdisziplinäre Studien e.V. und die Konzepte zweier anstehender Leibniz-Konferenzen diskutiert werden. Gemäß der Tradition des “Neuen Rohrbacher Kreises” wird das Programm des Workshops flexibel gestaltet: Das heißt, es wird vor Ort entschieden, welches Thema wann am Sinnvollsten diskutiert werden sollte. Fest steht soweit nur, dass der Mittwoch dem WIR-Antrag gewidmet wird.

Impulsvorträge zu Paradigmenwechseln

Die übrigen Schwerpunktthemen werden jeweils durch einen Impulsbeitrag eingeleitet und lauten wie folgt:

Dietrich Balzer: Von der klassischen Automatisierungstechnik zur wissensbasierten Automatisierungstechnik

Anhand des Beispiels des Wechsels von der klassischen Automatisierungstechnik (Festwertregelkreise mit linearen Algorithmen) zur wissensbasierten Automatisierungstechnik (Echtzeitorientierte Systemoptimierung und künstliche Intelligenz) soll eine "Paradigmenwechselkaskade" vorgestellt werden. Der Übergang zur wissensbasierten Automatisierungstechnik, der seinerseits auf einen Paradigmenwechsel in der Informationstechnik (Einführung der Mikroelektronik) zurückzuführen ist, führte zu einem Paradigmenwechsel in der Produktionstechnik (Produktion 4.0, Übergang von der Verfahrenstechnik zur Systemverfahrenstechnik). Solche Kaskaden sind auch auf anderen Wissensgebieten zu beobachten.

Hartmut Baumbach: Varianten des Paradigmenwechsels: Beispiele aus der Physik der zerstörungsfreien Prüfung

Hans-Gert Gräbe: Lange Wellen und globale Krise

Die Verschränkung technologischer und ökonomischer Entwicklungen ist ein immer wieder umstrittenes Thema. Allein klar zu sein scheint, dass dies kein kontinuierlicher Prozess ist, sondern in längeren Abständen grundlegende Umbauphasen gesellschaftlicher Institutionen zu beobachten sind. Joseph Schumpeter sieht derartige "Innovationszyklen" ebenso wie Thomas S. Kuhn, der diese Beobachtung mit "Paradigmenwechseln" in der Wissenschaft in Verbindung bringt. Eine erste empirisch basierte ökonomietheoretische Untersuchung hat der russische Ökonom Nikolai Kondratieff in den 1920er Jahren vorgelegt. Dieser Ansatz wurde seither von vielen Autoren aufgenommen.

In meinem Aufsatz "Lange Wellen und globale Krise" versuche ich mich an einer eigenen Interpretation dieser "Zyklizität" gewisser Phänomene, die im engen Zusammenhang mit Umbrüchen im Bereich technologischer Entwicklungen stehen. Diesen Text stelle ich zur Diskussion.

Siehe auch unsere Diskussion am 18.03.2015

Nachsatz: Ich habe unten aus (Perez 2010) die begriffliche Unterscheidung von Innovationen, Technologiesystemen, technologischen Revolutionen, techno-ökonomischen Paradigmen und "großen Wellen der Entwicklung" ergänzt.

Justus Schollmeyer: Widersprüche der Nachhaltigkeit und damit verbundene Paradigmenwechsel

Angesichts endlicher Ressourcen lässt sich mit Georg Müller-Christ ein Widerspruch zwischen Effizienz- und Nachhaltigkeits-Denken formulieren, der sich daraus ergibt, dass Effizienzsteigerung nicht auch schon die Rückerneuerung der Ressourcen impliziert. Dieser Widerspruch zeigt sich in dilemmatischen Entscheidungssituation des Managements. Ich möchte den Fokus auf Unternehmensmodelle lenken, die sich konstruktiv mit der Überwindung dieses Widerspruchs auseinandersetzen.

Dieter Skrobotz: Paradigmen als methodisches Werkzeug zur Ermittlung und Beschreibung von Entwicklungstrends

Verallgemeinerung und Erweiterung des klassischen Paradigmenbegriffes. Paradigmen als Werkzeug des strukturierten Denkens. Eigenschaften und Wirkungen. Anwendung als Strukturierungsmethode für Trends und deren Extrapolation.

Beispiel: Die Paradigmen der Informationsgesellschaft und ihre Wirkungen.

Aus Perez 2010

Although innovation is constant in the market economy, it is not always continuous. There are changes in rhythm that tend to follow a logistic curve and are influenced by the cycle of the technology system in which they are embedded. There are discontinuities often stimulated by the exhaustion of possibilities along a particular trajectory, where productivity and markets are approaching exhaustion.

