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Hans Gert Graebe / Leipziger Gespraeche /
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12. Interdisziplinäres Gespräch "Nachhaltigkeit und technische Ökosysteme"

Das

12. Interdisziplinäres Gespräch: Nachhaltigkeit und technische Ökosysteme

bildet den Höhepunkt und Semesterabschluss des Moduls "Interdisziplinäre Aspekte des digitalen Wandels".

Termin: 2. Februar 2018, 10–16 Uhr
Ort: Research Academy Leipzig, Wächterstraße 30, 04107 Leipzig

Mit diesem interdisziplinären akademischen Gespräch wird die im Herbst 2011 begonnene Reihe akademischer Reflexionen über die Umbrüche unserer Zeit fortgeführt.

Die Reihe der Interdisziplinären Gespräche am Institut für Informatik wird unterstützt vom Institut für angewandte Informatik (InfAI), dem MINT-Netzwerk Leipzig sowie der Research Academy Leipzig.

  • Reader zum Interdisziplinären Gespräch 2012
Anliegen

In unserem zweiten Interdisziplinären Gespräch am 27. April 2012 hatten wir bereits das Thema "Nachhaltigkeit und Technik" auf der Agenda und dabei fünf große zeitliche Dimensionen der heutigen vielfältigen Krisen- und Wandlungsprozesse identifiziert, die uns mit der Herausforderung konfrontieren, auf einen Pfad nachhaltiger Entwicklung im Einklang mit der – natürlichen, kulturellen, sozialen und technischen – Umwelt und Mitwelt einzuschwenken:

  • der Wandel von Kommunikations- und Vernetzungsstrukturen im Rahmen der digitalen Revolution,
  • die Krise der Arbeitsgesellschaft bisherigen Zuschnitts,
  • die Krise der Industriegesellschaft, deren Janusköpfigkeit immer stärker deutlich wird,
  • die Krise eines diese Industrialisierung ermöglichenden modernen Wissenschaftsverständnisses , in dem (handwerklich-ingenieurtechnische) Machbarkeit im Vordergrund steht, und
  • die Krise eines mehrtausendjährigen Lebensstils der Menschheit am Ende des "fossilen Zeitalters".
Wir hatten bereits damals festgestellt, dass die Antwort auf die Herausforderungen nur ein ganzheitlicher Wandlungsprozess sein kann, der global zu denken, aber lokal politisch zu gestalten ist. Hierfür ist das Zusammendenken und Zusammen-Denken bisher getrennt vorgetragener Argumente und Begründungszusammenhänge an einem gemeinsamen Ort unabdingbar.

Ein solches Anliegen wollen wir mit dem nächsten Interdisziplinären Gespräch erneut aufgreifen. Seither hat der Begriff des Ökosystems eine überraschende inhaltliche Erweiterung erfahren – man spricht heute nicht mehr nur von biologischen Ökosystemen, sondern auch von technischen Ökosystemen verschiedener Provenienz: Software-Ökosysteme, Energie-Ökosysteme sowie regionale Stoff- und Energiekreisläufe, welche die Reproduktion technischer Infrastrukturen in verschiedenen Modellregionen begleiten.

Der älteste Ansatz in dieser Richtung und konzeptionelle Prototyp sind wahrscheinlich die Software-Ökosysteme, über die Wikipedia folgendes schreibt:

Schon seit den frühen 1990er Jahren wurden Strategien und Konzepte der Abhängigkeiten zwischen Unternehmen unter dem Begriff business ecosystems diskutiert. Im Jahr 2003 veröffentlichten dann Messerschmitt und Szyperski ein Buch unter dem Titel "Software Ecosystem" und legten damit den Grundstein für die spezielle Verwendung im Umfeld der Softwareproduktion. Aus industrieller Sicht beschreibt ein Software-Ökosystem die Produktwelt eines führenden Technologieanbieters und aller in diesem Umfeld aktiven Zulieferer und Produzenten, die auf Produkten und Diensten dieses Schlüsselspielers aufbauen.

