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Hans Gert Graebe / Leipziger Gespraeche /
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10. Interdisziplinäres Gespräch: Technik und Sprache. Perspektiven von "Digital Humanities"

Das

10. Interdisziplinäre Gespräch: Technik und Sprache. Perspektiven von "Digital Humanities"

bildet den Höhepunkt und Semesterabschluss des Moduls "Interdisziplinäre Aspekte des digitalen Wandels".

Termin: 29. Januar 2016, 10-16 Uhr
Ort: Universität Leipzig, Paulinum, Augustusplatz 10, Raum P-502

mit einem Impulsbeitrag

Natürliche und künstliche Intelligenz. Perspektiven der Technikgestaltung

des Technik- und Wissenschaftsphilosophen Prof. Klaus Mainzer (TU München).

Mit diesem interdisziplinären akademischen Gespräch wird die im Herbst 2011 begonnene Reihe akademischer Reflexionen über die Umbrüche unserer Zeit fortgeführt.

Die Reihe der Interdisziplinären Gespräche am Institut für Informatik wird unterstützt vom Institut für angewandte Informatik (InfAI), dem MINT-Netzwerk Leipzig sowie der Research Academy Leipzig.

Hintergrund

Das subtile Wechselverhältnis von Technik und Sprache steht im Mittelpunkt auch der 6. Auflage unseres Interdisziplinären Lehrangebots, mit dem wir seit 2013 versuchen, die alte universitäre Tradition fächerübergreifender akademischer Diskurse auch und bereits in der Bachelorausbildung zu verankern. Gegenstand der Reflexion sind die komplexen Umbruchprozesse der heutigen Zeit, die gewöhnlich unter den Begriff „digitaler Wandel“ gefasst werden und bekanntlich „für uns alle Neuland“ sind. Entsprechend groß ist der Reflexionsbedarf zu eigenem Handeln nicht nur bei den Lernenden, sondern auch bei den Lehrenden; eine gute Voraussetzung für einen akademischen Diskurs auf Augenhöhe und eine spezifische Sicht auf ein Diskursfeld, das heute unter der Bezeichnung "Digital Humanities" noch immer auf einen der Problemlage angemessenen Zuschnitt wartet.

Eine weitere Spezifik dieses Interdisziplinären Lehrangebots ergibt sich aus dem Umstand, dass dieses Angebot von Informatikern unterbreitet wird und damit technik-wissenschaftliche Wurzeln in den Diskurs einbringt, die an einer universitas litterarum wie der Leipziger zu den eher jüngeren Traditionen gehören und im Fächerkanon nach wie vor einen schweren Stand haben, der eigenen Fachkultur angemessen Gehör zu verschaffen. Die Studierenden sowohl der Informatik als auch der Humanities betonen in ihren Bewertungen des Lehrangebots allerdings immer wieder, dass gerade diese Breite der Fächerkulturen dem akademischen Diskurs eine ganz eigene Note verleihe und zu Erkenntnisgewinnen führe, die im universitären Alltag sonst viel zu wenig thematisiert würden. Die Möglichkeit, im praktischen Teil des Lehrangebots mit denselben Studierenden an Softwareprojekten mit Drittmittelhintergrund zu arbeiten, rundet das Angebot ab, sowohl im Diskurs als auch im praktischen Tun frühzeitig Erfahrungen im inter- und infradisziplinären Arbeiten zu sammeln.