The technology systems, grouped in a technological revolution, overlap and generate externalities and markets for each other, thus influencing the direction of further innovation.

Technological revolutions are clusters of interrelated technology systems that only merit the term ‘revolution’ because they extend far beyond the boundaries of the new industries they introduce. Such surges of change eventually transform the rest of the economy, elevate the expected level of productivity across the board, rejuvenate mature industries and open new innovation trajectories, not only within the new technologies, but also through their application to rejuvenate all the other industries and activities.

The vehicle of this wide-ranging transformation is the techno-economic paradigm, which is a best practice model gradually emerging from practice in order to make optimal use of the new innovative potential offered by each revolution. Each techno-economic paradigm serves as an envelope encom- passing and shaping the trajectories of individual technologies. Its influence extends from the business sphere to institutions and society so that as the adoption of the new TEP advances along the diffusion curve of each tech- nological revolution (or along each great surge of development), it gradually becomes the shared common sense for decision making in management, engineering, finance and trade. This new logic and its capacity to increase effectiveness and efficiency eventually also shape institutional and social organisations, expectations and behaviour.

This mutual adaptation of technology and society through the meta-para- digm enables reaping the maximum benefit from the wealth creating poten- tial brought by each great surge. But, when this potential is exhausted and a new revolution begins to take shape, it acts as a powerful inertial force.

This understanding of the influence of technical change on long term eco- nomic growth is one of the key contributions of evolutionary economics to the understanding of macroeconomics as dynamic and historically shaped. It is no longer possible to ignore the technological revolution being diffused and its stage of deployment.

Weitere Programmpunkte

Diskussion des WIR-Antrags

Im Mittelpunkt steht die Diskussion des WIR-Antrags, den das LIFIS gemeinsam mit PartnerInnen von bspw. der Uni Leipzig entwickelt.

Rolf Merker: Konferenzplanung

Diskussion des Konzepts einer Leibniz-Konferenz zum Thema des Wandels von Mobilität im weitesten Sinne.

Justus Schollmeyer und Dieter Skrobotz: Konferenzplanung

Diskussion des Konzepts einer Leibniz-Konferenz zu Heuristiken für Paradigmenwechsel.

Ablauf

27.09.2017

  • Anreise ab 16 Uhr
  • 16:30 Uhr - Erste Runde der Besprechung des WIR-Antrags
  • 18 Uhr - Gemeinsames Abendessen
  • 19 Uhr - Zweite Runde der Besprechung des WIR-Antrags
28.9.2017
  • 9-13 Uhr - Vorträge und Diskussion
  • 13 Uhr - Mittagessen
  • ab 14 Uhr - Wanderung
  • 18 Uhr - Gemeinsames Abendessen
  • 19 Uhr - Vorträge und Diskussion
29.9.2017
  • 9-12 Uhr - Vorträge und Diskussion
  • 12 Uhr - Mittagessen
  • Abreise
Teilnehmer

  • Angelika Adam-Fendel, Berlin (nur am Donnerstag, keine Übernachtung)
  • Prof. Dr.-Ing. Dietrich Balzer, Friedrichsthal (Mi.+Do. zwei Personen)
  • Prof. Dr. Hartmut Baumbach, Saarbrücken (nur am Donnerstag, keine Übernachtung)
  • Prof. Dr. Hans-Gert Gräbe, Leipzig (ganze Zeit)
  • Dr.-Ing. Sabine Lautenschläger, Leipzig (nur am Mittwoch, keine Übernachtung)
  • Dr. Rolf Merker, Grafing b. München (nur am Mittwoch, Übernachtung zum Donnerstag)
  • Prof. Dr. Gerhard Öhlmann, Berlin (ganze Zeit)
  • Prof. Dr. Werner Regen, Gera (ganze Zeit)
  • Justus Schollmeyer, Berlin (ganze Zeit)
  • Prof. Dr. Frieder Sieber, Chemnitz (nur am Mittwoch, keine Übernachtung)
  • Dieter Skrobotz, Berlin (ganze Zeit)
Diesmal nicht dabei, aber am Thema interessiert

  • Prof. Dr. Bernd Junghans, Dresden
  • Ken Kleemann, Leipzig
  • Dr. Dirk Laßner, Berlin
  • Dr. Jürgen Leibiger, Radebeul
  • Prof. Dr. Rainer Schimming, Potsdam
  • Prof. Dr. Jens-Uwe Sommer, Dresden
  • Dr. Rose-Luise Winkler, Berlin
  • Dr. Dietmar Zobel, Wittenberg

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