Allerdings ist dies nur die Hälfte der Geschichte, denn stark geprägt wurde der Begriff vor allen aus den Erfahrungen der Entwicklung von Open Source Software. Seit wenigstens 2013 wird versucht, diesen Ansatz auf andere technische Systeme zu übertragen, wobei auch hier die Leipziger Universität eine wichtige Rolle spielte.

Im Vorwort der Proceedings der EEC 2013 in Leipzig

Das Konzept „Ecosystems“ eröffnet innovative Perspektiven auf die zu erwartenden energie-wirtschaftlichen Entwicklungen. Es strukturiert das komplexe Zusammenspiel der einzelnen Akteure und Teilsysteme mit der Zielsetzung, das Gesamtsystem sicherer, effizienter und umweltverträglicher zu gestalten. Im Fokus der Energy EcoSystems Conference 2013 stehen hierbei vier Betrachtungsebenen – die physikalische Ebene, die IKT-Ebene, die ökonomische Ebene und die soziokulturelle Ebene – sowie deren ebenenübergreifenden Wechselwirkungen.

Der Ansatz der Ökosysteme ist stark mit systemtheoretischem Denken verzahnt, das auf zwei Wegen Eingang in die aktuellen Debatten findet. Einmal sind dies ingenieurtechnische Konvergenzprozesse zwischen Software Engineering und System Engineering und zum anderen Verbindungen zur Theorie dynamischer Systeme und Beschreibungen von Selbstorganisationsprozessen in verschiedensten Bereichen von Wissenschaft und Gesellschaft, die bis in die 1960er Jahre zurückreichen und mit bekannten Namen wie Bertalannfy und Prigogine verbunden sind, siehe dazu etwa (Jantsch 1992).

Mit unserem Interdisziplinären Gespräch wollen wir diesen Entwicklungen nachspüren. Wir wollen dazu wieder bis zu drei Impulsbeiträge von je maximal 30 Minuten gewinnen, um dem interdisziplinären akademischen Gespräch und Austausch genügend Raum zu geben.

Das genaue Programm ist noch im Werden und in der Abstimmung.

Links:

  • Software-Ökosysteme bei Wikipedia
  • Energy EcoSystems
  • EEC 2013: Energy EcoSystems Conference 2013 in Leipzig. Proceedings
  • Mircea F. Lungu. Reverse Engineering Software Ecosystems. Dissertation, Lugano, 2009.
  • Tobias Zschietzschmann: Maschinelles Lernen als Software-Ökosystem im Spannungsfeld zwischen Entwickler und Anwender. Seminararbeit, Leipzig 2017.
  • Richard Schulze: E-Learning als Ökosystem von Inhalten, Systemen und Standards. Seminararbeit, Leipzig 2017.
  • Erich Jantsch: Die Selbstorganisation des Universums. München 1992. Erste Auflage München 1979.
Impulsreferate:
  • Tobias Zschietschmann, Informatik, Uni Leipzig: Software-Ökosysteme
  • Dr. Sabine Lautenschläger, IIRM, Uni Leipzig: Selbstorganisation in biologischen und technischen Ökosystemen aus systemtheoretischer Perspektive
  • Dr. Stefan Kühne, URZ, Uni Leipzig: Energie-Ökosysteme im Bereich der Erneuerbaren Energien
Teilnehmer

  • Prof. Hans-Gert Gräbe, Informatiker, Uni Leipzig
  • Ken Pierre Kleemann, Philosoph, Uni Leipzig
  • Dr. Stefan Kühne, Informatiker, Uni Leipzig
  • Dr. Sabine Lautenschläger, Ingenieurin für Umwelttechnik, Uni Leipzig
  • Gaston Lubetzky, Jurist, Leipzig
  • Justus Schollmeyer, Philosoph, LIFIS Berlin
  • Tobias Zschietzschmann, stud. inf., Uni Leipzig
Interessiert, aber diesmal verhindert

  • Prof. Georg Müller-Christ, Uni Bremen
Unterstützer der Veranstaltung


Institut für Informatik


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