Ankündigung

Es ist also folgerichtig, die Reihe „Interdisziplinäre Gespräche“ in diesen Kontext einzuordnen und nun schon in der dritten Auflage als Semesterhöhepunkt des Lehrangebots zu gestalten. Sich dabei noch einmal der Begriffe „Technik“ und „Sprache“ von Neuem zu versichern scheint angesichts der aktuellen Problemlagen und Suchbewegungen hin zu einem pragmatic, Hegelian oder cultural turn am Ende eines linguistic turn mehr als gerechtfertigt. Auch der Begriff „Technik“ bleibt schillernd im Spannungsfeld zwischen Technikwissenschaften, Technikphilosophen sowie allgemeiner Philosophie und Wissenschaftstheorie. Darauf weist etwa (Banse 2014) für die Technikphilosophen hin und reklamiert aus seiner Sicht die eigenständige Bedeutung eines Begriffs „Technikwissenschaft“. Ob dieser allerdings – wie dort ausgeführt – sinnvoll auf den Begriff einer „Wissenschaft vom Machen“ reduziert werden kann, bleibt ebenso umstritten wie die Frage, ob Technik ein Kulturprodukt der ein inhärentes Moment von Kultur selbst sei.

Wie also ist das Verhältnis von Wissenschaft und Technik auf einem Hintergrund gesellschaftlicher Bedeutsamkeit zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu fassen, welche neuen Aspekte eines solchen Verhältnisses ergeben sich aus neuen Möglichkeiten eines "digitalen Wandels", welchen Einfluss haben Computing, Simulation auf Computersystemen und schließlich die fortschreitende digitale Vernetzung, wozu Big Data und Digital Humanities? Welche Formen kooperativer Subjekte sind den neuen technologischen Möglichkeiten angemessen, wie entsteht cooperative conciousness in einem informationstechnisch vernetzten, aber durch disziplinäre Schranken parzellierten "System von Expertentum"? "Make it explicit!" – eine Herausforderung, vor der Softwareprojekte im Bereich semantischer Technologien heute immer wieder stehen. Können die Techniker dabei von den Philosophen lernen? Einschlägige Versuche praxisphilosophischer Zugänge zur modernen "technikdurchtränkten" Wirklichkeit wie (Brandom 1994,2013), (Metscher 2010) oder (Müller 2015) haben einen Begriff "Technik" nicht einmal auf der Agenda. Dabei steht spätestens mit (Lessig 2000) die streng normative Wirkung von Code im speziellen und technologischer Entwicklung im allgemeinen auch auf der theoretischen Agenda; die normative Wirkung des "Smartphone-Booms" seit 2005 liefert dafür auch ausreichend praktischen Anschauungsunterricht.

Klaus Mainzer hat mit (Mainzer 2014) eine viel beachtete Bestandsaufnahme vorgelegt und wird mit einem Impulsbeitrag unser Gespräch fundieren. Daneben werden wir ausgewählte lokale Projekte vorstellen, um auf diese Weise theoretische Reflexion und praktisches Tun gleichermaßen zu Wort kommen zu lassen und so die Balance zwischen "Logos und Telos" zu wahren.

Wir freuen uns auf ein spannendes Gespräch.

Literatur:

  • Gerhard Banse (2014): Technikwissenschaften – Wissenschaften vom Machen. In Banse, Grimmeis, Hrsg.: Wissenschaft – Technologie – Innovation. Abhandlungen der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften, Band 37 (2014). Trafo Verlag, Berlin.
  • Robert B. Brandom (2013): Knowing and Representing: Reading (between the lines of) Hegel's Introduction to the Phenomenology of Spirit. 3 Vorlesungen, auch in Leipzig, 14.-16.12.2015.
    • Robert B. Brandom (1994): Make it explicit!, Harvard Press. Dt. Übersetzung Expressive Vernunft, Suhrkamp 2000.
  • Lawrence Lessig (2000): Code and Other Laws of Cyberspace. Überarbeitete Neuauflage als Code 2.0, 2006.
  • Klaus Mainzer (2014): Die Berechnung der Welt. Von der Weltformel zu Big Data. C.H. Beck, München.
  • Thomas Metscher (2010): Logos und Wirklichkeit. Peter Lang Verlag.
  • Horst Müller (2015): Das Konzept PRAXIS im 21. Jahrhundert. Karl Marx und die Praxisdenker, das Praxiskonzept in der Übergangsperiode und die latent existierende Systemalternative. BoD-Verlag, Norderstedt 2015
Weitere Links: Hans-Gert Gräbe, 11.12.2015, Update am 2.1.2016

