[Home]
Hans Gert Graebe / Philo Debatte /
2018-06-20


Home
Neues
TestSeite
DorfTratsch

Suchen
Teilnehmer
Projekte

GartenPlan
DorfWiki
Bildung+Begegnung
DorfErneuerung
Dörfer
NeueArbeit
VideoBridge
VillageInnovationTalk


AlleOrdner
AlleSeiten
Hilfe

Einstellungen

SeiteÄndern







Informatisierung der Produktion

20.06.2018, 16:00 Uhr, Research Academy, Wächterstraße 30 (Achtung - neuer Ort!)

Ankündigung

Im Zuge des "digitalen Wandels" werden insbesondere Beschreibungsformen verschiedenster Art in großer Detailliertheit verfügbar, die über entsprechende compute devices mit anderen prozessualen Elementen ganz unmittelbar interagieren. Theorie, Kalkül, Experiment, Simulation und praktische Produktionsprozesse rücken enger zusammen. Damit werden zugleich technologische Prozesse der Mechanisierung und Automatisierung zugänglich, die vor Kurzem noch – oft aus rein betriebswirtschaftlichen Gründen – intensiver menschlicher Intervention bedurften. Die Folge sind (u.a.) das massive Freisetzen von Arbeitskräften und vor allem de "Entwertung" ganzer Berufsbilder.

Welcher Zusammenhang besteht zwischen diesen Phänomenen der Informatisierung der Produktion und einer Semantifizierung der Welt? Wie müssen Begriffe wie Information und Wissen oder gar Technik (als gesellschaftsmächtig verfügbares Verfahrenswissen) gefasst werden, um derartige Veränderungen adäquat zu beschreiben?

Drei Inputs stehen für die Diskussion zur Verfügung:

  • Die Seminararbeit "Vernetzung und Kooperation im Kapitalismus bei Wolf Göhring. Ein Beitrag zur Kooperenz-Debatte" von Jan Witte (März 2018)
  • Ein Kommentar zu Wittes Arbeit von Wolf Göhring.
  • Anmerkungen zu Wittes Arbeit von Hans-Gert Gräbe (siehe unten).
Daneben natürlich auch Originalbeiträge von Wolf Göhring: Ich bitte zu Planungszwecken um kurze Rückmeldung, wer kommt, an graebe@informatik.uni-leipzig.de.

Hans-Gert Gräbe, 10.05.2018

Anmerkungen

Anmerkungen zu Wittes Arbeit

  1. Informatisierung der Produktion hat nicht allein etwas mit "permanenter Steuerung" (S. 6) oder "allgemeinem Informationsaustausch" (S. 7) zu tun, sondern ist immer auch "Welt ... als in begrifflicher Erfassung befindliche Wirklichkeit". Dieser komplexe Zusammenhang von Informatisierung, Technik und Sprache, insbesondere als Semantic Web, ist der Hintergrund, auf dem "Warenproduktion zwar unabhängig voneinander betrieben wird, aber diese als gesellschaftliche Arbeit zugleich voneinander abhängige Privatarbeiten" sind. (S. 9) Hier argumentiert Göhring – auf der Höhe seiner Zeit – in der Tat zu eng, Wittes Kritik blendet aber diese recht zentralen Zusammenhänge ebenfalls aus. Ohne einen soliden Technikbegriff wird man hier nicht weit kommen.
  2. Der Fakt, dass ein weiteres Mal das eingeläutete Ende der Warenproduktion nicht eingetroffen ist, wird wenig argumentativ aufgearbeitet. Göhrings These des "Vernetzens, ohne sich zu vernetzen" steht entgegen, dass dies in den letzten 20 Jahren unter dem Label von "Open Culture" durchaus gelungen ist und dabei alle Bastionen von "free as in free speech" privatwirtschaftlich gestürmt wurden. Die Frage, ob sich "jedes Individuum frei und gleich jede Information verschaffen kann" (S. 15), geht von einem kruden, entkontextualisierten Informationsbegriff aus, dessen Tragfähigkeit in der Vorlesung mehrfach kritisch auf dem Prüfstand war. Die juristischen Instrumente einer bürgerlich-rechtlich verfassten Gesellschaft, kooperative Subjekte (interdisziplinäre Teams von "Experten") um derartige Kontextualisierungen zu konstruieren, bleiben bei Witte unterbelichtet.
  3. Ob solche Kontextualisierungen prinzipielle Grenzen der Bedingtheiten der Möglichkeit zur "Erkennbarkeit des wirklichen Zusammenhangs, in dem die Privatindividuen stehen" (S. 17), für den von Witte thematisierten Totalitätsansatz setzen und hier möglicherweise andere epistemische Zugänge gefunden werden müssen, halte ich persönlich für offen. Aber damit sind wir schon an der vordersten Front aktueller Auseinandersetzungen in der Philosophie.
Hans-Gert Gräbe, 06.04.2018

Teilnehmer

  • Hans-Gert Gräbe, Leipzig
  • Gaston Lubetzky, Leipzig
  • Georg von Nessler, Leipzig
  • Justus Schollmeyer, Berlin (vielleicht)
  • Jan Witte, Leipzig

OrdnerVeranstaltungen