[Home]
Fritz Endl / Ich Über Mich /
Gutes Menschliches Leben


Home
Neues
TestSeite
DorfTratsch

Suchen
Teilnehmer
Projekte

GartenPlan
DorfWiki
Bildung+Begegnung
DorfErneuerung
Dörfer
NeueArbeit
VideoBridge
VillageInnovationTalk


AlleOrdner
AlleSeiten
Hilfe

Einstellungen

SeiteÄndern







Inhaltsverzeichnis dieser Seite
Martha C.Nussbaum: DAS GUTE MENSCHLICHE LEBEN   
GRUNDFÄHIGKEITEN EINES GUTEN MENSCHLICHEN LEBENS   
Jede Gesellschaft sollte für ihre Bürgerinnen und Bürger die folgenden zehn Grundfähigkeiten anstreben,   
denn dann können aus menschlichen Leben auch gute menschliche Leben werden   
Maria Maiss über Martha C.Nussbaum   
Martina Schmidhuber zu Martha C.Nussbaum   

Martha C.Nussbaum: DAS GUTE MENSCHLICHE LEBEN    

(geb.1947, Philosophin und Professorin für Rechtswissenschaften und Ethik an der University of Chicago.)

Lit: Martha C.Nussbaum: Gerechtigkeit oder Das gute Leben. Gender Studies, edition suhrkamp 1999

GRUNDFÄHIGKEITEN EINES GUTEN MENSCHLICHEN LEBENS    

Jede Gesellschaft sollte für ihre Bürgerinnen und Bürger die folgenden zehn Grundfähigkeiten anstreben,    
denn dann können aus menschlichen Leben auch gute menschliche Leben werden    

  • (1) Leben: Die Fähigkeit, ein menschliches Leben von normaler Länge zu leben und nicht vorzeitig zu sterben.
  • (2) Körperliche Gesundheit: Gesund zu sein, sich angemessen zu ernähren, eine angemessene Unterkunft zu haben.
  • (3) Körperliche Unversehrtheit: Zu schmerzfreiem und freudvollem Leben fähig zu sein, die Möglichkeit zu sexueller Befriedigung zu haben, sich in der Frage der Reproduktion frei entscheiden und sich von einem Ort zu einem anderen frei bewegen zu können.
  • (4) Wahrnehmungs-, Vorstellungs- und Denkvermögen: Möglichkeiten einer Bildung zu haben; politische, künstlerische Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit leben zu können. Die Fähigkeit, unnötigen Schmerz zu vermeiden und freudvolle Erlebnisse zu haben.
  • (5) Gefühle: Beziehungen zu Dingen und Menschen außerhalb von uns selbst einzugehen. Emotionale Entwicklung ohne Angst, Furcht und traumatische Ereignisse leben zu können. Durch die Unterstützung dieser wichtigen Fähigkeit der menschlichen Entwicklung wird das menschliche Miteinander unterstützt.
  • (6) Praktische Vernunft: Die Fähigkeit, eine Vorstellung des Guten zu entwickeln und kritische Überlegungen zur eigenen Lebensplanung anzustellen. Dies schließt nach Nussbaum heutzutage die Fähigkeit ein, einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen und am politischen Leben teilzunehmen.
  • (7) Verbundenheit mit anderen Menschen: Soziale Kontakte zu pflegen, Anteil am Leben anderer zu nehmen, Mitleid zu empfinden, Gerechtigkeit zu üben und Freundschaften zu pflegen; Fähigkeit zur Selbstachtung zu haben und als würdevolles Wesen behandelt zu werden, Schutz vor Diskriminierung.
  • (8) Verbundenheit mit anderen Arten: Mit Tieren, Pflanzen und der ganzen Natur zu leben.
  • (9) Spiel: Fähigkeit zu lachen, zu spielen und sich an erholsamen Tätigkeiten erfreuen zu können.
  • (10) Kontrolle über seine Umgebung: Die Fähigkeit, an politischen Entscheidungen teilzuhaben, sein eigenes Leben und nicht das eines anderen zu leben. Hier geht es um persönlichkeitsbestimmende Entscheidungen wie Heirat, Reproduktion und Arbeit und die Fähigkeit, Eigentum zu haben.
Maria Maiss über Martha C.Nussbaum    

Maria Maiss (geb.1966, seit 2013 Lehrbeauftragte am Institut für Bildungswissenschaft der Universität Wien)

„Martha Nussbaum stellt die universellen menschlichen Eigenschaften in Begriffen elementarer Funktionsfähigkeiten dar, die sich Menschen wechselseitig als positive Freiheiten zusprechen können. Sie stellen die Bedingungen eines nicht nur menschlichen, sondern eines guten menschlichen Lebens dar und sollen das Ziel der Gesetzgebung sein. In späteren Texten (seit 1998 in: „Feminist Internationalism“) verbindet Nussbaum bestimmte Fähigkeiten mit menschlichen Grundrechten und mit konkreten sozialpolitischen Forderungen.“
(Aus: „Reichtum als volle Erfüllung menschlicher Verwirklichungschancen“, 2003)

Martina Schmidhuber zu Martha C.Nussbaum    

Gesamter Text: http://www.polylog.net/fileadmin/docs/polylog/23_forum_schmidhuber.pdf
Martina Schmidhuber (Seit 2019 Professorin für Health Care Ethics an der Universität Graz)

Wenn nun die Vernunft die Basis allen menschlichen Handelns ist, so ist daraus eine wichtige Folgerung für die Politik abzuleiten: Es geht nicht nur darum, den Menschen das zum guten Leben Erforderliche zur Verfügung zu stellen, sondern auch darum, Menschen die Möglichkeit zu geben, mit Hilfe ihrer praktischen Vernunft selbst das zu erreichen, was sie wollen und brauchen.

"Das gute menschliche Leben zeichnet sich durch Tätigkeiten aus, das politische Ziel sollte es aber sein, die Fähigkeiten der Menschen zu fördern. Menschliches Leben zeichnet sich durch Tätigkeiten aus, das politische Ziel sollte es aber sein, die Fähigkeiten der Menschen zu fördern. Es geht darum, dass Menschen aufgrund ihrer praktischen Vernunft ihre vom Staat geförderten Fähigkeiten in Tätigkeiten umsetzen können. Der einzelne Mensch soll die Freiheit haben, seinen eigenen Lebensplan zu entwerfen und diesen aus eigener Kraft mit den geförderten Fähigkeiten zu verwirklichen. Inwiefern die Menschen ihre Möglichkeiten ausschöpfen, liegt in ihrer freien Entscheidung. Nussbaum konstatiert – wieder in Anlehnung an Aristoteles –, dass es das Ziel ist, einer großen Anzahl von Menschen zu ermöglichen, die Schwelle zur guten Lebensführung zu überschreiten."

"Hier wird das utilitaristische Moment in Nussbaums Denken deutlich. Wenn ein Staat möglichst viele Menschen dazu befähigen kann, die Schwelle zum guten Leben zu überschreiten, dann kann dieser Staat als gut bezeichnet werden. Wenn die Schwelle bereits überschritten ist, ist eine Förderung und Unterstützung von staatlicher Seite weniger stark erforderlich, weil nach aristotelischer Auffassung ein Mehr nicht notwendigerweise auch ein Besser ist und weil die Menschen, die die Schwelle zum guten Leben bereits überschritten haben, in einer Position sind, in welcher sie sich selbst weiterentwickeln können. Dass ein Mehr nicht notwendigerweise ein Besser ist, wird an den Beispielen Finanzkrise und Lebensmittelüberfluss in den hochentwickelten Staaten deutlich."