Programm

Grober zeitlicher Ablauf (als Startpunkt einer sich am Tag des Events entwickelnden Eigendynamik)

  • 10-13 Uhr: Teil 1: Impulsreferate. Diskussion.
  • 13-14 Uhr: Mittagspause.
  • 14-16 Uhr: Teil 2: Fortsetzung der Diskussion.
mit Impulsbeiträgen von
  • Prof. Gerhard Heyer, Automatische Sprachverarbeitung, Uni Leipzig: Was ist Semantik? ( Folien)
  • Prof. Klaus Mainzer, TU München: Natürliche und künstliche Intelligenz. Perspektiven der Technikgestaltung.
  • Natanael Arndt, Uni Leipzig: Das Pfarrerbuch-Projekt ( Folien)
Teilnehmer

  • Natanael Arndt, Informatik, Uni Leipzig
  • Dr. Katharina Best, Wissenswerke Dr. Best, Naumburg
  • Dr. Jessica Böttcher-Ebers, GKO, Uni Leipzig
  • Witold Fischer, Historiker, Jena
  • Wolfram Fischer, Ingenieur, Chemnitz
  • Maryam Foradi, Digital Humanities, Uni Leipzig
  • Prof. Hans-Gert Gräbe, Informatik, Uni Leipzig
  • Dr. Gerlind Große, Erziehungswissenschaften, Uni Leipzig
  • Dr. Markus Hein, Kirchengeschichte, Uni Leipzig
  • Prof. Gerhard Heyer, Informatik, Uni Leipzig
  • Simon Johanning, stud. inf., Uni Leipzig
  • Prof. Bernd Kirchheim, Mathematik, Uni Leipzig
  • Amit Kirschenbaum, Uni Leipzig
  • Ken Kleemann, Philosophie, Uni Leipzig
  • Enrico Kunze, B90/Grüne, Leipzig
  • Felix Linker, Programmierer, Uni Leipzig
  • Marcel Lohse, HTWK Leipzig
  • Sascha Ludwig, Informatik, Uni Leipzig
  • Prof. Klaus Mainzer, Technik- und Wissenschaftsphilosoph, TU München
  • Dr. Karl-Michael Meiß, Biotechnologie, Arnold-Sommerfeld-Gesellschaft Leipzig
  • Moritz Muth, Uni Leipzig
  • Andreas Nareike, Informatik, Uni Leipzig
  • Georg von Nessler, Kulturwissenschaftler, ip-dialog.de, Leipzig
  • Martin Reckziegel, Informatik, Uni Leipzig
  • Robert Reilein-Ruß, URZ, Uni Leipzig
  • Roger Schaumberg, Gemeinschaftskeimling, Leipzig
  • Johannes Schmidt, Master Lehramt, Uni Leipzig
  • Justus Schollmeyer, Philosoph, Berlin
  • Dr. Janine Schulze-Fellmann, GKO, Uni Leipzig
  • Jürgen Stahl, Philosoph und Unternehmer, Leipzig
  • Trudie Strauss, Bioinformatik, Uni Leipzig
  • Andreas Vierling, IT-Mitteldeutschland,
  • Dr. Sabrina Walter, Simon-Dubnow-Institut, Uni Leipzig
  • Manfred H. Wolff, Physiker, Arnold-Sommerfeld-Gesellschaft Leipzig
Interessiert, aber verhindert:
  • Dr.-Ing. habil. Hartmut Barthelmeß, Mediennformatik, Leipzig und Karlsruhe
  • Prof. Klaus Fuchs-Kittowski, Informatik, Berlin
  • Prof. Manfred Füting, Physiker, Arnold-Sommerfeld-Gesellschaft Leipzig
  • Dr. Lars Göhler, Indologe, eastpress.de, Leipzig
  • Bettina Klimek, Informatik, Uni Leipzig
  • Gaston Lubetzki, Jurist, Leipzig
  • Kamilla Skudelny, E-Learning, Uni Leipzig
Unterstützer der Veranstaltung


Institut für Informatik


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